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Eintagsküken

Wie Millionen Hühner für die Eierproduktion leiden

2.2.2022

Trotz Kükentötungsverbot – die Tierqual bleibt: Denn die Hochleistungszucht als Kernproblem der modernen Eierproduktion und der Umgang mit den männlichen Küken ist nach wie vor nicht gelöst. Für die Geflügelindustrie sind sie unwirtschaftlich. 

Bis 2022 starben in deutschen Brütereien jedes Jahr 40 bis 50 Millionen männliche Küken aus rein wirtschaftlichen Gründen. Denn für die Eierindustrie sind sie wertlos: Hähne legen nun mal keine Eier, so wie ihre Schwestern, die Legehennen. Sie gelten daher als unerwünschtes Nebenprodukt. Für die Fleischmast aber wachsen sie nicht schnell genug. Hier gelten die extrem hochgezüchteten Masthühner als Maßstab. Dass es sich bei diesen Küken um gesunde, lebensfähige Tiere handelt, wurde über Jahre ignoriert. 

Trotz Kükentötungsverbot ab 2022: Männliche Tiere bleiben Wegwerfware 

Bisher wurden die männlichen Küken in der Eierindustrie als unerwünschtes Nebenprodukt kurz nach dem Schlupf aussortiert und getötet. Ab Januar 2022 ist das Töten der männlichen Tiere in Deutschland verboten. Als Alternative wird vermehrt die „Geschlechterbestimmung im Ei“ durchgeführt. Die dafür bisher verfügbaren Methoden können die Küken jedoch erst aussortieren, wenn der Embryo im Ei bereits empfindungsfähig ist. Auch als getöteter Embryo bleiben die Hähne ein Abfallprodukt der Geflügelindustrie, dem jeglicher Wert abgesprochen wird. Sie werden lediglich schon als Embryonen am neunten bzw. 14. Bruttag entsorgt, obwohl eine Empfindungsfähigkeit bereits ab dem siebten Tag nachgewiesen ist. Doch dem soll erst ab 2024 Rechnung getragen werden. Zudem werden hiermit nicht die Ursachen des Problems beseitigt, nämlich die spezialisierte Hochleistungszucht. 

Geschlechtsbestimmung im Ei bekämpft nur Symptome

VIER PFOTEN steht der Geschlechtsbestimmung im Ei, sowie der Aufzucht von Legehybridhähnen kritisch gegenüber. Beide Lösungen arbeiten nicht an der systembedingten Ursache, nämlich der spezialisierten Hochleistungszucht und fördern die Fortführung der industriellen Tierhaltung. Als Übergangslösung ist die Geschlechtsbestimmung im Ei denkbar, sofern sie vor dem 6. Bruttag stattfindet, ebenso die Bruderhahn-Aufzucht, sofern sie tiergerecht erfolgt. 

Hochleistungstier Legehenne

Moderne Legehybriden sind darauf gezüchtet, möglichst viele Eier in kurzer Zeit zu produzieren. Dies bringt vermehrt Gesundheitsprobleme bei den Hennen mit sich. Der größte Teil der in Deutschland verkauften Eier stammt weiterhin aus der Bodenhaltung, in der die Tiere auf engstem Raum leben müssen und keinen Zugang ins Freie haben. Wie in der Käfighaltung mangelt es den Hennen auch hier an Beschäftigung. Das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen bleibt den Tieren weitgehend verwehrt. 

Tipps für tierfreundlicheren Eier-Kauf

Zu viele, teils irreführende Label helfen oft nicht, wenn es darum geht, tierfreundlicher erzeugte Produkte zu kaufen. Im Handel werden Eier aus Produktionssystemen, die die Geschlechtsbestimmung im Ei nutzen, derzeit als „ohne Kükentöten“ gelabelt, obwohl dabei die männlichen Embryonen nach der Selektion abgetötet werden. 

Eier aus einer Haltung mit Bruderhahn-Aufzucht können daher für Käufer:innen eine tierfreundlichere Alternative sein. Hier werden die männlichen Küken nicht getötet, sondern aufgezogen. Allerdings bieten nicht alle Bruderhahn-Label eine tiergerechte Haltung. Deshalb ist es wichtig auf die Bio-Aufzucht der Hähne zu achten.  

Hier eine Auswahl: Demeter, Hähnlein, Rosenthaler Hahnenglück, Alnatura Bruderhahn Initiative, Initiative Bruder Ei, Bruderhahninitiative Deutschland, Eier mit ÖTZ Siegel 

Grundsätzlich empfiehlt VIER PFOTEN, den Eierkonsum zu reduzieren und Ei-freie Alternativen auszuprobieren. Wer Gewissheit haben möchte, woher die Eier stammen, der sollte auf das Bio-Siegel sowie ökologische Aufzucht bei Bruderhähnen achten. 

  Schluss mit Hochleistungszuchten und Wegwerf-Tieren!  

  VIER PFOTEN fordert: 

  • Die generelle Abkehr von der industriellen Tierhaltung – das bedeutet: Schluss mit Hochleistungszuchten, Wegwerf-Tieren sowie Qualhaltungen.
  • Eine Abkehr vom Weg der Geschlechtsbestimmung im Ei und Beseitigung systembedingter Ursachen des Kükentötens
  • Die Etablierung des Zweinutzungshuhns, also einer Hühnerrasse, die zur Eier- und zur Fleischproduktion geeignet ist und Hahn und Henne den gleichen Wert beimisst. Dazu gehört die Förderung von Projekten zur Züchtung von Zweinutzungshühnern wie z.B. der ÖTZ (https://www.oekotierzucht.de/) anstatt der Förderung der Geschlechtsbestimmung im Ei.
  • Die tiergerechte Aufzucht der Bruderhähne als Übergangslösung bis zur flächendeckenden Etablierung des Zweinutzungshuhns.
  • Verpflichtende Kennzeichnung von Produkten mit verarbeiteten Eiern nach Haltungsform.
  • Klarere Kennzeichnung, was ‘ohne Kükentöten’ bedeutet. ‚Ohne Kükentöten‘ darf nur bedeuten, dass weder die Küken noch die Embryonen abgetötet werden.
  • Die Förderung pflanzlicher Ernährung.

VIER PFOTEN fordert ein Ende der grausamen Praktiken...

Eierkauf ist eine Frage der Haltung

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