Haltungsformen bei Legehennen

Wie lebt ein Huhn in Käfighaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung oder Biohaltung?

16.2.2023

In  der Eierindustrie gibt es verschiedene Haltungsformen für Legehennen. Die meisten davon bedeuten für die Hühner immensen Stress. VIER PFOTEN erklärt, wie Hennen in Käfighaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung und Bio-Haltung leben.

Käfighaltung und Kleingruppenhaltung

In den herkömmlichen Legebatterien wurden die Legehennen in winzigen Käfigen gehalten, in deneneinem Huhn nur eine Fläche von 550 Quadratzentimeter zur Verfügung – weniger als ein DIN-A4-Blatt – zur Verfügung stand. Vier bis fünf Hennen lebten in einem Käfig. Diese Käfige stehen in Doppelreihen und bis zu acht Etagen übereinander. Diese Haltungsform ist in Deutschland seit 2010 verboten und in der EU seit 2012. Außerhalb der EU ist sie allerdings noch erlaubt und gängige Praxis. Auch aus solchen Ländern (z.B. Ukraine) werden Käfigeier in die EU importiert.

Noch erlaubt sind allerdingsdie sogenannten „ausgestalteten Käfige“ (sogenannte Kleingruppenhaltung). Hier hat jedes Huhn 750 Quadratzentimeter Platz. In dem Käfig gibt es „Legenester“, „Sitzstangen“ und eine „Scharrfläche“, die jedoch diese Namen nicht verdienen. Den Bedürfnissen der Tiere entsprechen sie nicht einmal ansatzweise. Für die Kleingruppenhaltung wurde 2015 in Deutschland über eine entsprechende Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung eine Auslauffrist für bestehende Betriebe bis Ende 2025 festgeschrieben. 

Nur für besondere Härtefälle soll eine Verlängerung der Frist um bis zu maximal drei Jahren (2028) möglich sein. In der EU ist für Ende 2023 einen Entwurf für ein Verbot der Käfighaltung angekündigt, welches 2027 in Kraft treten könnte. Aktuell ist aber die Kleingruppenhaltung in Käfigen in vielen EU Ländern noch gängige Praxis. In Deutschland lebten 2022 noch etwa 6 % der Legehennen in Kleingruppenhaltung. Umso wichtiger ist es deshalb, gerade auch bei verarbeiteten Produkten auf die Kennzeichnung zu achten und bei Bäckern oder in der Gastronomie nachzufragen, woher die Eier in Kuchen oder Omelett stammen.

Achten Sie deshalb auf die erste Ziffer auf dem Ei-Stempel: 3 steht für Käfig!

ausgestalteten Käfig

Bodenhaltung

Die meisten Hühner in der Eierproduktion leben heute in Bodenhaltung. Bei der Bodenhaltung leben neun Hennen pro Quadratmeter - meist in riesigen Hallen. Sind Sitzstangen und Legenester in mehreren Etagen angebracht (sogenannte Volierenhaltung), dürfen es sogar 18 Hennen pro Quadratmeter sein.

Eine Herde darf aus bis zu 6.000 Hennen bestehen. In einem Stall können mehrere Herden gehalten werden.

Wie in der Käfighaltung mangelt es den Hennen auch in der Bodenhaltung an Beschäftigung, da es keinen Grünauslauf gibt. Verhaltensweisen wie Futtersuche, Scharren, Kratzen und Picken können in einer solchen Haltung nur bedingt ausgeübt werden. Das regelmäßige Einbringen frischer Einstreu und ähnlicher Beschäftigungsmaterialien ist hier besonders wichtig.

Achten Sie auf den Ei-Stempel:  2 steht für Bodenhaltung.

Freilandhaltung

Bei der Freilandhaltung steht den Hühnern tagsüber ein Auslauf von mindestens vier Quadratmetern pro Tier zur Verfügung. Die Bedingungen im Stall entsprechen denen der Bodenhaltung. Es stehen Sitzstangen, Legenester und eingestreute Scharräume zur Verfügung. Bei dieser Haltungsform können die Grundbedürfnisse der Hennen wesentlich besser umgesetzt werden als im Käfig.

Aber auch in großen Freilandhaltungen kann es zu Problemen kommen, zum Beispiel zu einer Übernutzung des stallnahen Auslaufbereiches und der Grünfläche. In Pfützen und schlammigen Bereichen können sich Parasiten ansammeln, welche die Gesundheit der Legehennen beeinträchtigen. Um dies zu verhindern, ist es notwendig, den stallnahen Boden regelmäßig abzutragen und auszutauschen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ihn trocken und hygienisch sauber zu halten, zum Beispiel durch Aufschütten von grob strukturiertem, wasserdurchlässigem Material.

Ebenso kann es passieren, dass die Tiere durch einen mangelhaft strukturierten Weide-Auslauf diesen nicht vollständig nutzen. Durch Unterschlupfmöglichkeiten, Sträucher und stallnahe Weiden wird den Hennen das Hinausgehen erleichtert, da sie sich geschützt fühlen und bei Gefahr (zum Beispiel durch Greifvögel) sofort Unterschlupf finden. Ein regelmäßiger Wechsel der Weiden ist außerdem notwendig, um die Grasnarbe zu erhalten.

Auch muss in der Freilandhaltung auf einen möglichst guten Schutz vor Beutegreifern wie Raubvögeln, Waschbären, Füchsen und Mardern Augenmerk gelegt werden.

Achten Sie auf den Ei-Stempel: 1 steht für Freilandhaltung.

Das sagt die Zahl auf dem Ei.

Biohaltung

Bei der Biohaltung hat jedes Huhn mindestens vier Quadratmeter Auslauf. Im Stall dürfen maximal sechs Tiere pro Quadratmeter gehalten werden. Mindestens ein Drittel der Stallfläche ist ein eingestreuter Scharraum, Legenester und Sitzstangen stehen zur Verfügung. Eine Herde darf maximal 3.000 Hennen umfassen/ groß sein. Prophylaktischer Medikamenteneinsatz ist verboten.

Das größte Plus gegenüber allen anderen Haltungsformen ist hier die biologische Wirtschaftsweise der Betriebe. Das heißt zum Beispiel, dass die Tierhaltung flächengebunden ist: Es werden nur so viele Tiere gehalten wie von der Fläche ernährt werden können, Demzufolge wird nur so viel Kot erzeugt wie der Boden an Nährstoffen aufnehmen kann. Das Futter wird ohne Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Gentechnik hergestellt.

Von allen Haltungsformen ist die Biohaltung sicherlich die tierfreundlichste. Doch nicht immer werden die Haltungsvorschriften in der Praxis auch eingehalten. Die teilweise ebenfalls hohe Legeleistung der Hennen kann auch in Bio-Betrieben eine Ursache für Tierleid sein, da die Fütterung im Biobereich stärker reglementiert  ist und z.B. keine künstlichen Aminosäuren verfüttert werden dürfen.

Achten Sie auf den Ei-Stempel: 0 steht für Biohaltung.

Probleme in der Haltung von Legehennen

Zu Problemen wie Federpicken und Kannibalismus kann es in jeder Form der Haltung von Legehennen kommen.  Mitentscheidend sind letzten Endes auch Knowhow und Wachsamkeit der Betriebsleiter und das Management in der jeweiligen Haltungseinrichtung.

Kükentötung für alle Haltungsformen

Aus Tierschutzsicht des der größten Probleme in der Eierindustrie: Jeder Haltungsform von Legehennen geht das sogenannte „Sexen“ voraus: Alle männlichen Küken werden aussortiert und getötet. Männliche Eintagsküken werden später keine Eier legen und sind damit für die Industrie unwirtschaftlich.

Mehr als 300 Eier pro Jahr


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