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Hände weg von „Ästlingen“

Ratgeber für Tierfreunde: Nicht jeder vermeintlich aus dem Nest gefallene Jungvogel braucht Hilfe

Nicht jeder Jungvogel, den Spaziergänger am Wegesrand oder auf einer Straße finden, muss gerettet werden. Fast immer handelt es sich um einen so genannten „Ästling“. So bezeichnet man einen jungen Vogel, der zwar noch flugunfähig ist, aber bereits außerhalb des Nests im nahe gelegenem Geäst und Buschwerk die Gegend erkundet. Die Eltern eines Ästlings sind immer in der Nähe und sorgen sich um ihren Nachwuchs.

Man sollte einen Jungvogel nur dann nach Hause mitnehmen, wenn man sicher ist, dass es sich um einen echten Notfall handelt – also zum Beispiel um einen wirklich frisch geschlüpften oder wenige Tage alten Jungvogel. Rettung ist nötig, wenn der Vogel sichtbar verletzt ist oder wenn man selbst beobachten konnte, dass die Elterntiere verunglückt sind. Auch wenn sich das Tier an einem offensichtlich gefährlichen Ort befindet, muss man eingreifen.

Im Zweifelsfall Experten fragen

Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation Hamburg, hat einen solchen Fall schon erlebt: Nach einem entsprechenden Hinweis barg er mit seiner Mitarbeiterin eine junge, sichtbar geschwächte Waldohreule. Nach einer Suche in der Umgebung fanden die Experten ein totes Elternteil, und schließlich auch das Nest mit dem verbleibenden Altvogel.

„Hier mussten wir die junge Waldohreule retten und in unsere Station bringen, denn das verbleibende Elternteil konnte das Jungtier nicht alleine versorgen.“

Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation Hamburg

Findet man als Laie einen nachweislich verwaisten Jungvogel, sollten diese Findlinge in eine Kartonschachtel mit Luftlöchern (nie in einen Käfig) gesetzt und möglichst rasch erfahrenen Händen übergeben werden. Eine Versorgung mit Wasser und Nahrung ist in der kurzen Aufbewahrungszeit nicht erforderlich. Achtung: Niemals Hunde- und Katzenfutter geben!Bei Unsicherheit sollte man unbedingt den Rat von Experten wie denen der Wildtierstation Hamburg einholen.

VIER PFOTEN unterstützt die Wildtierstation Hamburg

In der Wildtierstation Hamburg werden pro Jahr etwa 1.500 Jungvögel, Eichhörnchen, Hasen und andere Wildtiere gerettet, aufgezogen, medizinisch versorgt und zu fast 60 Prozent wieder freigelassen. Mit Unterstützung von VIER PFOTEN arbeiten Christian Erdmann und sein Team an effektiven Maßnahmen für die verbesserte Rehabilitation, Aufzucht und Freilassung beziehungsweise artgemäße Unterbringung bedürftiger Wildtiere.