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Klöckners Abwrackprämie für Ställe angesichts der Corona-Krise ist ein erster Schritt

29.5.2020

Staatlich geförderte Stallumbauten müssen an starke Tierschutzkriterien gekoppelt werden

Hamburg, 28. Mai 2020 – VIER PFOTEN begrüßt die Pläne von Agrarministerin Klöckner, die jetzt im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets eine Förderung von Stallumbauten vorschlägt.
 

„Eine Abwrackprämie für Ställe wäre ein Schritt in die richtige Richtung, wenn Umbauten an starke Tierschutzkriterien gekoppelt werden und keine tierquälerischen Haltungssysteme wie den Kastenstand unterstützen. Das bisherige – übrigens staatlich subventionierte – Billigfleisch-System, das nur auf Masse setzt, ist gescheitert und die Corona-Pandemie hat uns die Probleme in der Landwirtschaft wie unter einem Brennglas gezeigt. Wir müssen jetzt fundamental umdenken und die Anzahl der Tiere pro Quadratmeter reduzieren, den Tieren Beschäftigungsmöglichkeiten, frische Luft und eine artgemäße Umgebung bieten. Und das Konjunktur-Paket kann nur ein Anfang sein. Es braucht langfristige und nachhaltige Umbau- und Finanzierungspläne für eine echte Agrar- und Tierschutzwende.”

Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer VIER PFOTEN Deutschland

Hintergrund

In Deutschland werden derzeit ca. 26,1 Mio. Schweine, 11,8 Mio. Rinder und 150 Mio. Geflügeltiere gehalten. Über das ganze Jahr verteilt werden etwa 700 Mio. Geflügeltiere in Deutschland geschlachtet. Dieses System geht auf Kosten des Tierwohls, des Klimas und der Umwelt. Die Tiere werden immer noch als reine Produktionsmaschinen gesehen. Masthühner und -puten werden in kürzester Zeit auf ein Gewicht hochgemästet, so dass viele Tiere am Ende der Mast nicht mehr richtig laufen können. Mastrinder und -schweine leben ihr gesamtes Leben auf Beton-Spaltenböden in dunklen Ställen. Sauen müssen in körperengen Metallkästen wochenlang eingesperrt leben und dort ihre Ferkel zur Welt bringen. Um artgemäße Lebensbedingungen für die Tiere zu schaffen, müssen die Tierbestände drastisch reduziert werden. Nur so ist es möglich, dass letztendlich alle Tiere Auslauf und frische Luft genießen können, wie dies bislang nur wenigen Tieren, meist in bestimmten Label-Programmen, vorbehalten ist.  

Finanzierung

Laut VIER PFOTEN sollte finanzielle Unterstützung nur in Verbindung mit Tierwohlmaßnahmen und reduzierten Tierbeständen erfolgen, denn eine drastische Reduktion der Tierbestände ist eine Voraussetzung, um überhaupt flächendeckend mehr Tierwohl umsetzen zu können. Wirkungsvoll wäre die Kombination einer zweckgebundenen Sonderabgabe auf tierische Produkte, eine Überarbeitung des derzeit ungerechten EU-Fördersystems und eine Anpassung der Mehrwertsteuer bei pflanzlichen und tierischen Produkten. Die Mehrwertsteuer sollte bei pflanzlichen Produkten auf sieben Prozent runter- und bei tierischen Produkten auf 19 Prozent raufgesetzt werden, um entsprechende Kaufanreize zu schaffen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-66

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen, Orang-Utans und Elefanten – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de