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Stoppt quälende Lebendtiertransporte, nicht nur bei extremer Hitze

Länder müssen auf Bundesratssitzung für weniger Tierleid bei Transporten stimmen 

17.2.2021

Hamburg, 18. Juni 2021 – Unter der Hitzewelle in Deutschland und Teilen Europas mit Temperaturen weit über 30 Grad leiden besonders Rinder, Schweine, Schafe, Geflügel, Kaninchen und andere sogenannte Nutztiere auf nicht klimatisierten Lebendtiertransporten. Eng eingepfercht stehen die Tiere auf LKW-Ladeflächen oder noch schlimmer in den Laderäumen überfüllter Schiffe. Für die fühlenden Lebewesen sind diese klimatischen Bedingungen eine einzige Tortur – und machen die Transporte schnell zur Höllenfahrt. VIER PFOTEN fordert, Transporte sofort auszusetzen. Darüber hinaus bittet die internationale Stiftung für Tierschutz die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit und darum, in der Hitze abgestellte Transporter bei der Polizei zu melden.

Abgefertigt werden Tiertransporte auch bei aktuell über 30 Grad. Nach der deutschen Transportverordnung ist das immer noch erlaubt. Laut EU-Verordnung dürfen Langstreckentransporte nicht genehmigt werden, wenn 30 Grad oder mehr vorhergesagt sind. Dies gilt für die gesamte Strecke und damit auch für Transporte, die von Deutschland mit seinen derzeit schon sehr hohen Temperaturen in noch heißere Zielgebiete wie Spanien und Enddestinationen wie Marokko oder den Libanon gehen. Dennoch finden diese Fahrten mangels regelmäßiger Kontrollen und oft lax abfertigender Veterinär:innen viel zu häufig statt – dabei sterben immer wieder zahlreiche Tiere aufgrund von Hitzestress und Erschöpfung. Aber auch für Tiertransporte unter acht Stunden muss ab 30 Grad Außentemperatur ein Transportstopp gelten. Insbesondere Geflügel stirbt häufig an Überhitzung. Nach den derzeit gültigen Vorschriften ist es erlaubt, Geflügel bis zu 12 Stunden ohne Wasser zu transportieren und zusätzlich noch bis zu zehn Stunden am Schlachthof im LKW zu belassen. Die Tiere werden mehrstöckig eng zusammengepfercht in Kisten auf den LKW gestapelt. Eine Tierversorgung oder Rettung einzelner Tiere ist nicht möglich. Schon allein deshalb muss diese Praxis umgehend verboten werden.

„Wir fordern alle Bundesländer sowie Veterinärbehörden auf, aktuell keine Tiertransporte zu genehmigen. Die Länder haben jetzt die Chance, auf der Bundesratssitzung am 25. Juni für weniger Tierleid und gegen den mangelhaften Änderungsentwurf zur deutschen Transportverordnung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu stimmen: Der Agrarausschuss des Bundesrates empfiehlt in seinem Änderungsantrag unter anderem Verbesserungen bezüglich Temperaturgrenzen vorzunehmen. Vor allem jedoch schlägt er ein Verbot von Lebendtiertransporten in 17 Drittstaaten wie Ägypten, Algerien, Libanon, Marokko und weitere vor. Die Länder müssen hier mit ihrem Votum ein eindeutiges Zeichen an den Bund senden und sich für ein solches Verbot einsetzen.

Darüber hinaus müssen die Kontrollen verschärft und Vergehen konsequent bestraft werden. Die viel zu lasche deutsche Transportverordnung ist ein Hohn für jedes Tier, das in brütender Hitze seinem Tod entgegenfährt. Das gesamte System Tiertransporte muss auf den Prüfstand und der Transport lebender Tiere durch Fleisch oder Zuchtsamen ersetzt werden. Tiertransporte in Drittländer müssen generell – unabhängig von hohen Temperaturen verboten werden.“

Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer VIER PFOTEN Deutschland

Tiere leiden unter der Hitze: Halten Sie die Augen offen

„Insbesondere Schweine und Geflügel leiden extrem bei Hitze. Die Tiere können nicht schwitzen und sind zudem anfällig für Herz-Kreislauf-Probleme. Durch die Enge auf dem Transporter erhöht sich das Risiko zu kollabieren zusätzlich. VIER PFOTEN appelliert daher auch an die Bevölkerung, die Augen offenzuhalten und in der Hitze abgestellte Tiertransporter bei der Polizei oder Feuerwehr zu melden. Eine rechtzeitige Abkühlung kann das Leid der Tiere reduzieren“, so Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN.

Ein ausführliches Hintergrundpapier zu Tiertransporten finden Sie hier.

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 151 183 515 30

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die weltweite Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Leiden aufdeckt, Tiere in Not rettet und sie schützt. Gegründet 1988 in Wien von Heli Dungler und Freunden, setzt sich die Organisation für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Empathie und Verständnis begegnen. Die nachhaltigen Kampagnen und Projekte von VIER PFOTEN konzentrieren sich auf Haustiere wie streunende Hunde und Katzen, Nutztiere und Wildtiere - wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans - in unangemessener Haltung sowie in Katastrophen- und Konfliktgebieten. Mit Büros in Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Kosovo, den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Großbritannien, den USA und Vietnam sowie Auffangstationen für gerettete Tiere in elf Ländern bietet VIER PFOTEN schnelle Hilfe und langfristige Lösungen. 

www.vier-pfoten.de

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