Suche

Spenden Patenschaft

„Schweinestau“:  Notbremse ziehen, um Katastrophe zu verhindern

24.7.2020

Drosselung der „Tierproduktion“ und Bestandsreduzierung sind dringende Maßnahmen

Hamburg, 24. Juli 2020 – Durch den Corona-Ausbruch im Tönnies-Schlachthof Rheda-Wiedenbrück und die damit verbundene temporäre Stilllegung des Betriebes wissen Tierhalter*innen aufgrund mangelnder Schlachthof-Kapazitäten derzeit nicht wohin mit 400.000 Schweinen.

„Der aktuelle sogenannte ,Schweinestau` verdeutlicht eindringlich, wie anfällig das industrialisierte System mit riesigen Nutztierbeständen und zentralisierten Schlachtfabriken in Deutschland ist. Die Tierhalter*innen müssen jetzt sofort die Notbremse ziehen und ihre Schweine- und Ferkellieferungen drastisch reduzieren, um eine Tierschutz-Katastrophe wie in den USA mit Notschlachtungen zu verhindern. Auch Sauen dürften vorerst nicht erneut besamt werden. Dafür sollten sich auch der Bauernverband und Interessensverbände der Tierhalter einsetzen. Es ist empfindsamen Lebewesen gegenüber unverantwortlich, einfach weiter zu produzieren, während sich die Tiere bereits in den Ställen stapeln. Denn damit werden bewusst vorhersehbare Leiden in Kauf genommen.“

Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN

Doch die Drosselung der Tierbestände als Sofortmaßnahme reicht nicht. Mittel- und langfristig ist eine deutliche Bestandsreduzierung die einzig gangbare Lösung. Denn mehr Tierschutz funktioniert nur mit kleineren Tierbeständen. Das gilt nicht nur für Schweine, sondern auch für Geflügel und Rinder. Es müssen Bestände abgebaut, Exporte von Tierüberschüssen abgeschafft und Schlachthöfe dezentralisiert werden. Gerade durch die in den vergangenen Jahren vorangeschrittene Zentralisierung der Schlachthöfe haben sich Abhängigkeiten gebildet und Transportwege vergrößert. Dagegen müssen wir vorgehen.  

Nur wenn es weniger sogenannte ‚Nutztiere‘ in Deutschland gibt, wird man genug Platz für jedes einzelne Tier mit Auslauf im Freien ermöglichen. Und nur dann werden ins Ausland exportierte „Tierüberschüsse“ und Akkordschlachtungen endlich der Vergangenheit angehören.

Weitere Informationen finden Sie hier

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-66

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen, Orang-Utans und Elefanten – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de