Weltschweinetag: „Du dumme Drecksau?“– Ganz schön dumm

Viele Vorurteile gegenüber Schweinen halten sich hartnäckig

Hamburg, 26. Februar 2026 – Am Sonntag, den 01. März, ist Weltschweinetag. 1972 kamen die US-Schwestern Ellen Stanley und Mary Lynne Rave auf die Idee des Ehrentages für das unterschätzte und auch im deutschen Sprachgebrauch viel geschmähte Borstenvieh. VIER PFOTEN räumt zu diesem Anlass mit gängigen Vorurteilen auf. 

In Deutschland werden jährlich ca. 45 Millionen Schweine geschlachtet. Bei einer möglichen Lebenserwartung von über zehn Jahren werden Mastschweine in der industriellen Tierhaltung bereits nach sechs bis acht Monaten getötet. Millionen Ferkel und Mastschweine leben in der Intensivtierhaltung auf harten Beton-Vollspaltenböden. Es mangelt an Platz, weichen Liegeflächen, Beschäftigungsmöglichkeiten und an frischer Luft. Zuchtsauen werden monatelang in körperenge Metallkäfige, sogenannte Kastenstände, gesperrt, in denen ein Umdrehen der Tiere und jegliche Fortbewegung unmöglich ist. Derzeit lässt das Land Berlin beim Bundesverfassungsgericht prüfen, ob diese gängige Haltung von Schweinen in Deutschland verfassungswidrig ist. Zeit, sich mit den Vorurteilen gegenüber Schweinen auseinanderzusetzen. 

„Du dummes Schwein“

Im Gegensatz zur weitläufigen Aussage im deutschen Sprachgebrauch sind Schweine sehr intelligent. Zum Beispiel haben Schweine in einer Studie Aufgaben schneller gelöst als Hunde, um so an Leckerlis zu kommen. Außerdem haben sie dabei im Gegensatz zu den Hunden Ehrgeiz bewiesen und versucht, auch schwierige Aufgaben zu lösen, während die Hunde schneller aufgegeben haben. Es ist erwiesen, dass Schweine strategisch denken und sogar Zusammenhänge verstehen können. Darüber hinaus hat jedes Schwein seine eigene Persönlichkeit: Es gibt mutigere, schüchterne, aufmüpfige und zurückhaltende Persönlichkeiten. Schweine erinnern sich an ihren Namen und erkennen sich selber im Spiegel – ein Zeichen von Intelligenz. Sie haben auch eine eigene Sprache mit bisher ca. 20 bekannten Lauten. In dieser Sprache verständigen sie sich und reagieren in ihrer Schweinesprache auch auf Ansprache durch Menschen.

„Du faule Sau“

Schweine sind das Gegenteil von faul, in naturnahen Haltungen beschäftigen sie sich 7-8 Stunden am Tag mit der Nahrungssuche. Das gilt auch für die Versorgung des eigenen Nachwuchses: Mutterschweine schützen ihre Kinder kompromisslos. Wer einmal Schweine „bei der Arbeit“ beobachtet hat, weiß, dass sie gerne nach Essbarem wühlen, es lieben, sich in der Suhle zu wälzen, die Umgebung zu erkunden, sich mit ihren Sozialpartnern auszutauschen, zu spielen, zu laufen und Körperpflege zu betreiben.

„Du stinkende Drecksau“

Schweine sind von Natur aus reinliche Tiere, die freiwillig niemals in ihr Schlafnest koten würden. In der industriellen Haltung auf Betonvollspaltenböden sind sie aber oft dazu gezwungen, dauerhaft über ihren eigenen Exkrementen zu liegen. Der Kotgeruch lässt die Schweinställe „stinken“ – eine Qual für die sensiblen Borstentiere. Sie besitzen mehr Riechzellen als Hunde und sind in der Lage, bis zu einer Tiefe von 50 Zentimetern Wurzeln oder Trüffel im Boden aufzuspüren. Damit ist die gängige industrielle Schweinehaltung auf Vollspaltenböden Tierquälerei und der Spruch „du stinkende Drecksau“ absolut unangebracht.

„Du asoziales Schwein“

Schweine sind hochsoziale Tiere mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Die meisten Verhaltensweisen, z.B. Fressen oder Ruhen, werden gemeinsam ausgeführt. In einer festen Gruppe gibt es eine strikte Rangordnung, die Streitigkeiten gering hält. Schweine leben in der Natur in kleinen Mutterfamiliengruppen, sogenannten Rotten, von 20 bis 30 Tieren, die aus Muttertieren und deren Nachwuchs bestehen. Die männlichen Tiere verlassen mit der Geschlechtsreife die Rotte und leben für eine gewisse Zeit in Junggesellen-Gruppen zusammen. Als ausgewachsene Eber leben sie als Einzelgänger und schließen sich nur während der Paarungszeit einer Rotte an.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier

Dr. Nora Irrgang steht für Interviews zur Verfügung.

Oliver Windhorst

Pressesprecher für Tiere in der Landwirtschaft

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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

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