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Unfälle bei Tiertransporten auf deutschen Straßen: Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen traurige „Spitzenreiter“ 

Seit Jahresanfang wurden Tausende Tiere bei wenigstens 21 Unfällen getötet - Regierung darf eigene Verantwortung bei Tiertransporten nicht auf EU schieben

17.12.2021

Hamburg, 17. Dezember 2021 – Eine offizielle Statistik fehlt, deshalb hat VIER PFOTEN recherchiert: Laut Medienberichten und Pressemitteilungen der Polizei starben im Jahr 2021 auf bundesdeutschen Straßen bisher bereits Tausende Hühner, zahlreiche Puten und mindestens 694 Rinder und Schweine bei wenigstens 21 Tiertransport-Unfällen. Diese Tiere sind entweder direkt bei den Unfällen ums Leben gekommen oder wurden am Unfallort notgetötet. Insgesamt waren mindestens 9.569 Tiere von Unfällen betroffen. Traurige „Spitzenreiter“ mit den meisten Unfällen sind die Bundesländer Niedersachen und Nordrhein-Westfalen. Die globale Tierschutzstiftung fordert ein Ende der grausamen Tiertransporte und appelliert an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, sich für Transportzeitbegrenzungen, strengere Kontrollen und ein bundes- und EU-weites Verbot von Langstreckentransporten und Transporten lebender Tiere in Drittländer einzusetzen.

„Wir sind schockiert über die hohe Zahl von knapp 10.000 verunglückten und Tausender getöteter Tiere – und das nur auf deutschen Straßen! Mehrere Millionen Tiere werden jedes Jahr innerhalb Deutschlands, von Deutschland aus in andere EU-Staaten, aber auch in weit entfernte Länder außerhalb der EU transportiert. Sie dursten, hungern und können sich oft nicht hinlegen oder ausruhen. Pausen werden häufig nicht eingehalten. Viele Unternehmen halten sich nicht einmal an die ohnehin viel zu laschen Vorschriften, es gibt viel zu wenig Kontrollen und die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker schauen bislang weg. Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir darf nicht dem Beispiel seiner Vorgängerin folgen und die Verantwortung einfach auf die EU schieben – wir begrüßen es, dass der Bundeslandwirtschaftsminister der oberste Tierschützer in Deutschland sein will und hoffen, dass die Bundesregierung deshalb im ersten Schritt für ein generelles Transportverbot in Länder außerhalb der EU sorgt. Gleichzeitig müssen sich die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker für eine Transportbegrenzung auf maximal acht Stunden für Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen sowie eine maximale Transportdauer von vier Stunden für Geflügel und Kaninchen einsetzen.“

Rüdiger Jürgensen von VIER PFOTEN

324 Millionen Tiere auf grenzüberschreitenden Transporten aus Deutschland

Viel zu oft werden tierschutzrechtliche Verstöße wie ungesicherte Tiere oder eine zu hohe Beladung bei Transporten festgestellt. Gerade bei langen Transporten kommt es zudem durch übermüdete Fahrer:innen immer wieder zu schweren Unfällen. VIER PFOTEN geht außerdem von einer hohen Dunkelziffer aus, denn es existiert keine bundesweite Statistik zu Verkehrsunfällen mit Lebendtieren. Diese wäre jedoch notwendig, um das wahre Ausmaß der Transportunfälle und damit das immense Tierleid sichtbar zu machen. Unfälle mit Tiertransporten führen nicht nur zu immensem Tierleid, sondern stellen auch eine unmittelbare Gefahr für Menschen dar, denn die Tiere laufen oftmals vollkommen verstört über die Fahrbahn, was zu weiteren Unfällen führen kann.

Jährlich werden über 1,5 Milliarden Geflügeltiere und über 49 Millionen lebende Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde grenzüberschreitend innerhalb der EU sowie aus der EU in Drittstaaten transportiert. 2019 transportierte Deutschland ca. 315 Millionen Tiere grenzüberschreitend innerhalb der EU und exportierte 8,9 Millionen Tiere in Nicht-EU-Länder. Das betrifft vor allem viele Eintagsküken, die in Länder wie Russland, Ukraine, Mexiko, Türkei, Belarus gebracht werden, häufig auch mit dem Flugzeug. Auch deutsche vermeintliche „Zuchtrinder“ werden per Lkw und oft auch per Schiff in extrem weit entfernte Drittstaaten verfrachtet: 2020 wurden mehr als 41.000 Rinder exportiert, zum großen Teil in sehr heiße Länder wie Marokko, Algerien, Ägypten, Türkei, Eritrea und Iran. Diese Transporte dauern tage- bis wochenlang. Im Zielland ist die Wasser- und Futterversorgung der Tiere nicht sichergestellt. Zudem gelten diese und andere Drittstaaten als tierschutzrechtliche Hochrisikostaaten, das heißt der Schutz der Tiere kann nicht annähernd gewährleistet werden.

Forderungen von VIER PFOTEN

Ein bundes- und EU-weites Verbot von Langstreckentransporten und Transporten lebender Tiere in Drittländer.
Bundes- und EU-weit sollte außerdem gelten:

  • Verbot des Transports lebender Tiere auf Schiffen
  • Maximal 8 Stunden Transportzeit für alle anderen Tierarten unabhängig vom Zielland
  • Maximal 4 Stunden Transportzeit für alle Tiere innerhalb Deutschlands sowie generell für Geflügel und Kaninchen
  • Kein Transport von nicht abgesetzten Tieren, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind
  • Verbot des Transports bei zu erwartenden Außentemperaturen von unter 5°C und über 25°C
  • Transport von Fleisch und Zuchtsamen statt lebender Tiere
  • Reduktion der Tierbestände und Abkehr von der Exportorientierung

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

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VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
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VIER PFOTEN ist die weltweite Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Leiden aufdeckt, Tiere in Not rettet und sie schützt. Gegründet 1988 in Wien von Heli Dungler und Freunden, setzt sich die Organisation für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Empathie und Verständnis begegnen. Die nachhaltigen Kampagnen und Projekte von VIER PFOTEN konzentrieren sich auf Haustiere wie streunende Hunde und Katzen, Nutztiere und Wildtiere - wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans - in unangemessener Haltung sowie in Katastrophen- und Konfliktgebieten. Mit Büros in Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Kosovo, den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Großbritannien, den USA und Vietnam sowie Auffangstationen für gerettete Tiere in elf Ländern bietet VIER PFOTEN schnelle Hilfe und langfristige Lösungen. 

www.vier-pfoten.de

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