
Welpenwahnsinn auf Social Media
Die versteckte Realität hinter dem Online-Verkauf von Welpen
Der Online-Verkauf von Welpen nimmt europaweit immer mehr zu, wobei Plattformen wie Facebook und Instagram zu wichtigen Marktplätzen geworden sind. Diese Plattformen bieten Verkäufer:innen Zugang zu einem großen Publikum bei gleichzeitig begrenzter Aufsicht und Transparenz, was es für Käufer:innen schwierig macht, zu überprüfen, woher ein Welpe stammt, wie er gezüchtet wurde oder ob der Handel legal ist.
Dies ist kein Nischenproblem. Untersuchungen von VIER PFOTEN zeigen, dass 39 % der Welpenkäufer:innen ihren Hund in den sozialen Medien in einer Anzeige gesehen haben. 32 % davon auf Facebook oder Instagram.
In ganz Europa sind weiterhin große Online-Communities aktiv, die sich dem Kauf und Verkauf von Hunden widmen. Insbesondere auf Facebook erreichen Gruppen, die sich auf den Verkauf von Hunden konzentrieren, Hunderttausende potenzielle Käufer:innen, was es Verkäufer:innen ermöglicht, Welpen breit und wiederholt zu bewerben.
Was die Beweise zeigen
Die Untersuchungen von VIER PFOTEN decken sowohl das Ausmaß des Online-Welpenhandels als auch die dahinterstehende Realität auf und liefern eine immer umfangreichere Faktengrundlage.

Das Ausmaß des Handels auf Facebook und Instagram
Der VIER PFOTEN-Bericht aus dem Jahr 2024 mit dem Titel „Social Media vs Reality: How Meta is failing to curb cruel puppy trade on Facebook and Instagram (Social Media vs. Realität: Wie Meta es versäumt, den grausamen Welpenhandel auf Facebook und Instagram einzudämmen)“ verdeutlicht, wie weit verbreitet der Verkauf von Welpen auf diesen Plattformen ist.
In mehreren europäischen Ländern kommt der Bericht zu folgenden Ergebnissen:
- Von 167 analysierten Facebook-Gruppen enthielten 96 Welpenanzeigen von Privatpersonen, die nicht als registrierte Unternehmen verifiziert werden konnten.
- Diese Gruppen hatten zusammen mehr als 389.000 Mitglieder.
- Von 179 untersuchten Instagram-Profilen wurde festgestellt, dass 57 Welpen zum Verkauf anboten.
Diese Ergebnisse zeigen, dass Welpenanzeigen keine Einzelfälle sind, sondern in Facebook-Gruppen und auf Instagram-Konten weit verbreitet sind und häufig gegen die Richtlinien der Plattformen verstoßen.
Insgesamt verdeutlichen diese Erkenntnisse, wie Facebook und Instagram als bedeutende Marktplätze fungieren, die eine große Reichweite und wiederholte Präsenz bei potenziellen Käufer:innen ermöglichen – bei gleichzeitig begrenzter Rechenschaftspflicht.
Was steckt hinter den Werbeanzeigen – Ergebnisse des Berichts von 2026
Nachfolgende Ermittlungen gehen über Beiträge und Profile hinaus und untersuchen, was in der Realität geschieht.
Der VIER PFOTEN-Bericht aus dem Jahr 2026 mit dem Titel „From Posts to Profit: Investigating the Role of Social Media in Bulgaria's Puppy Trade (Von Beiträgen zum Profit: Untersuchung der Rolle sozialer Medien im bulgarischen Welpenhandel)“ deckt auf, was hinter den auf Facebook und Instagram geteilten Anzeigen steckt: eine Welt, die ganz anders aussieht als das, was online präsentiert wird.
Verdeckte Ermittler:innen, die auf gewöhnliche Welpenanzeigen in Facebook-Gruppen und -Profilen reagierten, stießen auf Tiere, die unter unhygienischen und überfüllten Bedingungen gehalten wurden, oft ohne angemessene Pflege oder tierärztliche Behandlung. Welpen werden häufig zu früh von ihren Müttern getrennt und zeigen Anzeichen von Krankheit, Angst oder Stress.
Hinter den Kulissen wurde beobachtet, dass Zuchthunde – die in Social-Media-Beiträgen selten zu sehen sind – unter schlechten Bedingungen leben, viele mit unbehandelten Verletzungen oder chronischen Gesundheitsproblemen, und wiederholt gezüchtet werden, ohne dass ihr Wohlergehen nennenswert
Verkäufe werden oft so abgewickelt, dass sie einer genauen Überprüfung entgehen. Die Kommunikation verlagert sich schnell von öffentlichen Beiträgen auf private Nachrichten auf Facebook oder Instagram, und Treffen finden unter Umständen auf Parkplätzen oder am Straßenrand statt, sodass Käufer:innen nie sehen, wo die Tiere gezüchtet wurden. Oft fehlen Unterlagen, sind unvollständig oder irreführend, was es schwierig macht, die Herkunft des Tieres zurückzuverfolgen.
In all diesen Fällen wird Facebook immer wieder als die wichtigste Plattform identifiziert, die zur Bewerbung für Welpen, zur Kommunikation mit Käufer:innen und zur Abwicklung von Verkäufen genutzt wird, während Instagram eine untergeordnete, aber dennoch relevante Rolle bei der Bewerbung der Angebote spielt.
Verdeckte Ermittlungen zum Welpenverkauf auf Facebook und Instagram liefern weiterhin Beweise dafür, wie der Handel auf diesen Plattformen im Laufe der Zeit abläuft.
Wie der Handel unentdeckt bleibt
Verkäufer:innen wenden eine Reihe von Taktiken an, um Kontrollen und Durchsetzungsmaßnahmen auf Facebook und Instagram zu umgehen, von denen viele im Rahmen von Ermittlungen dokumentiert wurden.
Der VIER PFOTEN-Bericht aus dem Jahr 2024 mit dem Titel „Social Media vs Reality: How Meta is failing to curb cruel puppy trade on Facebook and Instagram (Social Media vs. Realität: Wie Meta es versäumt, den grausamen Welpenhandel auf Facebook und Instagram einzudämmen)“ zeigt auf, wie Verkäufer:innen ihr Verhalten anpassen, um Plattformregeln und Moderationssysteme zu umgehen.
Zu den gängigen Techniken gehören:
- Verwendung von Emojis oder verschlüsselter Sprache anstelle klarer Verkaufsbegriffe (beispielsweise das Ersetzen von Preisen oder Begriffen wie „zu verkaufen“ durch Symbole), um eine automatische Erkennung zu vermeiden
- Das absichtliche Weglassen von Preisen in Beiträgen, wodurch Käufer:innen dazu veranlasst werden, Details per privater Nachricht anzufragen
- Wiederholtes Posten in mehreren Facebook-Gruppen, um die Reichweite zu maximieren und gleichzeitig das Risiko einer Löschung zu verringern
- Schnelle Verlagerung von Unterhaltungen in den privaten Nachrichtenbereich auf Facebook oder Instagram, wo Aktivitäten schwerer zu überwachen sind
- Präsentation von Angeboten in einer Weise, die informell oder nicht kommerziell wirkt, trotz laufender, groß angelegter Verkäufe
Diese Online-Taktiken gehen häufig mit Verhaltensweisen einher, die bei späteren Ermittlungen festgestellt wurden, darunter:
- Die Vereinbarung von Treffen auf Parkplätzen oder an öffentlichen Orten anstelle von Zuchtbetrieben
- Die Vorlage unvollständiger oder irreführender Unterlagen
- Die Weigerung, die Haltungsbedingungen offenzulegen
- Die falsche Darstellung gesetzlicher Verpflichtungen gegenüber Käufer:innen
Zusammengenommen verringern diese Praktiken die Transparenz und erschweren es Plattformen und Behörden erheblich, illegale Aktivitäten zu erkennen und zu unterbinden. Außerdem wird es für Käufer:innen dadurch schwieriger, Warnsignale zu erkennen oder fundierte Entscheidungen zu treffen.

Ergreifen Sie Maßnahmen, um den Handel zu stoppen
Social-Media-Plattformen verfügen über die notwendigen Instrumente und Richtlinien, um den illegalen Verkauf von Welpen zu verhindern – doch diese Regeln werden nicht wirksam durchgesetzt.
Indem Sie sich zu Wort melden, können Sie dazu beitragen, Facebook und Instagram dazu zu bewegen, Verantwortung zu übernehmen und die Ausbeutung von Welpen im Internet zu unterbinden.
Risiken für Käufer:innen
Der Kauf eines Welpen über Facebook, Instagram oder andere Social-Media-Plattformen birgt erhebliche Risiken:
- Gesundheitsrisiken, einschließlich auf den Menschen übertragbarer Krankheiten
- Seelische Belastung, falls ein Welpe kurz nach dem Kauf erkrankt oder stirbt
- Finanzielle Kosten durch unerwartete tierärztliche Behandlungen
- Rechtliche Konsequenzen, falls das Tier illegal gezüchtet oder importiert wurde
- Betrug, einschließlich gefälschter Dokumente oder irreführender Angaben
Ein plattformübergreifendes systemisches Problem
In ganz Europa gesammelte Erkenntnisse zeigen, dass es sich bei dem grausamen Online-Handel mit Welpen nicht um vereinzelte Vorfälle handelt. Plattformen wie Facebook und Instagram bieten die Reichweite, die Werkzeuge und das Publikum, die erforderlich sind, damit dieser Handel in großem Umfang betrieben werden kann.
Ohne wirksame Durchsetzungsmaßnahmen setzen sich diese Praktiken in verschiedenen Ländern und Märkten fort.
Was muss getan werden?
Social-Media-Plattformen (einschließlich Facebook und Instagram)
- Regeln für den Verkauf von Tieren durchsetzen
- Illegale Inhalte aufspüren und entfernen
- Wiederholungstäter abwehren
Behörden
- Die Durchsetzung verstärken
- Online-Aktivitäten überwachen
- Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit verbessern
Verbraucher:innen
- Den Kauf von Welpen über Social Media vermeiden
- Sich für registrierte Züchter:innen entscheiden oder Tiere aus Tierheime adoptieren
- Vor dem Kauf die Haltungsbedingungen und Unterlagen überprüfen


