
Rettung Bärin Flora und Löwe Erion
Ihre Rettung zeigt, wie dringend man etwas gegen den illegalen Wildtierhandel und die Privathaltung in Albanien tun muss
VIER PFOTEN wurde auf den Löwen Erion erstmals aufmerksam, nachdem sein Besitzer über ihn auf Social Media gepostet hatte. Der dreijährige Löwe lebte unter schlechten Bedingungen in Albanien. Wahrscheinlich wurde er aus einem anderen Land des Westbalkans geschmuggelt. Seine Haltung entsprach nicht den nationalen Tierschutzstandards. Die zweijährige Braunbärin Flora teilte sein Schicksal: Sie wurde nur 40 Meter entfernt auf dem gleichen Privatgrund und ebenfalls unter schrecklichen Bedingungen gehalten.
Nachdem die Behörden beide Tiere erfreulicherweise aufgrund der Substandard-Haltungsbedingungen konfisziert hatte, arbeitete unser Team mit Hochdruck daran, Flora und Erion zu einem Teil der VIER PFOTEN Familie zu machen.
Im Dezember 2025 war es endlich so weit, und wir konnten die beiden Tiere retten und nach Deutschland bringen! Wildtierarzt Marc Gölkel vom Leibniz Institute for Zoo & Wildlife Research in Berlin (IZW) betäubte die Tiere, sodass sie ohne Risiko in die Transportboxen geladen werden konnten. Leider musste das Team feststellen, dass Löwe Erion seit unserem letzten Besuch seine Mähne verloren hatte. Laut dem Tierarzt kann das mehrere Gründe haben. Das Team entnahm bereits Blutproben, während Erion betäubt war. Weitere Tests werden dann nach seiner Ankunft und seiner Eingewöhnung in der TIERART Wildtierstation entnommen.
Nun waren Flora und Erion bereit für den Transport, bei dem sie von zwei Wildtierärzten begleitet wurden. Die Tiere waren während der Reise über eine Kamera unter ständiger Beobachtung, das Team legte regelmäßig Pausen ein, um nach ihnen zu sehen und ihnen Futter und Wasser zu verabreichen. Die TIERART Wildtierstation und der BÄRENWALD Müritz freuten sich bereits auf die beiden neuen Bewohner und bereiteten sich auf ihren Empfang vor.
Ankunft im neuen Zuhause
Erion und Flora sind wohlbehalten in ihren neuen Zuhause in Deutschland angekommen – einer in der TIERART Wildtierstation, die andere im BÄRENWALD Müritz. Leider gab es, wie auch schon auf ähnlichen internationalen Missionen zuvor, auch diesmal trotz penibler Vorbereitungen auf der Fahrt einige Verzögerungen aufgrund von unvorhersehbaren Zwischenfällen. Dank der Erfahrung unseres Rettungsteams und der tollen Unterstützung des Zoos in Belgrad und ihres Leiters, Kristijan Ovari, erhielten wir jedoch die nötigen Genehmigungen, um über Nordmazedonien und Serbien nach Kroatien und damit in die EU einzureisen. Von dort ging es über Slowenien und Österreich in unsere deutschen Schutzzentren.
Erion war erstaunlich ruhig während der langen Reise. Flora schien manchmal etwas unruhig, aber die Wärmebildkamera zeigte dennoch, dass sie großteils entspannt war. Nach einer viertägigen Reise über mehr als 2.000 km sind wir glücklich, diese beiden ganz besonderen Tiere in unseren Schutzzentren begrüßen zu dürfen. Unsere Tierpfleger:innen haben nun übernommen und werden ihnen die Zeit und Aufmerksamkeit widmen, die sie für Eingewöhnung und Erholung brauchen. Wieder einmal war eine Rettung das Ergebnis von engagierter Teamarbeit und eurer wertvollen Unterstützung, ohne die sie nicht möglich gewesen wäre.
Entdecken und Eingewöhnen
Flora und Erion haben sind erst vor kurzen in unseren Schutzzentren angekommen, aber sie haben bereits die Herzen des gesamten Teams der TIERART Wildtierstation und des BÄRENWALD Müritz erobert. Beide blieben zunächst einige Tage in ihrem Eingewöhnungsgehege. Unsere Tierpfleger:innen konzentrieren sich darauf, ihr Vertrauen aufzubauen.
Erion hat sein Indoor-Gehege vorsichtig erkundet und sehr schnell die Kamera entdeckt – in die er sich verliebt hat. Zunächst ignorierte er sein Strohbett, da er so etwas nicht kannte, aber nach einiger Zeit wurde er neugierig und tapfer genug, um es genauer unter die Lupe zu nehmen. Mittlerweile genießt er eindeutig den Komfort, den das Stroh bietet, und hat schon sein erstes Schläfchen darauf absolviert. Flora war ein bisschen nervös während des Transports in ihr Bärenhaus, aber es dauerte nicht lange, und sie verließ die Transportbox, um ihr Gehege zu erkunden. Sie wälzte sich begeistert in dem Futter, das auf sie wartete. Seither ist es eine wahre Freude, sie mit dem Enrichment, das ihr erstmals in ihrem Leben zur Verfügung steht, spielen zu sehen.
Nach ein paar Tagen der Eingewöhnung werden Flora und Erion schrittweise an ihr Outdoor-Gehege gewöhnt. Ihre ersten Erkundungen im Außenbereich werden von den Tierpfleger:innen genau beobachtet und zunächst auf Teile des Geheges und auf kurze Zeit beschränkt. Diese Vorsicht ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Tiere nicht völlig überfordert sind.
Update Flora: Januar 2026
Flora wurde vor kurzem in ihr großes, bewaldetes Außengehege entlassen, und seither genießt sie, unter der Aufsicht ihrer Tierpfleger:innen, ihre tägliche Zeit draußen. Sie liebt es, nach Beeren zu suchen, ihre Umgebung zu erkunden und freut sich über ihre erhöhten Liege- und Spielflächen bzw. ihr Enrichment, das sie enthusiastisch austestet. Flora ist begeistert über neue Gerüche, sie lässt sich von ihrer Nase führen. Und sie liebt es, sich in Parfüm, Fisch und Linsen zu wälzen. Es ist eine Freude für das Team, sie dabei zu beobachten, wie sich beim Entdecken ihres „Winter Wonderland“ ihr Vertrauen aufbaut.
Auch wenn sie täglich Fortschritte macht, braucht sie noch etwas Zeit, um sich wirklich sicher in ihrem neuen Zuhause zu fühlen. Aufgrund ihrer Vergangenheit ist Flora sehr auf Menschen geprägt, woran auch ihre Tierpfleger:innen auf sanfte Weise arbeiten. Unser Ziel ist es, dass sie sich immer wohler in der Natur und in ihrem eigenen Bereich fühlt, anstatt sich auf Menschen zu verlassen.
In Kürze folgt ein Update über den Löwen Erion – bleibt dran!











