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Kaufen Sie keine Wildtiere & Exoten

19.11.2017

Ratgeber für Tierhalter: Der Wildhandel ist eine Gefahr für wildlebende Tierarten

Im Internet gibt es fast keine Tierart, die potenziellen Käufern nicht angepriesen wird. Neben Hunden und Katzen findet man also auch verschiedene Papageienarten, Leguane, Fische, Exoten und Wildtiere. Aus Tierschutzsicht sind viele Tierarten als Heimtier völlig ungeeignet. Im Gegensatz zu domestizierten Arten haben sich Wildtiere nicht über Jahrtausende an die Haltung in menschlicher Obhut angepasst. Insbesondere exotische Arten sind äußerst sensibel und haben hohe Ansprüche an ihr Lebensumfeld, die Privathalter kaum erfüllen können.

Aber nicht nur Tierschutzaspekte sprechen gegen den Leguan, den Ara oder den exotischen Kleinsäuger in Haus und Garten. Der internationale Wildhandel gefährdet wildlebende Tierarten.

Artgemäße Haltung nur schwer möglich

Kaum ein Privathalter verfügt über die notwendigen Kenntnisse, um Wildtieren ein artgemäßes Leben zu ermöglichen. Die Ansprüche vieler Tiere in Bezug auf Ernährung, Unterbringung, Raumklima oder Sozialstruktur sind sehr komplex. Oft erfordert die Haltung erhebliche finanzielle Mittel. Viele Arten werden sehr alt und können enorme Körpergrößen erreichen. Dieser jahrzehntelangen Verantwortung sind nicht alle Halter gewachsen.

Aufgrund von Haltungsfehlern sind hohe Krankheitsraten kaum zu vermeiden. Viele Krankheiten werden häufig gar nicht oder zu spät erkannt, so dass eine Behandlung oft zu spät erfolgt. Und selbst viele Tierärzte sind mit den neuen Patienten überfordert, so dass eine gute medizinische Versorgung nur schwer zu gewährleisten ist. Die traurige Folge sind kranke, vernachlässigte, ausgesetzte oder sogar getötete Tiere.

Undurchschaubarer Handel

Jeder Laie kann sich im Zoohandel, auf Tierbörsen, in Gartencentern, bei privaten Züchtern oder über das Internet exotische Wildtiere anschaffen. Viele Arten kosten nur ein Taschengeld, was die Gefahr von Spontankäufen erhöht.

Selbst gefährliche Tiere können in die Hände unerfahrener Halter gelangen. Recherchen von Tierschutzorganisationen zeigen immer wieder: Auf Exotenmessen und in Zoogeschäften werden die Kunden keineswegs immer ausreichend über die oftmals komplexen Bedürfnisse der Tiere, mögliche Gefahren und gesetzliche Grundlagen informiert.

Beliebt: Tierbörsen

Auch im Fachhandel ist eine artgemäße Unterbringung von Wildtieren nicht gegeben. Viele Tierschutzprobleme finden sich auf Exotenbörsen. In winzigen Präsentationsboxen ausgestellt sind Rückzugsmöglichkeiten und eine artgemäße Ausstattung nicht vorhanden. Als zusätzlicher Stressfaktor werden die Tiere immer wieder angefasst oder aus ihren Behältnissen herausgenommen. Sie sind einem enormen Geräuschpegel ausgesetzt und haben in der Regel stundenlange Transporte vor und hinter sich.

Wildfänge gefährden den Artenschutz

Ein großer Teil der gehandelten Exoten stammt aus der freien Wildbahn. Wildfänge und der Handel mit ihnen stellen eine große Bedrohung für die Artenvielfalt dar. Vom Fang über den Transport, den mehrstufigen Zwischenhandel und den Endhändler bis hin zum Endkunden: Auf allen Etappen lassen viele Tiere aufgrund völlig inakzeptabler Fang- und Transportbedingungen ihr Leben. Doch trotzdem steigt die Nachfrage nach exotischen Haustieren, weshalb deren Importe explodieren. So werden in Deutschland laut statistischem Bundesamt inzwischen etwa 840.000 Reptilien pro Jahr eingeführt.

Private Nachzuchten im heimischen Wohnzimmer stellen keinen nennenswerten Beitrag zum Artenschutz dar, nicht zuletzt weil viele Arten gezielt auf immer neue Farbvarianten gezüchtet werden oder Kreuzungen zwischen verschiedenen Unterarten forciert werden. Die negativen Auswirkungen des internationalen Tierhandels auf wildlebende Tiere sind belegt, denn manche Arten wurden an den Rand der Ausrottung gebracht. Die Haltung von Exoten kann aber auch heimische Wildtiere gefährden: Entwichene oder ausgesetzte Tiere schädigen die heimische Natur- und Tierwelt und führen schlimmstenfalls zu einer Verdrängung einheimischer Spezies.

Sicherheitsrisiko

Viele exotische Heimtiere stellen ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Giftige Arten, große Würgeschlangen, Schnappschildkröten, Krokodile oder Affen können sehr gefährlich für den Tierhalter sein, aber auch unbeteiligte Personen sind immer wieder durch entkommene Individuen gefährdet.

Völlig unterschätzt wird ebenfalls die Ansteckungsgefahr mit Infektionskrankheiten. Eine Vielzahl an viralen, bakteriellen Krankheiten, aber auch Parasiten können von Schildkröten, Leguanen, Waranen, Schlangen, Affen und Fledermäusen auf den Menschen übertragen werden. Dazu gehören unter anderem Hepatitis, Tuberkulose, Tollwut und viele weitere. Staatliche Gesundheitsinstitute weisen vermehrt auf die Gefahren durch Salmonellen bei der Reptilienhaltung hin, insbesondere Schwangere, Kinder oder ältere Menschen sollten keinen Kontakt zu dieser Tiergruppe haben.

Rechtliche Situation

Da es in Deutschland bisher keine bundesweite Regelung für die Haltung von und den Handel mit Wildtieren durch Privatpersonen gibt, haben einzelne Bundesländer eigene, sogenannte Gefahrtier-Regelungen erlassen: Knapp über die Hälfte der Bundesländer verfügt über eine entsprechende Verordnung, doch nur die wenigsten verbieten grundsätzlich die Haltung besonders gefährlicher Tiere.

Die Bundesregierung hat zwar im Koalitionsvertrag von 2013 angekündigt, ein Gesetz auf Bundesebene zu erlassen, doch scheint eine ganzheitliche Regelung mittels Positivliste, die Tier-, Natur- und Artenschutz, artgemäße Haltung sowie Gesundheit und öffentliche Sicherheit berücksichtigt, in weiter Ferne zu liegen.

Sachkundenachweis und Registrierungspflicht, wie sie von der Halterseite als Kompromiss vorgeschlagen werden, sind keine Reglementierung des Handels und der Haltung im Sinne von Vorgaben und reichen daher bei weitem nicht aus.

Was sie tun können

  • Finger weg von Wildtieren!
  • Entscheiden Sie sich am besten für ein domestiziertes Heimtier aus dem Tierheim.
  • Sollten bereits exotische Arten in Ihrem Haushalt leben, stellen Sie sicher, dass die Tiere bestmöglich den Bedürfnissen Ihrer Art entsprechend gehalten werden.
  • Besuchen Sie keine Messen, auf denen mit Wildtieren gehandelt wird.