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Ausschuss empfiehlt Ablehnung des Antrags „Wildtierhaltung im Zirkus jetzt beenden“ 

23.10.2019

Scheitern des Antrags im Bundestag gilt als sicher

Hamburg, 23. Oktober 2019 – Der Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft hat heute die Empfehlung gegeben, den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen „Wildtierhaltung im Zirkus jetzt beenden“ im Bundestag abzulehnen. Damit ist der Antrag gescheitert. Zuvor hatten am 14. Oktober verschiedene Experten die Ausschussmitglieder zur Wildtierhaltung in Zirkussen informiert. Darunter auch der Wildtierexperte von VIER PFOTEN, Thomas Pietsch. Als geladener Tierschutzsachverständiger hatte er sich für die Annahme des Antrags stark gemacht.

"Aus Tierschutzsicht ist es völlig unverständlich, dass der Antrag abgelehnt wurde. Die Expertinnen und Experten im Bundestag haben sich mehrheitlich für ein Wildtierverbot – zumindest für bestimmte Wildtierarten – ausgesprochen. Wenn die Union und SPD einem Oppositionsantrag nicht zustimmen können, dann müssen sie jetzt die Chance nutzen und selbst etwas einbringen. Die Koalition sollte nicht warten, bis Bundesministerin Klöckner einen mit der Zirkusbranche ausgehandelten Deal vorlegt und sich für die Tiere im Zirkus wieder nichts ändert."

Thomas Pietsch, Wildtierexperte bei VIER PFOTEN

Hintergrund

Bündnis 90/Die Grünen hatten mit ihrem Antrag im Bundesrat in Zirkussen ein Verbot von Affen, Elefanten, Bären, Giraffen, Nashörnern, Großkatzen und Flusspferden gefordert. In der Vergangenheit hatte sich der Bundesrat bereits dreimal, zuletzt 2016, für ein bundesweites Wildtierverbot im Zirkus ausgesprochen – das wurde von der Regierung immer ignoriert.

Zuletzt hatten auf der Agrarministerkonferenz in Landau im April dieses Jahres die Agrarministerinnen und Agrarminister einstimmig ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen gefordert.

Dieser Ansicht sind auch rund zwei Drittel der Deutschen, wie eine von VIER PFOTEN in Auftrag gegebene und von Kantar TNS durchgeführte Umfrage zeigt. Tatsächlich lehnen sogar mehr als 75 % der 14- bis 49-jährigen BundesbürgerInnen die Haltung von Wildtieren im Zirkus ab.

Statt endlich tätig zu werden, stemmt sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unter Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) immer wieder gegen ein Verbot. Man will lediglich mit Zirkusbetreibern zusammenarbeiten, um die „Leitlinien für den Umgang mit Tieren im Zirkus“ zu überarbeiten.

Inzwischen haben 24 Länder in der EU (inklusive England und Schottland) die Haltung von Wildtieren in fahrenden Zirkussen bereits untersagt oder zumindest eingeschränkt. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben fünf Länder – Luxemburg, Irland, die Slowakei, Schottland und England – Verbote für sämtliche Wildtierarten auf den Weg gebracht. Deutschland wird von Seiten der hiesigen Politik gern als Vorreiter beim Tierschutz bezeichnet, beim Schutz von Zirkustieren bildet Deutschland jedoch gemeinsam mit Frankreich, Spanien und Litauen das Schlusslicht.

Forderungen von VIER PFOTEN

Eine Fülle von Einzeluntersuchungen zu verschiedenen Tierarten, wissenschaftliche Reviews und Reporte belegen gravierende Tierschutzdefizite bei Wildtieren in Zirkussen. Diese Mängel sind vielfach auf systemimmanente Ursachen infolge der Bedingungen im reisenden Zirkus zurückzuführen, unter denen selbst grundlegende Bedürfnisse vieler Wildtiere nicht erfüllt werden können.

Deswegen fordert VIER PFOTEN

  • ein generelles Verbot der Wildtierhaltung im Zirkus – Elefanten, Tiger, Löwen, Flusspferde oder Giraffen gehören nicht dorthin.
  • dass eine Positivliste für Tierarten eingeführt wird, die in Zirkusbetrieben gehalten werden dürfen inkl. strenger Vorgaben für ihre artgemäße Haltung.
  • dass ein Verbot im Rahmen einer angemessenen Übergangsfrist umgesetzt wird, wobei Tiere aus besonders schlechter Haltung jedoch zeitnah adäquat untergebracht werden müssen.

Die ausführliche Stellungnahme von VIER PFOTEN zur Anhörung finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Thema Zirkus finden Sie hier

Maike Kant

Teamleitung Presse

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-81

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

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