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Stopfgans

Gänsebraten zur Martins- und Weihnachtszeit: Das tödliche Fest der Liebe 

VIER PFOTEN informiert zum Thema Billiggans, Lebendrupf und Stopfmast und wie Verbraucher:innen Tierleid minimieren können

4.11.2021

Hamburg, 04. November 2021 – Alle Jahre wieder entdecken die Deutschen rund um die Martins- und Weihnachtszeit ihre Leidenschaft für Gänsefleisch wieder. Für Millionen von Gänsen bedeutet dies den Tod und nicht selten extreme Qualen. Wer auf keinen Fall auf den Gänsebraten zum Fest der Liebe verzichten, aber wenigstens das Tierleid minimieren möchte, sollte ein paar Dinge beachten. VIER PFOTEN informiert Verbraucher:innen darüber, welche Regeln diese beim Einkauf beherzigen sollten.

Allein im Jahr 2020 importierte Deutschland 19.600 Tonnen Gänsefleisch aus dem Ausland, vorwiegend aus Ungarn und Polen – aus Deutschland kamen lediglich 4.700 Tonnen. Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Gänsefleisch betrug in dem Jahr 2020 gerade einmal 19,5 Prozent. Vier Fünftel der hier verzehrten Gänse kamen also nicht aus Deutschland. Was auf den ersten Blick nur Zahlen sind, ist auf den zweiten Blick ein Tierschutzproblem, denn in vielen Ländern werden Gänse nach wie vor gestopft, illegal lebend gerupft und in Intensivmast gehalten. Produkte aus Frankreich, Belgien, Spanien, Bulgarien und Ungarn können unter tierquälerischen Bedingungen erzeugt worden sein, denn in diesen Ländern ist die Zwangsmast zur Stopfleberproduktion noch erlaubt – ebenso wie in vielen Nicht-EU Staaten.

Problem Billiggans aus Intensivmast

Ein Großteil der Gänse aus dem Ausland wird in Intensivmast gehalten, das heißt: große Bestände, kürzere Mastperioden, hochkonzentriertes und zum Teil gentechnisch verändertes Futter und kein Badezugang. Gänse sind aber Wasservögel und brauchen das Wasser etwa zur Gefiederpflege. Oft werden diese Billig-Gänse unter dem Handelsnamen „Hafermastgans“ vertrieben. Und selbst, wenn in Deutschland eine relativ artgemäße Weide- und Freilandhaltung mit mehr Auslauf und längeren und schonenderen Mastzeiten gängig ist, haben auch diese Tiere meist keinen Zugang zu Wasser zum Baden. In der Regel gilt: Je teurer die Gänse, desto besser für die Tiere:

„Hafermastgänse werden schon für circa 5 Euro und sogar weniger für das Kilo verscherbelt, eine Verbesserung der Tierhaltung ist bei solchen Preisen unmöglich. Wer so wenig Geld für Gänsefleisch ausgibt, kann nahezu sicher sein, dass dieses aus problematischer Intensivmast stammt. Für Freilandgänse sollten Verbraucherinnen und Verbraucher je Kilo mit 15 bis 20 Euro rechnen. Bei Bio-Gänsen fallen circa 25 Euro pro Kilo an. Trotzdem sagt der Preis allein nichts über die Haltungsbedingungen aus, daher sollte man zusätzlich auf verlässliche Siegel wie ‚Auslaufhaltung‘, ‚Freilandhaltung‘, ‚Weideganshaltung‘ oder das Bio-Siegel sowie auf das Herkunftsland, am besten Deutschland, achten.“

Martin Rittershofen, Kampagnenverantwortlicher für Nutztiere bei VIER PFOTEN

Kauf von Billigweihnachtsgänsen kann Gänsestopfmast fördern

Obwohl die Produktion von Stopfleber in Deutschland gesetzlich verboten ist, steht die sogenannte Gänsestopfleber (Foie Gras) auch hierzulande noch auf den Speisekarten von einigen Restaurants. Dabei ist sie eine einzige Tierqual. Bei der Gänsestopfmast werden den Gänsen mehrmals täglich lange Metallrohre mit Gewalt in den Hals gerammt. Diese brutale Zwangsernährung mit einem Brei aus Mais führt zu einem krankhaften Wachstum der Leber auf das Zehnfache der Lebergröße einer Biogans.

Stopfgänse könnten unter anderem deswegen so günstig sein, weil sie von einigen Mästern doppelt verwendet werden: So verkaufen einige Mäster nicht nur die Foie Gras, sondern auch den Rest des Tieres – etwa als Weihnachtsgans ohne Innereien. Da das Fleisch von Stopfgänsen durch den Verkauf der Fettlebern mitunter mitfinanziert wird, kann dieses dann auch deutlich günstiger angeboten werden. Ein Kilogramm Gänsefleisch im Discounter kostet nur wenige Euro – ein Kilogramm Gänsefleisch aus kontrollierter und zertifizierter Haltung kostet leicht das Zehnfache.

Bewusstes Informieren kann Tierqual minimieren

Die großen deutschen Supermärkte verpflichten sich öffentlichkeitswirksam, kein Gänsefleisch aus Stopfmast oder Lebendrupf anzubieten. Dennoch sollten Verbraucher:innen beim Einkauf vorsichtig sein: VIER PFOTEN appelliert an die Konsument:innen, sich hier genau nach der Herkunft des Gänsefleisches zu erkundigen. Besonders aufmerksam sollten Verbraucher:innen beim Außer-Haus-Verkauf der Gastronomie, der Nutzung von Bringdiensten und beim Besuch im Restaurant sein. Denn hier besteht für die Anbieter keine Kennzeichnungspflicht gegenüber ihren Kund:innen.

Empfehlung VIER PFOTEN

VIER PFOTEN appelliert an Verbraucher:innen, im Zweifelsfall auf Gänsefleisch zu verzichten, wenn die Produktionswege nicht nachvollzogen werden können. Aus Tierschutzsicht ist es generell am besten, kein Gänsefleisch zu konsumieren. Wenn es jedoch unbedingt der Gänsebraten sein muss, rät VIER PFOTEN zu einer Bio-Weidegans aus regionaler Haltung. Bei der Biohaltung ist die Fütterung garantiert ohne Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und ohne gentechnisch veränderte Pflanzen. Verlässliche Labels sind auch „Auslaufhaltung“, „Freilandhaltung“ oder „Weideganshaltung“.

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 151 183 515 30

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die weltweite Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Leiden aufdeckt, Tiere in Not rettet und sie schützt. Gegründet 1988 in Wien von Heli Dungler und Freunden, setzt sich die Organisation für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Empathie und Verständnis begegnen. Die nachhaltigen Kampagnen und Projekte von VIER PFOTEN konzentrieren sich auf Haustiere wie streunende Hunde und Katzen, Nutztiere und Wildtiere - wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans - in unangemessener Haltung sowie in Katastrophen- und Konfliktgebieten. Mit Büros in Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Kosovo, den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Großbritannien, den USA und Vietnam sowie Auffangstationen für gerettete Tiere in elf Ländern bietet VIER PFOTEN schnelle Hilfe und langfristige Lösungen. 

www.vier-pfoten.de

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