Tiger sind keine Haustiere: VIER PFOTEN protestiert nach Tiger-Ausbruch in Schkeuditz gegen private Wildtierhaltung
30 Menschen folgten dem Aufruf von VIER PFOTEN / Bei der Kundgebung sprachen außerdem Oberbürgermeister Rayk Bergner und PETA-Aktivist:innen
Hamburg/Schkeuditz, 23.05.2026 – Die Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN hat heute gemeinsam mit 30 Teilnehmer:innen in Schkeuditz bei Leipzig gegen die Privathaltung von Wildtieren demonstriert. Anlass war der Ausbruch eines Tigers der Dompteurin Carmen Zander, der am vergangenen Sonntag laut Medienberichten einen Mann schwer verletzt hatte und später von der Polizei erschossen wurde. Die Kundgebung fand in unmittelbarer Nähe des Geländes statt, neben VIER PFOTEN sprachen auch Oberbürgermeister Rayk Bergner sowie die PETA-Aktivist:innen Milan Edelkötter und Kathleen Cox.
VIER PFOTEN setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die private Haltung von Großkatzen und anderen Wildtieren beendet wird – denn im Fall von Schkeuditz handelt es sich nicht um einen tragischen Einzelfall, sondern um ein strukturelles Problem und ein vorhersehbares Risiko für Mensch und Tier.
Was jetzt folgen kann – und folgen muss
VIER PFOTEN und weitere Tierschutzorganisationen hatten die lokalen Behörden in den vergangenen Jahren mehrfach auf die Gefahren dieser privaten Haltung hingewiesen und Hilfe bei der Umsiedlung der Tiere in geeignete artgemäße Einrichtungen angeboten.
„Wir und unsere Partner bieten Unterstützung an, die Tiere sicher und tierschutzgerecht unterzubringen. Es gibt Lösungen, man muss sie nur umsetzen“, sagte Gerald Neubauer, Campaigner bei VIER PFOTEN.
„Es mag irgendwann mal en vogue gewesen sein, dass Tiere mit Nasenring auf dem Marktplatz spazieren geführt wurden – diese Zeiten sind vorbei“, sagte Rayk Bergner, Oberbürgermeister von Schkeuditz.
Rechtlicher Hintergrund
Aktuell gibt es in Deutschland keine einheitliche Regelung für die Haltung von Wildtieren; jedes Bundesland entscheidet eigenständig über erlaubte Arten. In Sachsen ist die private Haltung von Großkatzen derzeit noch zulässig. Aus Sicht von VIER PFOTEN ist diese Regelung unzureichend und gefährlich.
Forderungen von VIER PFOTEN
VIER PFOTEN ist der klaren Auffassung, dass Großkatzen nicht als Heimtiere oder zu Unterhaltungszwecken gehalten werden dürfen. Die hochsensiblen Wildtiere haben komplexe Bedürfnisse, die in privaten Anlagen oder ähnlichen Haltungsformen grundsätzlich nicht erfüllt werden können.
Die nicht artgemäße Haltung führt häufig zu:
- Verhaltensstörungen und Stresssymptomen
- gesundheitlichen Problemen
- erhöhtem Aggressions- und Gefahrenpotenzial
Zudem stellt der direkte Kontakt zwischen Menschen und Großkatzen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, wie der aktuelle Vorfall belegt.
Vor dem Hintergrund dieses Ereignisses fordert VIER PFOTEN:
- Sofortiges Handeln der zuständigen Behörden: Die Haltung von Großkatzen durch Carmen Zander muss beendet werden. Die Tiere sollten von der Halterin freiwillig übergeben oder durch die Behörden beschlagnahmt und in geeignete, spezialisierte Einrichtungen überführt werden.
- Unterstützungsangebot: VIER PFOTEN ist bereit, die Behörden bei der Unterbringung der Tiere zu unterstützen – unter der Voraussetzung, dass die Haltung dauerhaft beendet wird.
- Politische Konsequenzen: Der Vorfall unterstreicht den dringenden Bedarf für
- ein bundesweites Verbot der privaten Haltung von Großkatzen,
- die Einführung einer Positivliste für Heimtiere, die klar regelt, welche Tiere überhaupt privat gehalten werden dürfen,
- ein Wildtierverbot im Zirkus, das in Deutschland weiterhin fehlt.
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.