Bitte nicht anfassen: Wildtierkinder brauchen oft keine Hilfe!

VIER PFOTEN Expertin erklärt, weshalb Abstand Leben retten kann

Hamburg, 07. Mai 2026 – Im Frühjahr bringen viele heimische Wildtiere ihren Nachwuchs zur Welt – und geraten dabei besonders leicht in Gefahr. Bei Spaziergängen durch Wiesen und Wälder stoßen Naturfreund:innen jetzt häufig auf Jungtiere. Wer sie entdeckt, steht schnell vor der Frage: helfen oder besser Abstand halten?

Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin und Wildtierexpertin bei VIER PFOTEN, erklärt, wie man sich richtig verhält und wann tatsächlich Hilfe erforderlich ist.

Nicht jedes verlassene Jungtier ist in Not

„Gerade im Frühjahr ist die Versuchung groß, einem allein wirkenden Jungtier zu helfen, aber nicht jedes Tier ist wirklich in Not.“

Eva Lindenschmidt, Diplom-Biologin und Wildtierexpertin bei VIER PFOTEN

Viele Wildtiermütter, etwa Feldhasen oder Rehe, lassen ihren Nachwuchs tagsüber bewusst allein zurück. Der Grund: Sie wollen Fressfeinde nicht durch ihren Eigengeruch anlocken. Zum Säugen kehren sie nur für kurze Zeit zurück.

Typische Situationen, die häufig fehlinterpretiert werden:

  • Jungtiere liegen regungslos im hohen Gras
  • Sie wirken allein und verlassen
  • Es sind keine Elterntiere zu sehen

„Dieses Verhalten ist ein natürlicher Schutzmechanismus“, erklärt die Expertin. „In solchen Fällen ist es entscheidend, Abstand zu halten und den Fundort rasch zu verlassen, damit die Mutter zurückkehren kann.“

Meist sind die Elterntiere ganz in der Nähe

Besonders Rehkitze, die im Mai und Juni geboren werden, sind gefährdet. In den ersten Lebenstagen besitzen sie keinen Eigengeruch, wodurch Feinde sie nur schwer aufspüren können. Dennoch werden sie immer wieder von Spaziergänger:innen eingesammelt. Eva Lindenschmidt warnt:
„Diese Kitze brauchen in der Regel keine Hilfe. Das Muttertier hält sich meist in der Nähe auf, kehrt jedoch nicht zurück, solange sich Menschen oder Hunde im Umfeld aufhalten.“

Wichtig dabei:

  • Kitze niemals anfassen oder mitnehmen
  • Abstand halten und das Gebiet ruhig verlassen
  • Im Zweifel fachlichen Rat einholen

Auch Jungvögel brauchen meist keine Hilfe

Zurückhaltung ist ebenso bei Jungvögeln geboten. Viele scheinbar hilflose Tiere sind sogenannte Ästlinge – junge Vögel, die das Nest bereits verlassen haben, aber noch nicht fliegen können. Sie werden weiterhin von ihren Eltern versorgt. „Wer solche Jungvögel einsammelt, trennt sie womöglich für immer von ihren Eltern“, erklärt die Biologin. Nur bei offensichtlichen Verletzungen oder akuter Gefahr, etwa durch Straßenverkehr, darf ein Jungvogel vorsichtig umgesetzt und von Fachleuten begutachtet werden.

Typische Merkmale von Ästlingen:

  • Sie sitzen am Boden oder in Bodennähe
  • Sie hüpfen oder flattern, statt zu fliegen
  • Die Elterntiere sind meist in der Umgebung

Hunde bitte an der Leine führen

Freilaufende Hunde stellen für Wildtiere eine erhebliche Gefahr dar.
„Jedes Jahr werden zahlreiche Rehkitze und andere Jungtiere verletzt oder getötet, weil sie von nicht angeleinten Hunden aufgespürt werden“, betont Eva Lindenschmidt.

Während der Brut- und Setzzeit gilt daher:

  • Hunde grundsätzlich anleinen
  • Auf den Wegen bleiben
  • Rücksicht auf Wildtiere nehmen

Im Zweifel fachliche Hilfe suchen

Wer ein tatsächlich verletztes oder verwaistes Wildtier findet, sollte nicht vorschnell handeln. „Wildtiere zu berühren bedeutet massiven Stress für sie. Zudem können verletzte oder stark verängstigte Tiere wehrhaft reagieren. Eine Aufnahme oder Behandlung sollte daher ausschließlich durch Fachleute erfolgen“, sagt Eva Lindenschmidt.

Empfohlene Anlaufstellen im Notfall sind:

  • nahegelegene Wildtierstationen
  • wildtierkundige Tierärzt:innen

Weitere Informationen über den Einsatz von VIER PFOTEN für Wildtiere finden Sie hier
 

Eva Lindenschmidt steht für Interviews zur Verfügung.

Susanne von Pölnitz

Pressesprecherin Wildtiere

presse-d@vier-pfoten.org

+49 152 020 170 68

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg

VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de

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