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VIER PFOTEN Kommentar zum Corona-Kabinett am Mittwoch

18.5.2020

Fleischbranche produziert Billigfleisch zu unwürdigen Bedingungen für Mensch und Tier

Hamburg, 18. Mai 2020 – Es kommentiert Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin VIER PFOTEN:

„Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas auf das System Billigfleisch, das nur auf Stückzahl und Profit ausgerichtet ist. Dadurch rücken auch endlich die unzumutbaren Zustände an deutschen Schlachthöfen in den Fokus der Öffentlichkeit. Zur Beruhigung der Wählerinnen und Wähler zaubert die Politik jetzt blitzschnell Konzepte von der Abschaffung der Werksverträge bis hin zu drastischen Bußgeldern aus dem Hut. Es zeigt sich: Wenn der öffentliche Druck steigt, kann Politik schnell reagieren. Es zeigt sich aber auch, dass die Schwächsten am untersten Ende der Kette erneut kein Thema sind: Die Tiere in den Schlachtfabriken. Denn hier führen die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen regelmäßig zu grausamsten Schlachtbedingungen. Dazu gehören fehlbetäubte Tiere, die bei vollem Bewusstsein getötet werden. Wer völlig überarbeitet und ausgelaugt 12 Stunden im Akkord schlachten muss, hat keine Zeit zu überprüfen, ob die vorgeschriebene Betäubung fachgerecht ausgeführt wurde.

Die Politik muss diesen seit Jahren bekannten Missständen endlich einen Riegel vorschieben. Neben sofortiger Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Schlachtbetrieben müssen auch die dringenden Tierschutzprobleme endlich gesetzlich geregelt und wirkungsvolle Kontrollmechanismen etabliert werden. Aufstockung des Personals in allen Bereichen, Verbot des Schlachtens im Akkord, unabhängige Kontrollen, sowie die Videoüberwachung an tierschutzrelevanten Stellen der Anlieferung, Betäubung und Entblutung sollten die ersten Schritte sein, um die Missstände an Schlachthöfen zu mindern.“

VIER PFOTEN FORDERT:

  • Eine Videoüberwachung an Schlachthöfen, wie sie beispielsweise schon in Großbritannien Pflicht ist, kann Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung und sonstige Missstände mindern. Sie ist ein wichtiger Schritt, um insbesondere bei der Anlieferung, Betäubung und Entblutung ein besseres Kontrollsystem zu etablieren. Auch das Kontrollpersonal auf den Schlachthöfen muss aufgestockt werden. Ein Rechtsgutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages, erstellt im Auftrag der SPD-Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag, unterstreicht, dass eine Videoüberwachung in Schlachthöfen rechtlich möglich ist.
  • Verbot des Schlachtens im Akkord. Die Schlachtbandgeschwindigkeit ist so weit zu reduzieren, dass die Betäubungswirkung eines jeden Tieres sorgfältig kontrolliert werden kann, um vor weiteren Schlachtarbeiten eine sichere Betäubung zu garantieren und bei Abweichungen sofort reagieren zu können.
  • Bessere Arbeitsbedingungen für Schlachthofmitarbeiter und Aufstockung des Personals.
  • Schulungen des Personals im Umgang mit den Tieren.
  • Fachgerechte Wartung und Betreuung der Betäubungsgeräte.
  • Mehr Kontrollen des körperlichen Zustands der Tiere bei ihrer Ankunft, bessere Bedingungen bei der Anlieferung der Tiere und günstigere bauliche Voraussetzungen zum Treiben der Tiere.
  • Aufstockung des Personals in Veterinärbehörden, mehr unabhängige Kontrollen durch geschulte amtliche Tierärzte.
  • Unabhängiges Kontrollsystem, das sowohl ein Rückmeldesystem an die zuständigen Veterinärbehörden und Sanktionsmaßnahmen bei Verstößen, die bis zum tierhaltenden Betrieb reichen, vorsieht als auch eine unabhängige Fachaufsicht der Veterinärbehörden.
  • Vollzug bestehender Vorgaben zu Transport und Schlachtung, starke Sanktionen bei Verstößen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-66

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen, Orang-Utans und Elefanten – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de