Junge Wildtiere schützen: Im Wald ist der erste Nachwuchs da

VIER PFOTEN erklärt, worauf es jetzt ankommt und wann keine Hilfe nötig ist

Hamburg, 05. März 2026 – Auch wenn durch ungewöhnlich milde Temperaturen vielerorts schon Frühlingsstimmung herrscht, befinden sich viele heimische Wildtiere noch in ihrer Ruhe‑ oder Nachwuchsphase. In der TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN werden bereits die ersten Findelkinder abgegeben. Wildtierexpertin Eva Lindenschmidt erklärt, wie Spaziergänger:innen und Freiluft-Sportler:innen jetzt besonders rücksichtsvoll unterwegs sein können und wann Hilfe für junge Wildtiere wirklich notwendig ist.

Milder Frühling – aber viele Tiere sind noch im Wintermodus

Arten wie Fledermäuse, Igel oder Siebenschläfer halten trotz der warmen Witterung weiterhin Winterschlaf oder Winterruhe. Sie dürfen keinesfalls gestört werden – ihr Energiehaushalt ist darauf ausgelegt, diese Phase ungestört zu überstehen. Andere Wildtierarten sind dagegen schon aktiv und bekommen früh im Jahr Nachwuchs:

  • Dachse bringen ihre Jungen überwiegend im Februar und März zur Welt.
  • Feldhasen werden sehr früh geboren – in der TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN werden jetzt schon die ersten Jungtiere abgegeben.
  • Wildschweine pflanzen sich inzwischen fast ganzjährig fort; eine Rotte mit Frischlingen ist jetzt keine Seltenheit.

„Besondere Vorsicht ist bei Wildschweinfrischlingen geboten: Bachen verteidigen ihren Nachwuchs vehement, wenn die Frischlinge bei Angst, Gefahr oder Schmerz Warnlaute abgeben. Daher sollte man immer Abstand halten und weite Bögen um die Tiere machen."

Eva Lindenschmidt, Wildtierexpertin der TIERART Wildtierstation von VIER PFOTEN

Hunde anleinen – Wildtiere schützen

Auch bei milden Temperaturen bleibt die Situation für viele Wildtiere anspruchsvoll: Ihre Energiereserven sind knapp, und die Nahrungssuche ist weiterhin schwierig. Jede Flucht frisst wertvolle Kraft. „Gerade jetzt brauchen Wildtiere besonders viel Ruhe. Deshalb ist es wichtig, Hunde anzuleinen und auf den Wegen zu bleiben“, sagt Wildtierexpertin Eva Lindenschmidt. „Wer ein Reh, einen Fuchs oder ein anderes Wildtier aufschreckt, zwingt es zur Flucht – und das kostet Energie, die die Tiere dringend brauchen.“

Auch Freiluft-Sportler:innen sollten Ruhezonen respektieren. Gerade durch gelockerten Schnee und feuchte Böden flüchten Tiere schneller vor Menschen und werden häufiger gestört.

Junge Wildtiere: Nicht anfassen!

Wer ein Jungtier entdeckt, sollte es niemals direkt berühren oder mitnehmen.

So verhält es sich bei häufig gefundenen Arten:

  • Rehkitze: Die Mutter ist fast immer in der Nähe, hält aber Abstand, solange Menschen sichtbar sind.
  • Feldhasen: Jungtiere sitzen oft allein im Gras – das ist normal. Die Mutter besucht sie nur alle paar Stunden.
  • Kaninchen: Sie bleiben in den ersten Lebenswochen im Bau; erst ältere Jungtiere sind oberirdisch unterwegs.

Bei Wildschweinfrischlingen kann ein vorschnelles Eingreifen sogar gefährlich sein. „Erst wenn ein Jungtier offensichtlich verletzt ist oder die Mutter nach längerer Beobachtung nicht zurückkehrt, sollte man eingreifen“, erklärt Lindenschmidt. „Dann ist der richtige Anlaufpunkt immer eine Wildtierstation oder eine Tierarztpraxis.“

Wann Eingreifen notwendig ist

Hilfe ist angesagt, wenn:

  • ein Tier verletzt, unterkühlt oder stark geschwächt wirkt
  • ein Jungtier an einem untypischen Ort liegt oder orientierungslos wirkt
  • nach längerer Beobachtung keine Mutter zurückkehrt
  • Gefahr durch Verkehr oder andere menschliche Einflüsse besteht

In diesen Fällen gilt: die nächste Wildtierstation anrufen und nicht selbst handeln.

Weitere Informationen über den Einsatz von VIER PFOTEN für Wildtiere finden Sie hier. 

Susanne von Pölnitz

Pressesprecherin Wildtiere

presse-d@vier-pfoten.org

+49 152 020 170 68

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg

VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de

Jetzt Teilen!

Suche