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Milchkühe in der Massentierhaltung

Statement VIER PFOTEN zum Sondertreffen der G7-Staaten: 

„Tierschutz ist immanenter Bestandteil von Umwelt- und Klimaschutz" 

11.3.2022

Hamburg, 11. März 2022 – VIER PFOTEN kommentiert die Ergebnisse des heute von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir initiierten Sondertreffens der Agrarministerinnen und -minister der G7-Staaten. An dem Treffen nahm ebenfalls der ukrainische Agrarminister Roman Leschtschenko teil.

„Die Auswirkungen des brutalen Krieges in der Ukraine zeigen unmissverständlich, wie folgenschwer die internationalen und damit auch die deutschen Abhängigkeiten bei der Ernährungssicherung und der Massentierhaltung sind. Denn etwa 60 Prozent der deutschen Getreideproduktion werden als Futter für die sogenannten Nutztiere verwendet, statt  direkt vom Menschen verzehrt zu werden. Nun rächt sich das seit Jahren gepflegte Credo des „immer mehr“, welches außerdem zu massivem Tierleid geführt hat. Wir sehen jetzt, dass die intensive Tierhaltung in hohem Maße wertvolle Ressourcen und Flächen ,frisst`, die jetzt für die Versorgung der Menschen fehlen.

Jedem sollte klar sein: Tierschutz ist immanenter Bestandteil von Umwelt- und Klimaschutz. Reflexhafte Forderungen nach Abschwächung der „Farm to Fork“-Ziele – inklusive der Aussetzung des Umbaus hin zu mehr Tierschutz und Nachhaltigkeit – können die aktuellen Probleme nicht lösen, sondern verschärfen langfristig die Klima-, Umwelt- und Biodiversitätsprobleme und somit auch die zukünftige globale Ernährungssicherheit. Eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft und Versorgungssicherheit ist möglich und muss von der Politik weiterhin stringent verfolgt werden.

Einschränkungen bei der Erbringung von Ökosystemleistungen wie etwa Erosionsschutz könnten dagegen erhebliche negative Auswirkungen für Klima- und Biodiversität mit sich bringen. Laut dem IPCC-Bericht 2022 sind durch die Klimaveränderungen, welche durch die weltweite Tierhaltung mit verursacht werden, schon heute 3,6 Milliarden Menschen hochgradig gefährdet. Aktuelle Dürren in Südeuropa und Ostafrika sorgen für Ernteausfälle. Allein in Ostafrika sind derzeit 13 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Ohne eine Begrenzung des Klimawandels ist die Nahrungsversorgung weltweit langfristig massiv gefährdet. In diesem Zuge müssen wir auch die Massentierhaltung umbauen und damit für eine Reduktion des durch sie verursachten Methans sorgen.

Deshalb muss die Reduktion der Nutztierhaltung in Deutschland und Europa jetzt konsequent angegangen werden. Finanzmittel für den Umbau der Tierhaltung müssen bereitgestellt und konsequent an eine gleichzeitige Bestandreduzierung und Extensivierung gekoppelt werden. Die Förderung eines pflanzlichen, nachhaltigen Ernährungssystems sollte, im Interesse der Umwelt, des Klimas und der Solidarität mit ärmeren Ländern, von der Politik viel stärker gefördert werden. Wir können es uns nicht mehr leisten, den Großteil des angebauten Getreides an Tiere zu verfüttern. Mehr denn je brauchen wir jetzt einen schnellen Umbau hin zu einem nachhaltigen System der Nahrungsmittelproduktion, das in Krisensituationen weniger anfällig ist. Die Reduktion der Überproduktion von tierischen Produkten ist ein erster wichtiger Schritt in diese Richtung.“

Rüdiger Jürgensen, Mitglied der Geschäftsleitung von VIER PFOTEN Deutschland

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 151 183 515 30

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die weltweite Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Leiden aufdeckt, Tiere in Not rettet und sie schützt. Gegründet 1988 in Wien von Heli Dungler und Freunden, setzt sich die Organisation für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Empathie und Verständnis begegnen. Die nachhaltigen Kampagnen und Projekte von VIER PFOTEN konzentrieren sich auf Haustiere wie streunende Hunde und Katzen, Nutztiere und Wildtiere - wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans - in unangemessener Haltung sowie in Katastrophen- und Konfliktgebieten. Mit Büros in Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Kosovo, den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Großbritannien, den USA und Vietnam sowie Auffangstationen für gerettete Tiere in elf Ländern bietet VIER PFOTEN schnelle Hilfe und langfristige Lösungen. 

www.vier-pfoten.de

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