
Bündnis für Tierschutzpolitik fordert von Bundesregierung:
Putenqual beenden!
Offener Brief an Bundesminister Cem Özdemir fordert Tierschutzkonformität in der Putenhaltung
Hamburg, 22. Juni 2023 – Das Bündnis für Tierschutzpolitik äußert große Besorgnis über die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf die geplante Haltungsverordnung für Puten und die damit verbundene Leugnungskampagne der Geflügel-Industrie. Die Tierschutzorganisationen fordern Cem Özdemir auf, die Rechtsbestimmungen für die Putenhaltung umfassend zu verbessern und den tierquälerischen Status Quo endlich zu beenden. Das Bündnis aus sechs Tierschutzorganisationen drängt, das Staatsziel Tierschutz endlich umzusetzen und das skandalöse Vollzugsdefizit im Sinne der Puten zu beheben.
Das Bündnis, bestehend aus den Organisationen Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Bundesverband Tierschutz, Menschen für Tierrechte und PROVIEH, drängt in dem offenen Brief darauf, die im Winter vorgestellten Pläne nachzuschärfen, statt sie auf Druck der Industrie hin abzuschwächen: Das Platzangebot muss beispielsweise deutlich angehoben und die Hochleistungszucht der Tiere rechtlich begrenzt werden. Zur Stärkung der Putenhalter fordert das Bündnis den Bund auf, auf EU-Ebene dafür zu sorgen, dass tierschutzgerechte Haltungen in Deutschland nicht durch grausame Billigproduktionen aus dem EU-Ausland unterwandert werden können.
Die Geflügel-Industrie hatte in den vergangenen Monaten eine groß angelegte Lügen- und Leugnungskampagne gegen Özdemirs Pläne zur Einführung einer Haltungsverordnung für Puten gestartet. Bundesweit wurde von öffentlichen Plätzen über die sozialen Medien bis ins Fernsehen hinein behauptet, Deutschland habe die höchsten Tierschutzstandards europaweit und den Puten gehe es gut. Das Bündnis für Tierschutzpolitik ist schockiert über diese haltlosen Falschbehauptungen. Nun heißt es aus internen Kreisen, Bund und Länder würden erwägen, den Forderungen der Industrie nachzugeben und die geplanten Rechtsbestimmungen noch weiter abzuschwächen. Dieser Kniefall vor der Geflügel-Lobby darf unter keinen Umständen passieren.
Hintergrund
Über 30 Millionen Puten werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet. Trotz dieser Anzahl an Tieren gibt es für Puten keine speziell festgelegten Haltungsvorgaben. Grundsätzlich gelten die Vorgaben des Tierschutzgesetzes. Die Branche hält sich an eigene, aber unverbindliche, sogenannte “Bundeseinheitliche Eckwerte”. Aus Sicht des Tierschutzes sind die daraus resultierenden heutigen Zustände konventioneller Putenhaltung ungenügend und verstoßen gegen das Tierschutzgesetz. Die Besatzdichten sind zu hoch und die Tiere können selbst grundlegende Bedürfnisse nicht oder nur sehr eingeschränkt ausleben.
Den offenen Brief finden Sie hier.

Oliver Windhorst
Pressesprecher für Tiere in der Landwirtschaft+49 151 183 515 30
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.