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900.000 Unterschriften gegen Tierexporte an EU-Parlament übergeben 

Petitionsübergabe von VIER PFOTEN und weiteren internationalen Tierschutzorganisationen // Appell an Abgeordnete vor Abstimmung am 20. Januar 2022 

13.1.2022

Brüssel, 13. Januar 2022 – Die globale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat heute gemeinsam mit Compassion in World Farming (CIWF), WeMove und Animals International eine Petition mit 900.000 Unterschriften an das Europäische Parlament übergeben, in der ein Verbot des Lebendexports von sogenannten Nutztieren in Drittländer gefordert wird. Die gemeinsame Petition fordert außerdem die Europaabgeordneten auf, in der bevorstehenden Abstimmung im EU-Parlament weit über die Empfehlungen des EU-Untersuchungsausschusses zu Tiertransporten (ANIT) hinauszugehen: So fordern die Petitionsunterzeichner:innen, dass es neben einem Exportverbot auch ein Transportverbot für Jungtiere, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind, geben soll sowie eine generelle maximale Transportdauer von acht Stunden für Rinder, Schweine und Schafe und vier Stunden für Geflügel und Kaninchen.

Die Forderung kommt nur wenige Tage vor einer entscheidenden parlamentarischen Abstimmung am 20. Januar 2022, die über Empfehlungen zum Schutz von Tieren beim Transport innerhalb und außerhalb der EU entscheidet. Das Europäische Parlament sollte nun die klare Botschaft an die EU-Kommission senden, die Transportzeiten zu begrenzen und das unermessliche Leid zu verhindern, das dadurch jedes Jahr Millionen von Nutztieren innerhalb und außerhalb Europas zugefügt wird.

Im Dezember 2021 stimmten die ANIT-Mitglieder nur für sehr schwache Empfehlungen: Diese konzentrieren sich lediglich auf die Durchsetzung bestehender Vorschriften statt auf strengere Maßnahmen, die letztlich die Ausfuhr in Drittländer verbieten würden. So wären weiterhin grausame und unnötige Langstreckentransporte von lebenden Tieren in Länder möglich, in denen die EU keine Möglichkeit hat, die Einhaltung von Tierschutzstandards zu gewährleisten.

"Die Mitglieder des Europäischen Parlaments müssen auf ihre Wählerinnen und Wähler hören und sollten bei ihrer Abstimmung das 0-4-8-Prinzip berücksichtigen: Null Stunden Transportzeit für empfindliche Tiere, wie beispielsweise Kälber, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind, vier Stunden für Geflügel und Kaninchen und acht Stunden für ausgewachsene Rinder, Schafe und Schweine als maximale Transportzeit. Transporte von über acht Stunden, Exporte von lebenden Tieren in Drittländer und Transporte auf dem Seeweg müssen gänzlich verboten werden."

Pierre Sultana, Direktor des European Policy Office (EPO) von VIER PFOTEN

Strengere Vorschriften fehlen

Nach den derzeitigen Vorschriften können Schweine 24 Stunden lang ohne Unterbrechung und Schafe und Rinder 29 Stunden lang transportiert werden – mit nur einer einstündigen „Pause", in der die Tiere in der Regel nicht abgeladen werden. Am Ende solcher Transporte ist eine 24-stündige Pause vorgeschrieben. Nach dieser Pause kann der Zyklus jedoch beliebig oft wiederholt werden, bis die Tiere an ihrem endgültigen Bestimmungsort angekommen sind, so dass sie mehrere Tage oder sogar Wochen unterwegs sein können.

„900.000 europäische Bürgerinnen und Bürger senden mit unserer Petition eine klare Botschaft an die EU: Diese langen und unnötigen Transporte sind grausam für Nutztiere und sollten verboten werden", sagt Olga Kikou, EU-Leiterin von Compassion in World Farming. „Wir fordern die Abgeordneten des Europäischen Parlaments dringend auf, auf diesen Aufruf der Bürgerinnen und Bürger zu hören und Ehrgeiz zu zeigen, indem sie über die Empfehlungen des ANIT-Ausschusses hinaus das Leben von Millionen von Nutztieren verbessern. Es sollten strengere Regeln mit absoluten Fahrzeitbeschränkungen und spezifische Maßnahmen für empfindliche Tiere, wie trächtige Kühe, eingeführt werden, um das Leiden und die Qualen während dieser Fahrten zu verhindern."

„Bei der Wahrnehmung ihrer Verantwortung als Vertreter der europäischen Bürgerinnen und Bürger sollten die Europaabgeordneten auch die Massenmobilisierungen und -aktionen als Stimme ihrer Wählerschaft berücksichtigen. Die Europäerinnen und Europäer senden aus allen Ecken der EU eine klare Botschaft an das Parlament. Wir werden darauf achten, ob ihre Forderungen Gehör finden", sagt Virginia López Calvo, Senior Campaigner bei WeMove.

„Es wurde bereits viel über Lebendtier-Exporte gesprochen. Während ich in Drittländern unterwegs war, musste ich feststellen, dass sich an der Art und Weise, wie die Tiere in Europa behandelt werden, überhaupt nichts geändert hat. Dieser Handel kann nicht verbessert werden. Er kann nicht menschlich sein. Er muss für immer gestoppt werden", sagt Gabriel Paun, Direktor von Animals International.

Hintergrund

Jedes Jahr werden Millionen Tiere über Tausende von Kilometern auf dem Luft-, See- oder Landweg transportiert, um direkt geschlachtet oder für die Schlachtung gemästet zu werden. Während dieser Transporte leiden sie aufgrund von Stress, Erschöpfung, Überhitzung und Verletzungen enorm. Selbst Kälber, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind, werden ab einem Alter von 14 Tagen auf Langstrecken transportiert und leiden unter Hunger, Durst und Wärmestress, was ihr ohnehin schwaches Immunsystem noch zusätzlich stark beeinträchtigt. Auch trächtigen Tieren, die manchmal aufgrund des Stresses unter schrecklichen Bedingungen an Bord von Fahrzeugen oder Schiffen Fehlgeburten erleiden, wird keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 151 183 515 30

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die weltweite Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Leiden aufdeckt, Tiere in Not rettet und sie schützt. Gegründet 1988 in Wien von Heli Dungler und Freunden, setzt sich die Organisation für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Empathie und Verständnis begegnen. Die nachhaltigen Kampagnen und Projekte von VIER PFOTEN konzentrieren sich auf Haustiere wie streunende Hunde und Katzen, Nutztiere und Wildtiere - wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans - in unangemessener Haltung sowie in Katastrophen- und Konfliktgebieten. Mit Büros in Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Kosovo, den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Großbritannien, den USA und Vietnam sowie Auffangstationen für gerettete Tiere in elf Ländern bietet VIER PFOTEN schnelle Hilfe und langfristige Lösungen. 

www.vier-pfoten.de

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