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Cem Özdemir ein Jahr im Amt 

Keine befriedigende Bilanz aus Tierschutzsicht / Mehr Tempo für essenzielle Verbesserungen nötig

 

6.12.2022

Hamburg, 06. Dezember 2022 – Am Donnerstag, den 08. Dezember 2022, ist Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) ein Jahr im Amt. Dazu kommentiert die globale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN:

„Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat unsere Erwartungen an ihn noch nicht erfüllt. Er hat den Stillstand der Vorgängerministerinnen und -minister nach 16 Jahren beendet, aber wir fordern hier deutlich mehr Tempo. Essenzielle Verbesserungen im Tierschutz liegen noch in weiter Ferne. Die Bedingungen sind sicherlich schwierig und wir wissen, dass die Industrie Krisen wie die aktuellen schamlos als Vorwand nutzt, um mehr Tierschutz zu verhindern. Aber gerade deshalb muss der selbsternannte ‚oberste Tierschützer Deutschlands‘ energischer handeln. 2023 steht eine große Revision im Tierschutzgesetz an. Hier kann Cem Özdemir beweisen, dass es ihm ernst ist. Dafür muss er Rückgrat beweisen und noch mehr Durchsetzungskraft an den Tag legen. Er muss eben mehr Fortschritt wagen."

Rüdiger Jürgensen, Mitglied der Geschäftsleitung VIER PFOTEN Deutschland

Die wichtigsten Aufgaben:

Heimtiere: Der illegale Welpenhandel boomt weiter. Täglich gehen neue Welpen-Inserate auf unregulierten Kleinanzeigen-Plattformen online, in denen teilweise zu junge und kranke Tiere zum Verkauf angeboten werden, während Tierheime in ganz Deutschland gleichzeitig an ihre Kapazitätsgrenze geraten. Um massives Tierleid zu verhindern und Verbraucher:innen zu schützen, ist es die Aufgabe der Bundesregierung, den Online-Handel mit Heimtieren zu regulieren. Dazu brauchen wir Gesetze zur verpflichtenden und bundesweiten Kennzeichnung und Registrierung für Hunde und Katzen sowie eine lückenlose Identitätsprüfung aller Anbietenden von Lebewesen auf allen Online-Plattformen. Auch die jüngsten freiwilligen Maßnahmen der Industrie reichen hier bei weitem nicht aus.

Tiere in der Landwirtschaft: Deutschland exportiert jährlich Zehntausende Rinder in weit entfernte Länder wie Algerien, Usbekistan oder Ägypten ohne Rücksicht auf das Wohl der Tiere. In einem ersten Schritt brauchen wir ein deutschlandweites Transportverbot. Die vom Bundeslandwirtschaftsministerium angekündigte Entziehung der Veterinärbescheinigungen für Exporte hat riesige Schlupflöcher und verhindert grausame Tiertransporte nicht. Zwar wurde die Tierhaltungskennzeichnung jetzt auf den Weg gebracht – allerdings informiert diese nicht transparent genug über die tatsächlichen Haltungsbedingungen und wird keine Lenkungswirkung bei den Verbraucher:innen entfalten können. Hier muss deutlich nachgebessert werden. Darüber hinaus liegt ein langfristiges Finanzierungskonzept immer noch nicht vor und der Umbau der Tierhaltung stockt. Der Fokus muss darauf liegen, dass Tiere ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben können und Qual- und Hochleistungszucht beendet werden. Insgesamt brauchen wir eine drastische Reduktion der Tierzahlen, die mit einer richtigen Ernährungswende begleitet wird.

Wildtiere: Die Haltung von Wildtieren in Zirkussen muss endlich verboten werden – hier ist Deutschland im europäischen Vergleich immer noch eines der Schlusslichter. Für die Tiere, die jetzt noch im Zirkus gehalten werden, braucht es zudem deutlich höhere Haltungsstandards. Es werden jährlich Hunderttausende Wildtiere nahezu unreguliert in Deutschland als Heimtiere zum Verkauf angeboten – dabei ist die Haltung äußerst anspruchsvoll, aufwendig, kostenintensiv und oft auch eine Gefahr für die Gesundheit und die öffentliche Sicherheit.. Es ist daher dringend nötig, die Haltung und den Handel mit Wildtieren zu regulieren. Wir fordern eine Positivliste, die anhand von Kriterien festlegt, welche Tierarten für den Handel und für die Privathaltung geeignet sind.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Oliver Windhorst

Pressesprecher für Tiere in der Landwirtschaft

presse-d@vier-pfoten.org

+49 151 183 515 30

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist die weltweite Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichen Einfluss, die Leiden aufdeckt, Tiere in Not rettet und sie schützt. Gegründet 1988 in Wien von Heli Dungler und Freunden, setzt sich die Organisation für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Empathie und Verständnis begegnen. Die nachhaltigen Kampagnen und Projekte von VIER PFOTEN konzentrieren sich auf Haustiere wie streunende Hunde und Katzen, Nutztiere und Wildtiere - wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans - in unangemessener Haltung sowie in Katastrophen- und Konfliktgebieten. Mit Büros in Australien, Österreich, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Kosovo, den Niederlanden, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Großbritannien, den USA und Vietnam sowie Auffangstationen für gerettete Tiere in elf Ländern bietet VIER PFOTEN schnelle Hilfe und langfristige Lösungen. 

www.vier-pfoten.de

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