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Drei Schritte in die richtige Richtung – noch lange nicht am Ziel.

10.12.2020

Lebendtiertransporte über lange Strecken: Bundesländer erschweren Tiertransporte

Hamburg, 10. Dezember 2020 – Jetzt hat Baden-Württemberg per Erlass lange Transporte nicht abgesetzter Kälber nach Spanien untersagt und erweitert damit die Reihe lobenswerter Vorstöße von Nordrhein-Westfalen und Bayern. Eine Veterinärbehörde in NRW hat jüngst erneut einen Tiertransport nach Marokko untersagt. Vor wenigen Wochen hatte Bayern per Erlass den Transport in tierschutzrechtliche Hochrisikostaaten zusätzlich erschwert. Aus Sicht von VIER PFOTEN sind das drei Schritte in die richtige Richtung. Doch das reicht nicht, denn es bleiben zu viele Schlupflöcher, um die neuen Verschärfungen zu umgehen. Um grausame Tiertransporte über lange Strecken zu stoppen, appelliert die globale Stiftung für Tierschutz an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, eine bundeseinheitliche Lösung voranzutreiben und den Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft bis Jahresende für eine EU-weite Lösung zu nutzen. Auch danach muss sich die Ministerin für Lösungen einsetzen.

„Wir begrüßen die Vorstöße einzelner Bundesländer, Langstreckentransporte und Drittlandexporte lebender Tiere zu unterbinden. Doch es braucht eine einheitliche Lösung. Jetzt müssen alle Bundesländer gemeinsam an einem Strang ziehen. Unser Appell an Ministerin Julia Klöckner: Handeln Sie jetzt und engagieren sich dafür, dass die Qualtransporte weder über andere Bundesländer noch über andere EU-Staaten abgewickelt werden. Ein national einheitlicher Genehmigungsstopp von Langstreckentransporten über acht Stunden lebender Tiere und ein Exportverbot in Drittländer sind dringend notwendig. Die Ministerin muss nicht nur auf nationaler Ebene aktiv werden, sondern auch Deutschlands Stellung in der EU nutzen. Ihr bleibt nur ein minimales Zeitfenster bis Ende dieses Jahres. Dann endet der deutsche EU-Ratsvorsitz. Die bisherige Bilanz ist ernüchternd. Aber auch danach trägt Deutschland auf EU-Ebene Verantwortung, darauf hinzuwirken, Tiertransporte zu beenden. Statt lebender Tiere sollten allenfalls Fleisch oder Zuchtsamen transportiert werden.“

Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin bei VIER PFOTEN

Weitere Informationen

Baden-Württemberg hat am 04. Dezember 2020 per Erlass lange Transporte nicht abgesetzter Kälber nach Spanien untersagt, da bei diesen Transporten die Einhaltung der geltenden Tierschutzbestimmungen angezweifelt wird. Nicht abgesetzte Kälber, die mehrfach täglich auf Milchnahrung angewiesen sind, werden auf bis zu 20-stündige Transporte nach Spanien geschickt. Während dieser Zeit können sie nicht mit der für sie dringend notwendigen Milch versorgt werden. Die Tiere leiden extrem, denn die Milchaufnahme ist auf den Transportfahrzeugen nicht möglich. Auch das Auf- und Abladen ist für die sehr jungen Tiere mit immensem Stress verbunden. Immer wieder sterben Tiere bei solchen Transporten. Transporte für nicht abgesetzte Jungtiere sollten deshalb generell untersagt werden und es muss dafür gesorgt werden, dass die Tiere jetzt nicht über andere Länder und von dort nach Spanien verfrachtet werden.

Das Verwaltungsgericht Köln hat am 18. November 2020 der Behörde Rhein-Sieg-Kreis Recht gegeben, die einen Transport von 132 Rindern nach Marokko untersagte, da die Tiere im Zielland eine grausame Schlachtung erwartet. Dies ist das erste Mal, dass in einem Gerichtsbeschluss anerkannt wird, dass nicht allein die Transportbedingungen entscheidend sind, wenn es um die Genehmigung von Tiertransporten geht, sondern auch die Bedingungen unter denen die Tiere im Zielland gehalten und früher oder später getötet werden. Seit Langem ist bekannt, dass die offiziell als Zuchttiere deklarierten Rinder, die von Deutschland aus in Drittländer exportiert werden, in diesen Ländern nach der Geburt ihres Kalbes ausgemolken und danach unter unvorstellbar qualvollen Bedingungen  getötet werden.  Die Behörde Rhein-Sieg-Kreis hat bereits den nächsten Exportversuch eines Transporteurs, der für den 11. Dezember mit 66 Rindern nach Marokko geplant war, abgewiesen.

Bayern hat am 26. Oktober 2020 per Erlass dafür gesorgt, dass Tiere von Bayern aus nicht mehr  - auch nicht über Umwege - in bestimmte Drittländer  - sogenannte „tierschutzrechtliche Hochrisikostaaten“ gelangen. Künftig müssen Transportunternehmer bei einem Transport innerhalb der EU gegenüber den Behörden bescheinigen, dass die -meist trächtigen- Rinder bei Ankunft im EU-Land nicht unmittelbar und auch nicht bis mindestens vor der Geburt ihres Kalbes in ein Drittland weiter verbracht werden. Bereits im Frühjahr 2019 hatte Bayern per Erlass den direkten Export von Tieren in besagte Drittländer gestoppt. Erst in diesem Jahr bemerkten die Behörden, dass Transporteure den Stopp skrupellos umgehen, indem sie die Tiere zunächst in ein EU-Land wie bspw. Ungarn verbringen. Von Ungarn ausgehend wurden die Tiere dann jedoch gleich weiter in das Drittland verbracht und somit der Bayern-Erlass unterlaufen.   

VIER PFOTEN übergibt 150.000 Stimmen an Julia Klöckner gegen Tiertransporte

Am 16. Dezember 2020 übergibt VIER PFOTEN im Bundeslandwirtschaftsministerium symbolisch über 150.000 Stimmen gegen grausame Tiertransporte an den Parlamentarischen Staatssekretär Uwe Feiler. Darin fordern  die UnterstützerInnen weiter von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, sich noch bis Ende des Jahres während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für ein Ende grausamer Tiertransporte einzusetzen.

Weitere Informationen zu Tiertransporten finden Sie hier.

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

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VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen, Orang-Utans und Elefanten – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

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