
Illegaler Welpenhandel als Brutstätte von tödlicher Viruserkrankung
VIER PFOTEN warnt vor hochansteckender Parvovirose bei Hunden
Hamburg, 04. August 2021 – Die hochansteckende und meist tödlich verlaufende Viruserkrankung Parvovirose tritt insbesondere bei illegal gehandelten Welpen auf und ist mit großem Leid für Tier und Halter:in verbunden. Auch vor dem Hintergrund der Seuchengefahr ist es dringend notwendig, den Hauptverkaufskanal des illegalen Welpenhandels, Online-Plattformen, sicher zu machen.
Tierärztin Kirsten Tönnies erklärt: „Parvovirose war in Deutschland seit der Implementierung der Impfung Ende der 1970er Jahre bis Anfang 2000 in Deutschland nahezu ausgelöscht. Doch seit einigen Jahren steigen die Fallzahlen wieder an. Das ist ganz klar auf den immer noch zunehmenden illegalen Welpenhandel zurückzuführen. Der Verlauf der Krankheit ist schrecklich für jedes einzelne Tier und endet in den meisten Fällen tödlich. Eine Impfung ist der beste Schutz gegen die Krankheit und gehört in Deutschland zum absoluten Standard. Die Krankheit tritt daher hauptsächlich bei Tieren aus dem Ausland auf – der Zusammenhang mit dem illegalen Welpenhandel ist eindeutig. Tieren aus illegalem Handel fehlt meist jegliche medizinische Versorgung. Ihr noch unterentwickeltes Immunsystem wird durch den Stress und die Ängste zudem übermäßig gefordert, so dass die Immunabwehr versagt und die Krankheitsverläufe besonders dramatisch sind. Auch für die neuen Besitzerinnen und Besitzer ist die Viruserkrankung traumatisch und mit hohen Tierarztkosten von bis zu 6.000 Euro für die Behandlung verbunden.“
Weitere Hintergrundinformationen zu Parvovirose
Die erste große Epidemie der Parvovirose trat in den 1970er Jahren auf, bei der tausende Hunde verendeten. Das Tiergesundheitsgesetz in Deutschland hat zum Ziel, Tierseuchen einzudämmen. Da es für Parvovirose jedoch keine Meldepflicht gibt, kann die genaue Zahl der Betroffenen nicht erfasst werden. Parvovirusinfektionen treten noch immer häufig bei ungeimpften Hunden auf, die in den meisten Fällen tödlich enden. Insbesondere für junge Hunde stellt das Virus eine tödliche Gefahr dar: Infizierte Welpen sterben oft noch vor Erreichen ihres dritten Lebensmonats an den Folgen einer Entzündung des Herzmuskels. Die Tiere leiden unter heftigem Erbrechen und wässrigem, oft blutigem Durchfall. Schlimmstenfalls kann es auch zu einer Infektion des Knochenmarks kommen. Die Ansteckung erfolgt vorwiegend durch die Aufnahme von infiziertem Kot über verunreinigtes Futter, Belecken von Fell, Händen oder Textilien.
Illegaler Welpenhandel als skrupelloses Geschäft
Beim illegalen Welpenhandel nutzen kriminelle Händler:innen die Anonymität des Internets, um die meist kranken Welpen auf unregulierten Online-Plattformen zu verkaufen. Die ahnungslosen Käufer:innen werden mit seriös wirkenden Anzeigen, niedlichen Bildern und gefälschten Dokumenten getäuscht und zahlen häufig mehrere Hundert oder Tausend Euro für einen Welpen. Vor dem Verkauf werden die Tiere oft mit Medikamenten vorübergehend aufgeputscht, sodass Krankheitszustände nicht erkennbar sind. Wenn den neuen Besitzer:innen auffällt, dass der Welpe stark geschwächt ist, ist die Online-Anzeige bereits gelöscht und Täter:innen nicht mehr zu ermitteln. Käufer:innen müssen dann meist mit hohen Tierarztkosten rechnen, nicht selten stirbt ihr neues Familienmitglied schon nach kurzer Zeit oder leidet ein Leben lang unter den Folgen wie einer Herzschwäche. Eine zuverlässige Verifizierungspflicht der Identifikation von Tieren und Verkäufer:innnen auf allen Online-Plattformen könnte den illegalen Welpenhandel beenden und enormes Tierleid verhindern.

Corinna Madjitov
Pressesprecherin HaustiereVIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.