
Neuer VIER PFOTEN Bericht:
Tierqual-Wolle in Sportkleidung hat Hochsaison
Hersteller Nike ohne klaren Verzicht auf tierquälerische Methode des Mulesing
Hamburg, 07. April 2022 – Merinowolle wärmt und kühlt zugleich, deshalb nutzt sie unter anderem auch die Sportbekleidungsindustrie seit Jahren: Die Faser findet sich zum Beispiel in Yogahosen, Fahrradtrikots oder Laufhosen wieder. Die globale Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN stellt in ihrem neuen Bericht fest, dass die zehn weltweit umsatzstärksten Sportmarken Merinowolle in ihrem Sortiment verwenden. Was viele Konsument:innen dabei nicht wissen: Diese Wolle wird oft unter tierquälerischen Bedingungen hergestellt. Ein Großteil der weltweit verwendeten Merinowolle stammt aus Australien, wo überwiegend die grausame Methode des Mulesing praktiziert wird. Dabei werden Merino-Lämmern ohne Betäubung große Hautstreifen rund um den After abgeschnitten. Eine besonders unrühmliche Rolle bei der Verwendung von Merinowolle spielt Nike.
Als weltweit größter Sportbekleidungshersteller hinkt Nike seinen beiden größten Konkurrenten Puma und Adidas in Sachen Tierschutz hinterher, da diese beiden Unternehmen bereits Pläne zum Umstieg auf zertifiziert mulesing-freie Wolle getroffen haben. VIER PFOTEN fordert Nike deshalb auf, diesen wichtigen Schritt in Richtung mehr Tierschutz ebenfalls zu gehen und so jährlich Millionen Lämmern immenses Leid und Schmerzen zu ersparen.
Mulesing, ein systemisches Problem
Die australische Wollindustrie ist der weltweit größte Produzent von Merinowolle. 80 Prozent der global verwendeten feinen Merinowolle stammen von dort. Lediglich 14 Prozent der australischen Wolle wird ohne das tierquälerische Mulesing produziert. Über Stichproben wollte VIER PFOTEN herausfinden, wie weit australische Merinowolle verbreitet ist. Die Stiftung hat deswegen ein unabhängiges Labor damit beauftragt, Wollproben aus Produkten von Adidas, Puma und Nike zu untersuchen. Anhand des für australische feine Merinowolle typischen Durchmessers der Proben kommt die globale Stiftung für Tierschutz zu der Einschätzung, dass es sich bei allen analysierten Proben sehr wahrscheinlich um australische Merinowolle handelt. „Mulesing wird nicht nur in Einzelfällen durchgeführt, sondern ist die Regel und damit ein Problem der gesamten Branche. Nike hat hier als weltweiter Marktführer die Chance, eine starke Haltung in Sachen Tierschutz einzunehmen und die Industrie zu einem raschen Umdenken zu bewegen,“ so Picallo Gil.
Hintergrund
Bereits seit Jahren setzt sich VIER PFOTEN für ein Ende der grausamen Mulesing-Prozedur ein. In einem offenen Brief forderten zuletzt 2021 mehr als 30 globale Modemarken von der australischen Woll-Industrie, dem Verstümmeln von wenigen Wochen alten Lämmern ein Ende zu setzen. Australien ist weltweit das einzige Land, in welchem die Methode des Mulesing noch betrieben wird. Beim Mulesing werden zwei bis zehn Wochen alten Lämmern mit einer scharfen Schere große Stücke Haut am Hinterteil ohne Betäubung herausgeschnitten. Für die Lämmer bedeutet das neben Angst und Stress vor allem große Schmerzen, die tagelang andauern können. Dabei gibt es dazu längst Alternativen, wie der Umstieg auf Schafzüchtungen, die weniger anfällig für Parasiten sind. Es gibt auch Zertifizierungsinitiativen, die Wolle zu den tierhaltenden Betrieben zurückverfolgen, um tierquälerische Methoden ausschließen.
Hier geht es zum Report.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.
Bilder zum Thema Mulesing finden Sie hier.

Oliver Windhorst
Pressesprecher für Tiere in der Landwirtschaft+49 151 183 515 30
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.