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Vor einem Jahr wurde COVID-19 auf europäischen Nerzfarmen entdeckt 

NGOs und Öffentlichkeit fordern die EU zum Handeln auf 

15.4.2021

Hamburg, 14. April 2021 – Vor einem Jahr wurde erstmalig das SARS-CoV-2-Virus auf einer Nerzfarm in den Niederlanden nachgewiesen. Dennoch hat die EU bislang kein Pelztierzuchtverbot ausgesprochen und diese Coronavirus-Reservoirs geschlossen. In den letzten Monaten haben fast eine halbe Million Menschen eine Petition unterzeichnet, die ein Ende des tödlichen Pelzhandels fordert. Auch eine aktuelle Umfrage untermauert die Forderung an die EU, die Pelztierzucht zu beenden, um Gesellschaft und Tiere vor weiteren Krankheitsausbrüchen zu schützen. 

„Mit dem Inkrafttreten des Tiergesundheitsgesetzes am 21. April hat die Europäische Kommission eine hervorragende Gelegenheit, gegen die Pelztierzucht vorzugehen und diese Bedrohung für die menschliche Gesundheit zu beseitigen“

Pierre Sultana, Director European Policy Office bei VIER PFOTEN

Im vergangenen Jahr kam es auf mehr als 400 Nerzfarmen in zehn EU-Mitgliedstaaten zu Ausbrüchen von SARS-CoV-2. Als Konsequenz wurden Millionen Tiere getötet. Pelzfarmen sind Brutstätten für Krankheitserreger: Aufgrund der Lebensbedingungen in diesen Massentierhaltungsbetrieben breitet sich ein Virus schnell aus, sobald ein einziges Tier infiziert ist. Im Fall von SARS-CoV-2 hat sich gezeigt, dass sich das Virus nicht nur innerhalb einer Nerzfarm unter den Tieren ausbreiten und mutieren kann, sondern es übertrug sich auch auf Menschen und Wildtiere.

Pelztierfarmen sind Gefahrenherde für die öffentliche Gesundheit

Pelztierfarmen sind eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit, da sie potenzielle Brutstätten für das Coronavirus sind. In einer gemeinsamen Bewertung warnten die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) davor, dass ein erhebliches Risiko besteht, dass COVID-19 von Nerzen auf Menschen übertragen wird. Dennoch ist die Europäische Kommission bisher weitgehend untätig geblieben.

„Bislang hat die Europäische Kommission lediglich die Überwachung und Meldung von COVID-19-Fällen auf Pelzfarmen gefordert. Sie empfiehlt die Umsetzung strengerer Biosicherheitsmaßnahmen einschließlich regelmäßiger COVID-19-Tests für Mitarbeiter von Pelzfarmen und Stichprobentests von Nerzen sowie die Untersuchung toter Tiere", sagt Dr. Joanna Swabe von Humane Society International/Europe. „Diese Maßnahmen reichen jedoch nicht aus, um die öffentliche Gesundheit zu schützen. Die einzige Möglichkeit, die Ausbreitung des Coronavirus vom Nerz auf den Menschen zu verhindern, ist die Pelztierzucht in den Mitgliedsstaaten, in denen diese grausame Praxis noch legal ist, zu verbieten."

Es hat sich gezeigt, dass COVID-19 von Nerzen auf den Menschen übertragen werden kann. Darüber hinaus könnten Pelzfarmen den Kampf gegen die Pandemie erschweren, wie Joh Vinding von der Fur Free Alliance erklärt: „Da die Tiere auf so engem Raum und unter so schlechten Bedingungen gehalten werden, sind Pelzfarmen der perfekte Nährboden für Infektionskrankheiten. Auch Viren können mutieren. Die Mutationen des SARS-CoV-2, die bei Nerzen auf dänischen Nerzfarmen aufgetreten sind, wurden bereits auf Menschen übertragen. Forscher befürchten, dass solche Mutationen die Wirksamkeit von Impfstoffen verringern und den Erfolg in unserem Kampf gegen COVID-19 erheblich verzögern könnten".

EU-BürgerInnen fordern Ende der Pelztierhaltung

Eine kürzlich von VIER PFOTEN und Eurogroup for Animals in Auftrag gegebene Meinungsumfrage, die in Frankreich, Italien, Bulgarien, Ungarn, Estland und der Slowakei durchgeführt wurde, zeigt, dass die EU-BürgerInnen eine sofortige Beendigung der Pelztierhaltung und -zucht befürworten.

„Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Mehrheit unsere Forderung nach Sofortmaßnahmen unterstützt. Angesichts dieser starken öffentlichen Unterstützung und der Gesundheitsrisiken, die mit der Pelztierzucht verbunden sind, muss die Europäische Kommission sofort handeln und die Mitgliedstaaten auffordern, die Pelzproduktion zu stoppen", sagt Reineke Hameleers von der Eurogroup for Animals.

In Italien, wo die Pelztierzucht von Nerzen für 2021 ausgesetzt ist, jedoch immer noch Farmen betrieben werden, befürworten
77 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Sofortmaßnahmen einzuleiten, um die Pelztierhaltung und -zucht zu beenden. Die Pelztierzucht aufrechtzuerhalten, wäre ein Zeichen, dass die Europäische Kommission wirtschaftliche Interessen Weniger über die Gesundheit aller EU-BürgerInnen stellt.

Um den Fokus auf die bestehende Problematik zu lenken, veranstalten die Fur Free Alliance, die Eurogroup for Animals und ihre Mitglieder zusammen mit VIER PFOTEN und Humane Society International am 14. April einen gemeinsamen Online-Aktionstag.

Susanne von Pölnitz

Pressesprecherin Wildtiere

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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen, Orang-Utans und Elefanten – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

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