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Historische Chance, die Zukunft unseres Planeten nachhaltig zu verbessern

VIER PFOTEN fordert WHO Mitgliedsstaaten auf, bei ihrer Versammlung am Montag zukünftige Pandemien zu verhindern – durch effektive Ursachenbekämpfung

17.2.2021

Hamburg, 20. Mai 2021 – Zwischen dem 24. Mai und dem 1. Juni treffen sich virtuell die RegierungsvertreterInnen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der jährlichen Weltgesundheitsversammlung. Diese ist das wichtigste Entscheidungsorgan der WHO. VIER PFOTEN sieht durch die Fokussierung auf Ursachen während der Versammlung die historische Chance für die Entwicklung eines Abkommens zur Prävention von zukünftigen Pandemien. Mit Briefen an Staatsoberhäupter und Gesundheitsminister:innen fordert die globale Tierschutzorganisation im Vorfeld zur Veranstaltung die Mitgliedsstaaten auf, sich für das Abkommen einzusetzen.

„Mit einem globalen Abkommen wird nicht nur eine bessere internationale Koordination gewährleistet, sondern auch ein System eingerichtet, das künftige Pandemien verhindert und nicht nur darauf reagiert. Die Mitgliedsstaaten der WHO müssen diese historische Chance nutzen, um die Zukunft unseres Planeten nachhaltig zu verbessern. Das Abkommen darf aber kein Alleingang der WHO sein. Um die Schlagkraft des Abkommens zu erhöhen, müssen auch Organisationen wie die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen), OIE (Weltorganisation für Tiergesundheit) und UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) in die Entwicklung involviert sein.“

Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer VIER PFOTEN Deutschland

Für die Entwicklung eines Pandemie-Abkommens haben sich bereits über 30 der 194 WHO-Mitglieder ausgesprochen, darunter Deutschland, Südafrika, Japan, Thailand, Frankreich, Kanada und das Vereinigte Königreich. Sollte im Rahmen der Weltgesundheitsversammlung mehrheitlich für das Abkommen gestimmt werden, wird das WHO-Sekretariat damit beauftragt, dieses zu verfassen. Die Vereinbarung wird voraussichtlich Maßnahmen zur Prävention, Erkennung und Bekämpfung von Pandemien enthalten. Obwohl die WHO-Mitgliedsstaaten eine endgültige Einigung über das Abkommen schon Anfang 2022 erzielen könnten, ist es nur dann verbindlich, wenn die einzelnen Mitgliedsstaaten es auch auf nationaler Ebene ratifizieren.

Tierschutzmaßnahmen im Pandemie-Abkommen gefordert

VIER PFOTEN ist besorgt, dass Entscheidungsträger:innen Tierschutz nicht als integralen Bestandteil der Pandemieprävention betrachten. Der weithin bekannte „One Health“-Ansatz erkennt zwar an, dass die menschliche Gesundheit mit der Gesundheit von Tieren und der Umwelt verbunden ist, berücksichtigt aber nicht deren Wohlergehen. Deshalb fordert VIER PFOTEN die Regierungen auf, das ergänzende „One Welfare“-Konzept anzuwenden, das auch von der WHO, FAO und OIE unterstützt wird. Dieses Konzept erkennt die Wechselbeziehung zwischen menschlichem Wohlergehen und dem Wohlergehen von Tieren und der Natur an. Ein Ungleichgewicht in dieser Beziehung ist oft Ursprung und Treiber von Ausbrüchen zoonotischer Krankheiten, wie die aktuelle COVID-19-Pandemie zeigt. „Solange wir Menschen Tiere leiden lassen, werden auch wir leiden – so einfach ist das. Das Pandemie-Abkommen muss Maßnahmen enthalten, die die Ursachen von Pandemien bekämpfen. Konkrete Schritte, die zukünftige Pandemien verhindern können, sind ein Verbot von Lebendtiermärkten und Pelzfarmen sowie ein Ende des kommerziellen Wildtierhandels und der Intensivtierhaltung. Diese Maßnahmen sind nicht nur moralische Überlegungen, sondern auch eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung. Es ist erwiesen, dass die Prävention von Pandemien nur einen Bruchteil der Bekämpfung, wie beispielsweise mehrmonatige Lockdowns, kostet“, so Rüdiger Jürgensen.

Zoonosen sind meist menschengemacht

Bislang hat die Vernachlässigung von Tier- und Umweltschutz auf Kosten des globalen Wachstums zu einem gefährlichen Ungleichgewicht geführt. Laut Angaben eines Berichts des UNEP aus dem Jahr 2020 haben 75 Prozent der neu auftretenden Infektionskrankheiten ihren Ursprung in Tieren, sind also zoonotisch. Internationale Experten gehen davon aus, dass das neuartige Coronavirus ebenfalls von Wildtieren stammt und über einen tierischen Zwischenwirt, möglicherweise auf einem Lebendtiermarkt in Wuhan, China, auf den Menschen übergesprungen ist. Zusätzlich sind der Klimawandel und die Zerstörung von Lebensräumen weitere Treiber für die Entstehung von Zoonosen. VIER PFOTEN startet heute, am 20. Mai, eine Kampagne, um Entscheidungsträger aufzufordern, Tierschutzmaßnahmen zu verschärfen, um zoonotische Pandemien zukünftig zu verhindern.

Systemänderung statt Symptomlinderung

VIER PFOTEN begrüßt, dass Deutschland sich für das Pandemie-Abkommen einsetzt. Das ist ein wichtiger Schritt, um das globale Engagement zu bündeln und mehr Handlungsfähigkeit im Umgang mit und der Prävention von Pandemien zu erlangen. „Aber auch hierzulande greift die Debatte um Pandemieprävention leider noch zu kurz und wichtige Zusammenhänge bleiben außen vor. Erst wenn die im Mensch-Tier-Verhältnis liegenden Ursachen von zoonotischen Krankheiten – wie z.B. das kranke System der Intensivtierhaltung – angegangen werden und nicht bloß ihre Symptome durch beispielsweise erhöhte Biosicherheitsmaßnahmen abgeschwächt werden, können wir das Problem an der Wurzel packen“, sagt Rüdiger Jürgensen

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

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VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
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VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Heim-, Nutz- und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen, Orang-Utans und Elefanten – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA und Vietnam sowie Schutzzentren für notleidende Tiere in zwölf Ländern sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de

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