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VIER PFOTEN fordert von Modeindustrie, tierleidfreie Wolle zu verarbeiten

1.4.2020

100 Textilmarken gegen „Mulesing“

Hamburg, 31. März 2020 – VIER PFOTEN hat eine Liste mit hundert internationalen Textilmarken veröffentlicht, die sich gegen das grausame „Mulesing“ bei Lämmern aussprechen – darunter auch deutsche Unternehmen. Damit will die internationale Tierschutzstiftung weltweit Marken motivieren und auffordern, auf Merino-Wolle von verstümmelten Schafen zu verzichten.

VIER PFOTEN fordert ein Ende der grausamen Praxis:

„Es gibt viele Marken, die Mulesing-Wolle ablehnen. Ihre öffentliche Position gegen das grausame Verstümmeln der Lämmer ist eine klare Botschaft und verdeutlicht die wachsende Nachfrage nach Wolle ohne Tierleid. Es ist jetzt an der Zeit, dass Modehäuser die Verarbeitung von Mulesing-Wolle einstellen und ihre Lieferketten entsprechend umstellen. Das Verstümmeln von Lämmchen ist grausam, unnötig und absolut nicht zeitgemäß.“

Dr. Martina Stephany, Direktorin Nutztiere und Ernährung bei VIER PFOTEN

Mulesing bedeutet verstümmeln

Beim Mulesing werden den Lämmchen mit einer Metallschere Hautstreifen an den Hinterteilen abgeschnitten – meistens ohne Narkose oder Schmerzmittel. Die brutale Verstümmelung, die einzig in Australien – dem weltweit größten Wollproduzenten – praktiziert wird, soll den Fliegenbefall in den Hautfalten der Schafe verhindern. Nach der Prozedur bleiben schmerzhafte Wunden, die erst nach Wochen verheilen. Fliegen können weiterhin andere Körperregionen befallen.

Großteil der Merinowolle in Deutschland kommt aus Australien

Deutschland importiert 95 Prozent seiner Merinowolle und ein Großteil dieser wird aus Australien bezogen. Zwar gibt es auch rund 500.000 deutsche Merinoschafe, diese werden aber aufgrund ihrer raueren Wollqualität vor allem für Fleischerzeugung und Landschaftspflege genutzt. Darüber hinaus kommt die hiesige Wolle aufgrund der geringen Marktpreise nur als Nebenprodukt für Jacken, Decken und Bettwaren zum Einsatz. Für Pullover, Babybekleidung, Unterwäsche und Sportkleidung wird die viel feinere Wolle des australischen Merinoschafes verwendet.

Auch deutsche Marken sprechen sich gegen grausame Praxis aus

Die Nachfrage nach Wolle ohne Mulesing wächst: Outdoor-Marken wie Patagonia und Kathmandu sind als Vorreiter bereits gänzlich frei von Mulesing-Wolle. Dazu gehört auch das deutsche Unternehmen ORTOVOX, das sein eigenes Label für faire Wolle gegründet hat und Einsicht in seine komplette Lieferkette gibt. „Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit Organisationen wie VIER PFOTEN, aber auch mit den Wollbauern und anderen Interessensgruppen der Wolllieferkette. Auf der Liste einer internationalen Tierschutzstiftung als progressive Marke aufgeführt zu sein, bestätigt uns in unserem Handeln“, so Katrin Bauer, Corporate Responsibility Manager bei ORTOVOX. Einige der Marken in der VIER PFOTEN-Bewertung wie H&M, Abercrombie & Fitch, Only, Jack & Jones, Jack Wolfskin oder Hugo Boss haben sich verpflichtet, Mulesing-Wolle innerhalb der nächsten Jahre auszulisten.

Tierschutzkriterien werden für Marken wichtiger

Rückverfolgbarkeits- und Zertifizierungssysteme wie der Responsible Wool Standard (RWS), New Merino und ZQ Merino werden vermehrt von Marken genutzt, um Tierschutzkriterien und Transparenz in ihren Lieferketten zu gewährleisten. Solche Standards verbieten auch das besonders umstrittene Mulesing. H&M, Abercrombie & Fitch, Only, Jack Wolfskin, Jack & Jones und Vero Moda gehören zu denjenigen, die sich zu einer baldigen 100% RWS oder vergleichbaren Zertifizierung verpflichtet haben.

Australien: Tierleid für höhere Erträge

Um höhere Erträge an hochwertiger Wolle zu erreichen, züchten australische Bauern seit Jahrzehnten Schafe mit mehr Hautfalten. Dadurch sind die Tiere aber auch anfälliger für Fliegenbefall geworden. Maden nisten sich in den Hautfalten vor allem am Hinterteil der Schafe ein und verursachen Wunden, die unentdeckt und unbehandelt zu lähmenden Schmerzen und sogar zum Tod führen können. Mulesing wurde vor über hundert Jahren in Australien als günstige Methode zur Bekämpfung des Fliegenbefalls entwickelt. Die Schafbauern befestigen dabei die zwei bis zehn Wochen alten Lämmchen in einem Metallgestell und schneiden ihnen mit einer scharfen Schere Hautstreifen um den Po ab. Sobald die Wunde verheilt ist, bleibt eine kahle Stelle zurück, wo keine Hautfalten mehr nachwachsen können, in welche die Fliegen ihre Eier legen könnten.

Andere Schafzüchtungen würde brutales Mulesing unnötig machen

Während in anderen Wollproduktionsländern, wie Argentinien, Neuseeland und Südafrika, Mulesing nicht praktiziert wird oder sogar illegal ist, ist es in Australien, wo 75 Prozent der weltweiten Bekleidungswolle produziert wird, legal und immer noch üblich. „Die australischen Wollproduzenten sollen auf glatte Merinoschafe umsteigen, die keine übermäßigen Falten durch Überzüchtung haben und widerstandsfähiger gegen Parasiten und Fliegenbefall sind. Die Umstellung auf so eine Schafzüchtung dauert etwa drei bis fünf Jahre. Der Lebenszyklus der bisher eingesetzten Schafe verändert sich dadurch nicht. Das brutale Mulesing wäre dann Vergangenheit. In der Zwischenzeit setzt sich VIER PFOTEN dafür ein, dass mehr Marken sich verpflichten, Mulesing-Wolle in den folgenden Jahren aus deren Sortiment auszulisten“, sagt Dr. Stephany. Mehr als 1.000 australische Betriebe haben Mulesing bereits abgeschafft und nutzen Alternativen, die Millionen von Schafen Leid ersparen. Die Zahl der Wollproduzenten, die diesem Beispiel folgen, wird mit der wachsenden Nachfrage steigen.

Die Liste der 100 Marken gibt es hier.

Weitere Informationen zum Thema Mulesing:
Bildmaterial zum Mulesing befindet sich hier.

Roh-Bewegtbildmaterial gibt es unter diesem Link.
Im Film zu sehen:
00:25 Michael and Angela Day, Wool Producers
01:10 Doug Wright, Wool Producer

Hier geht es zur Petition gegen Mulesing.

Kampagne Wolle mit Po

Oliver Windhorst

Pressesprecher Nutztiere und Ernährung

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-66

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

www.vier-pfoten.de