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VIER PFOTEN RATGEBER: Hitzeleid auf Lebendtiertransportern melden

Was tun, wenn man Zeuge von auf Tiertransportern leidenden Tieren wird? Die Tierschutzstiftung VIER PFOTEN rät zum Notruf bei der Polizei.   

13.8.2021

Jährlich werden Millionen Tiere auf deutschen Straßen vom Mastbetrieb zum Schlachthof, in andere EU-Staaten oder auch in weit entfernte Länder außerhalb der Europäischen Union transportiert. Immer wieder sterben in den Transportern zahlreiche Tiere noch vor ihrer Ankunft am Bestimmungsort. Der Grund dafür sind neben Unfällen und Staus oft Überladung mit zu vielen oder mit verletzten Tieren – erschwerend kommt im Sommer die Hitze hinzu: So sorgen leere Tränken, lange Transportzeiten, schlechte Belüftung oder ausgeschaltete Klimaanlagen für massive Tierschutzprobleme.  

Woran erkennt man leidende Tiere? 

Durch leere Wassertanks, nicht funktionierende und für die Tiere nicht erreichbare oder ungeeignete Tränken sterben immer wieder zahlreiche Tiere qualvoll in Tiertransportern. Zeichen für Durst und Dehydrierung sind apathische oder an den Stangen des Transporters leckende Tiere. Schweine können nicht schwitzen und regulieren ihre Körpertemperatur in der Natur durch Wälzen und Suhlen, was auf Transporten unmöglich ist. Sie leiden dadurch schnell an Hitzestress, oftmals mit Todesfolge. Auch Geflügeltiere können nicht schwitzen. Bei Hitzestress ‘hecheln‘ diese durch den geöffneten Schnabel. Sie spreizen normalerweise die Flügel, um Wärme abzugeben – wofür aber im engen Transporter kein Platz ist.  

In welchen Situationen sollten Sie handeln?

Auch wenn Sie etwa durch Planen keine freie Sicht auf die Tiere in den Transportern haben, um etwaige Missstände zu erkennen, sollten Sie bei im Stau stehenden oder mit einer Panne liegengebliebenen Tiertransportern wachsam sein. Das gilt ebenso für verlassene Lebendtiertransporter auf Feldern oder dem Autobahnparkplatz. Überprüfen Sie in diesen Fällen möglichst immer, ob die Fahrer:in nur kurz zur Pause gegangen ist oder ob das Fahrzeug dort schon länger geparkt ist. Denn stehende Fahrzeuge heizen sich schnell auf und die Tiere können an Atemnot oder Überhitzung sterben.

Polizei verständigen

Wenn Sie sehen, dass es den Tieren nicht gut geht oder auch, wenn innerhalb von fünf Minuten niemand auftaucht, geben Sie das Nummernschild und den Fahrzeugstandort an die Polizei weiter. Sie können diese auch kontaktieren, wenn Sie zum Beispiel einen fahrenden, mit Tieren beladenen Transporter mit verletzten oder gar toten Tieren sehen oder beobachten, dass Tiere erfolglos versuchen, an Tränken zu kommen. Sollte das Fahrzeug auf der Autobahn oder einer Autobahn-Raststätte gesichtet werden, ist es am besten, gleich die zuständige Autobahnpolizei anzurufen. Die Telefonnummer finden Sie unter dem Suchbegriff „Autobahnpolizei“ mit der jeweiligen Ortsangabe im Internet.  

Was können Sie darüber hinaus tun?

1. Beweise sichern

Sichern Sie nach Möglichkeit Beweise (Fotos vor allem der hinteren Nummernschilder der LKW, Fotos der Tiere im Transporter, Fotos von Tränken, Videos etc.), die den Missstand dokumentieren. Vorhandene Zeug:innen und die eigene Bereitschaft, als Zeug:in aufzutreten, können eine wichtige Ergänzung sein. Besteht der Wunsch, dass die Aussage vertraulich behandelt wird, sollten die zuständigen Sachbearbeiter:innen darauf hingewiesen werden, dass die Anonymität zu wahren ist.  

2. Polizei kontaktieren 

Autobahndienststellen finden Sie im Internet. Sie sind lokal organisiert. Hier z.B. einige Dienststellen: 

 

3. Zusätzlich ggf. Veterinäramt kontaktieren  

Nachdem Sie die Polizei verständigt haben, übergeben Sie die von Ihnen gesammelten Beweise zusätzlich an das zuständige Veterinäramt. Die Amtstierärzt:innen der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht der jeweiligen Kreise sind u.a. zuständig für:  

  • Überprüfung und Genehmigungen von Tiertransporten. Vor-Ort-Kontrollen auf der Straße zum Beispiel auch aufgrund von konkreten Hinweisen 
  • Ahndung von Tierschutzverstößen. Sie sind befugt, ggf. Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten 
  • Hinweis: Die Veterinärämter sind nicht dazu verpflichtet, Ihnen Auskünfte zum jeweiligen Verfahren zu geben. Scheuen Sie dennoch nicht die Frage nach dem Fortlauf der Untersuchung, so signalisieren Sie auch die Dringlichkeit des Falls.  
  • In Niedersachsen gibt es eine anonyme Meldestelle, die der Tiergesundheitsdienst LAVES anbietet. Dort kann man anonym beobachtet Missstände angeben, denen nachgegangen werden muss. 

4. VIER PFOTEN kontaktieren 

Nachdem Sie die Polizei kontaktiert haben, versuchen Sie, den Fall auch an VIER PFOTEN weiterzuleiten. Wir sammeln Fälle von gesichteten Missständen bei Tiertransporten, um zu belegen, dass strengere Gesetze und viel mehr Kontrollen notwendig sind. Einen unmittelbaren Missstand abstellen können wir nicht, es ist deshalb immer besser, direkt Hilfe vor Ort durch die Polizei einzuholen und ggf. das Veterinäramt zu informieren.  

5. Anzeige erstatten  

Ihnen bleibt auch immer die Möglichkeit, Anzeige gegen das Transportunternehmen bei der zuständigen Polizeibehörde oder direkt bei der Staatsanwaltschaft zu erstatten. Jeder, der eine Tat anzeigt, sollte sich ein Aktenzeichen geben lassen und nachfragen, was aus der Anzeige geworden ist.  

Befindet sich ein Tier in akuter Lebensgefahr, verständigen Sie bitte sofort die Polizei. Eine schnelle Reaktion Ihrerseits könnte einem Tier das Leben retten.  

Grundlagen des Tierschutzes bei Tiertransporten  

 

Forderungen VIER PFOTEN bei Lebendtiertransporten 

Ein bundes- und EU-weites Verbot von Langstreckentransporten und Transporten lebender Tiere in Drittländer.

Bundes- und EU-weit sollte gelten: 

  • Kein Transport von nicht abgesetzten Tieren, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind 
  • Maximal 4 Stunden für alle Tiere innerhalb Deutschlands sowie generell für Geflügel und Kaninchen 
  • Maximal 8 Stunden für alle anderen Tierarten unabhängig vom Zielland 
  • Verbot des Transports lebender Tiere auf Schiffen 
  • Verbot des Transports bei zu erwartenden Außentemperaturen von über 25°C und unter 5°C 
  • Transport von Fleisch und Zuchtsamen statt lebender Tiere  
  • Reduktion der Tierbestände und Abkehr von der Exportorientierung 

 

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