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The breed standard for Cavalier King Charles Spaniel is one example

Das Leiden von Hunden mit genetischen Störungen

18.5.2020

Bei Hunden ist eine Vielzahl von genetischen Störungen bekannt, von Brachyzephalie, Herzfehlern und Epilepsie bis hin zu Blind- und Taubheit.

Genetische Störungen können alle Organe und Körperteile betreffen und zu schmerzverursachenden Zuständen führen, wie z.B. Organkompressionen, Fehlbildungen oder Defekten, die zu einem Leben voller Leiden führen.

Einige Hunderassen werden so gezüchtet, dass sie Hautfalten haben. Zu diesen Rassen gehört der Shar Pei, Bernhardiner und der Mops. Aufgrund dieser Hautfalten sind alle betroffenen Rassen anfällig für Hautentzündungen und -infektionen.

Der Cavalier King Charles Spaniel wurde auf eine kleine Schädelgröße hin gezüchtet. Daraus resultierend kommt es zu einem Platzmangel für das Gehirn. Infolgedessen wird das Gehirn komprimiert, was zu zwei verschiedenen Anomalien führen kann: der Syringomyelie und der Chiari-Malformation, die bei 97% dieser Hunde festgestellt wurden. Zu den Symptomen gehören starke Kopfschmerzen, Seh- und Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und sogar Hörverlust.

Auch die selektive Zucht auf bestimmte Felltypen kann Leiden verursachen. Langes Fell wie beim Lhasa Apso kann verfilzen und ohne regelmäßige und sorgfältige Pflege ist das Tier anfällig für bakterielle Infektionen. Langes Fell kann zudem sowohl die Sicht des Hundes beeinträchtigen als auch dessen Beweglichkeit, Thermoregulation und Kommunikation. Im Gegensatz zum langen Fell sind andere Hunde haarlos so wie der Chinesische Schopfhund. Diese Rasse ist aufgrund eines Fellmangels anfällig für Sonnenbrand und Unterkühlung.

Französische Bulldogge: Hohes Risiko durch Brachycephales Syndrom
Infografik zum Merle Faktor

Was ist Brachyzephalie?

„Brachyzephalie“ beschreibt den Zustand, in dem der Schädel des Tiers durch selektive Zucht verkürzt und abgerundet wurde. In ihrer extremen Form ist die Brachyzephalie mit schweren Gesundheitsproblemen verbunden.

Die mit der Brachyzephalie verbundenen Störungen, Abweichungen und Beeinträchtigungen werden unter dem Begriff „brachyzephales obstruktives Atemwegssyndrom“ (BOAS) zusammengefasst und betreffen Rassen wie Mops, französische und englische Bulldogge, Shi-Tzu, Pekinese und Boxer. Etwa 24 Hunderassen sind von BOAS2 betroffen.

Was sind die Auswirkungen von Brachycephalie auf das Tier?

Das Syndrom umfasst anatomische und physiologische Störungen im Zusammenhang mit der Schädelverkürzung. Verengte Nasenlöcher und kleine Nasenhöhlen, missgestaltete Nasenmuscheln, ein langer und dicker weicher Gaumen sowie deformierte Kehlkopf- und Luftröhrenstrukturen sind einige der anatomischen Merkmale, die brachyzephale Hunde aufweisen. 

Zusammen erzeugen diese Veränderungen das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS). Die verengten Nasenlöcher erschweren das Einatmen durch die Nase. Die Nasenmuscheln, die normalerweise die eingeatmete Luft erwärmen oder abkühlen, sind in ihrer Funktion gestört und behindern sowohl die Atmung als auch die Temperaturregelung. Der weiche Gaumen ist so lang, dass die Spitze in die Atemwege ragt und den Luftstrom zu den Lungen behindert.

Im schlimmsten Fall haben die Tiere der betroffenen Rassen mit schwerer Atemnot zu kämpfen Anfänglich ist ihre Atmung geräuschvoll, schnarchend, pfeifend und die Tiere hecheln viel, insbesondere unter Stress. Schwerer betroffene Hunde haben deutlich ausgeprägtere Atemgeräusche, ermüden bei körperlicher Anstrengung schneller und werden im Extremfall ohnmächtig. Manchmal kommt es zu Husten, Erstickungsanfällen und Erbrechen. Mit der Zeit können sich sekundäre Probleme entwickeln. Dazu gehören Entzündungen an anderen Stellen der Atemwege und letztendlich auch Herzprobleme.

Je nach Schwere der Symptome können betroffene Hunde nicht mehr mit anderen Hunden interagieren und warmes Wetter wird für sie zu einer Bedrohung, da sich der Körper nicht mehr abkühlen kann. Selbst das Schlafen wird für die Tiere zur Qual, da sie oft nur noch durch ein offenes Maul Luft bekommen. Es gibt Berichte über Hunde, die im Sitzen schlafen oder ein Spielzeug benutzen, um den Mund geöffnet zu haben, damit sie atmen können.

Zusätzlich zu den Atembeschwerden gehören Verdauungsprobleme, Fehlbildungen der Wirbelsäule, wiederkehrende Ohrenentzündungen, Zahnfehlstellungen, Luxation der Kniescheiben, Hüftgelenksprobleme, Kreuzbandrisse und Bandscheibenvorfälle zu den weiteren Problemen, denen diese Rassen ausgesetzt sind.

Gefleckt und bunt gemustert – Was ist der Merle-Faktor?

„Merle“ bezieht sich auf eine Farbvariation und ein Fellmuster bei Hunden und entsteht durch eine Veränderung eines Pigmentierungsgens. Die Grundfarbe des Fells ist aufgehellt und stellenweise gemasert. Ungewöhnlich ist auch die Augenfarbe von Merle-Hunden: blau, weiß oder blau-weiß. Typische Merle-Rassen sind der Australian Shepherd, Collie, Chihuahua, Dackel, Border Collie und die Deutsche Dogge. Die selektive Zucht auf diese Farbe geht oft einher mit Augen- und Gehörfehlern.

Welche Auswirkungen hat das auf das Tier?

Merle-Tiere können mit verschiedenen Gesundheitsproblemen zu kämpfen haben. In erster Linie sind die Ohren und Augen von der genetischen Mutation betroffen. Je nach Ausmaß können die betroffenen Hunde eine Hörminderung oder Taubheit erfahren. Typische Augenerkrankungen sind deformierte Pupillen, zu kleine Augäpfel und teilweise oder vollständige Blindheit.

Neben den typischen Erkrankungen der Ohren und Augen können auch multiple Anomalien des Skeletts, des Herzens oder der Genitalorgane auftreten. Eine Untersuchung zeigte auch, dass Australian Shepherds mit Merle-Färbung eine ausgeprägte Neigung zur Epilepsie haben. Es wurde auch eine allgemein erhöhte Sterblichkeitsrate bei betroffenen Welpen festgestellt.

Das Verhalten scheint zweitrangig zu sein

Die selektive Züchtung konzentriert sich in erster Linie auf das Aussehen, wobei die psychologische Komponente, d.h. die Persönlichkeit und das Verhalten außer Acht gelassen wird. Selektive Zucht kann zu verschiedenen Verhaltensproblemen führen, wie z.B. Angst und Aggression.

Die Selektion auf Extreme in der Gestalt wie das Fehlen eines Schwanzes bei der englischen Bulldogge oder die übertrieben langen Ohren des Bassets beraubt die Tiere der Möglichkeit, natürliche Verhaltensweisen auszudrücken. Schwänze, Ohren, Gesichtsausdrücke und hochgestellte Nackenhaare sind wichtige visuelle Komponenten in der Kommunikation des Hundes. Das Erscheinungsbild eines Hundes kann daher zu einer Beeinträchtigung der Kommunikation führen.

Quellenverweis

1) Refai, Miriam. 2017. „Prävalenz der Chiari-ähnlichen Malformation und der Syringomyelie bei Cavalier King Charles Spanieln in der Bundesrepublik Deutschland“ https://d-nb.info/1136863737/34 
2) https://www.hsvma.org/brachycephalic