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Details zum Fleisch der Zukunft

Fleischerzeugung, ohne Tiere zu töten: Hintergrundinformationen zu Clean Meat

Die heutige Produktion von tierischen Lebensmitteln zwingt Milliarden fühlender, intelligenter Lebewesen zu einem Dasein in extremen Haltungsbedingungen, in denen sie psychische Traumata und schmerzhafte Eingriffe erleiden. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, Fleisch zu produzieren, das genauso aussieht, riecht und schmeckt wie echtes Fleisch, ohne aber ein Tier dafür in der Masse zu halten oder zu schlachten – wäre die Öffentlichkeit bereit, es zu essen?

Wie soll das Produkt heißen?

Verschiedene Startups wie Mosa Meat, Hampton Creek und Memphis Meats arbeiten derzeit nur an einem Thema – die Herstellung von Fleisch, ohne ein Tier dafür zu töten. Sogenanntes kultiviertes, In-vitro- oder auch Labor-Fleisch, auch als „Clean Meat“ bezeichnet, ist eine bahnbrechende Technologie, die das globale Ernährungssystem revolutionieren könnte.

Laut dem „Good Food Institut“ (USA), ist der Begriff „Clean Meat“ [zu Deutsch „sauberes Fleisch“] eine präzise Weise das Fleisch zu beschreiben, denn der Begriff ist vergleichbar mit „sauberer Energie“. Das Wort beschreibt wichtige Aspekte der Technologie: die positiven Auswirkungen auf die Umwelt einerseits und die Abwesenheit von Krankheitserregern oder Arzneimittelrückständen andererseits. Das Endresultat ist dementsprechend hervorzuheben – Fleisch, das „clean“, also sauber, ist.

Eines der Startups, die an der Entwicklung des „Clean Meat“ arbeiten, ist das Niederländische Unternehmen Mosa Meat, welches durch den Wissenschaftler Dr. Mark Post der Universität Maastricht gegründet wurde. Dr. Post war der Wissenschaftler, der in 2013 den ersten „Clean Meat“-Burger der Öffentlichkeit präsentierte. Daher ist er auch bekannt als Vater des „Clean Meat“. Seine drei Hauptmotive für die Entwicklung des „Clean Meat“ sind Ernährungssicherheit, Umwelt- und Tierschutz.

„Die Ernährung von zwei Milliarden mehr Menschen bis 2050 und die steigende Nachfrage nach Fleisch üben gewaltigen Druck auf die Futtermittelproduktion sowie auf die Viehzucht und Nutztierhaltung aus.

Rinder sind hauptverantwortlich für die Treibhausgasemission, die beendet werden könnte. Hinsichtlich des Tierschutzes würden, durch die Dezimierung der Nutztieranzahl, viel weniger Nutztiere geschlachtet und die restlichen könnten in besseren Bedingungen gehalten werden.“

Dr. Mark Post, Erfinder des „Clean Meat“

Was ist „Clean Meat“ genau?

Während sonst für Fleisch immer ein Tier stirbt, wird „Clean Meat“ durch die Entnahme von Muskelstammzellen am lebenden Tier hergestellt – es muss also kein Tier dafür sterben. Der Eingriff der Stammzellenentnahme ist mit einer Blutabnahme vergleichbar. Die Stammzellen werden anschließend außerhalb des Tierkörpers in einer Zellkultur hergestellt, vermehren sich und bilden sich zu Muskelzellen aus. Nach ausreichender Vermehrung sind so viele Muskelfasern vorhanden, sodass letztendlich das fertige Fleisch entsteht.

Ein Endprodukt das zu 100 Prozent mit dem herkömmlichen Fleisch übereinstimmt. Im Herstellungsprozess wurde zuvor noch ein Serum verwendet, das von Kälberföten stammte, dieses ist laut Dr. Post nun nicht mehr notwendig. „Es gibt viele Gründe weshalb auf Kälberserum verzichtet wird. Zum einen ist es nicht nachhaltig, das Serum von ungeborenen Kälbern zu gewinnen ist mit unseren Tierschutzstandards unvereinbar und darüber hinaus gibt es ein Erkrankungsrisiko.“ Derzeit wird an Optimierungsmöglichkeiten mit einem pflanzlichen Serum als Bindemittel geforscht.

„Clean Meat“ kann mit vielen tierischen Zellen von Säugetieren, Vögeln und auch Fischen hergestellt werden. Finless Foods ist ein weiteres Startup, das sich auf die Entwicklung von Fischprodukten fokussiert. Durch die Entnahme von Zellmaterial bei Fischen ist das Unternehmen in der Lage Fischprodukte herzustellen, ohne Tiere dafür zu töten.

Akzeptanz ist hoch  

„Clean Meat“ ist die Lösung vieler Probleme, dennoch steht die Produktion noch vor technischen, finanziellen und organisatorischen Herausforderungen. Im Herstellungsprozess gibt es Optimierungsmöglichkeiten, da neben den Muskelzellen keine weiteren tierischen Inhaltsstoffe verwendet werden sollten.

Für die weitere Forschung und Entwicklung sind Mosa Meat und andere Startups auf finanzielle Mittel angewiesen, die durch öffentliche Fördergelder nur schwer aufzubringen sind. Viele, so auch Dr. Post, schauen aber hoffnungsvoll in die Zukunft; immer mehr Inverstoren zeigen Interesse und nach neusten Studien ist die Akzeptanz der Konsumenten gegenüber „Clean Meat“ durchaus positiv.

Dr. Post sagt: „Zahlreiche Umfragen innerhalb der EU und in den USA zeigen, dass die Mehrheit (20 bis 50 Prozent) „Clean Meat“ probieren würden. Wir sind sehr sicher, dass – sofern wir erst einmal die gewünschte Produktqualität und einen gewissen Preis erreicht haben – die Vorteile dem Konsumenten zuspielen werden.“

Die Einführung von „Clean Meat” in Restaurants und speziellen Läden wird in etwa drei bis vier Jahren sein. Weitere drei Jahre wird es dauern, bis das Fleisch in den Supermärkten erhältlich ist. Anhand der Akzeptanz der Bevölkerung wird sich zeigen, ob es sich als Nischenprodukt entwickelt oder als Produkt, welches das gesamte Ernährungssystem revolutionieren wird.

Was denken Sie über „Clean Meat”? Würden Sie es probieren? Teilen Sie uns gerne Ihre Gedanken mit: nutrition@four-paws.org

Wollen Sie mehr über Mosa Meat, Dr. Mark Post und sein Team erfahren? Hier geht es zur Website: www.mosameat.com