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Hunger, Durst, Enge und gebrochene Glieder: Eine Höllenqual für Tiere

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tiertransporte in europa

Dieses Tierleid muss beendet werden! 

Jeden Tag werden Millionen Tiere in tausenden LKW in Europa transportiert – auch auf deutschen Straßen. Jährlich sind es über 49 Millionen lebende Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde sowie über 1,5 Milliarden Geflügeltiere, die grenzüberschreitend innerhalb der EU sowie in und aus Drittstaaten transportiert werden. Verstöße gegen den Tierschutz sind an der Tagesordnung. 

Hinweis: Bei Ansicht dieses Videos eventuell auftauchende Werbeeinblendungen stehen in keinem Zusammenhang mit VIER PFOTEN. Wir übernehmen für diese Inhalte keinerlei Haftung.

Warum sind Langstreckentransporte ein Symptom eines absurden Systems?

Export- und Importländer wollen den größten Gewinn durch den Verkauf der Tiere erzielen. Die intensive Nutztierhaltung hat zu einer Spezialisierung in Zucht- und Mastbetrieben geführt. Dadurch werden die Tiere teilweise in einem Land gezüchtet, in einem anderen aufgezogen und in einem dritten geschlachtet. Somit kommt es zu Langstreckentransporten von Geflügel, Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen.

Die Zentralisierung der Schlachthöfe und das Bestreben, die Produktionskosten zu minimieren, haben dazu geführt, dass auch die Entfernungen bei den Transporten von Schlachttieren zunehmen. So werden z.B. Legehennen in den Mitgliedstaaten geschlachtet, in denen die Schlachtung am billigsten ist, auch wenn andere Möglichkeiten in der näheren Umgebung verfügbar wären.

Dieses Leid muss ein Ende haben!

was man wissen sollte

Alle wichtigen Fakten zu Tiertransporten kurz zusammengefasst

Was sind die größten Probleme bei Tiertransporten?

Tierleid:  
Tiertransporte verursachen oft massive Tierschutzprobleme durch zu lange Transportzeiten und sehr schlechte Transportbedingungen. Eng zusammengepfercht stehen die Tiere tage- oder sogar wochenlang in den Transportfahrzeugen. Sie leiden unter enormer Hitze oder Kälte, Durst, Hunger, Stress und Angst. Viele Tiere brechen zusammen, verletzen sich schwer oder sterben auf dem Transport oder an den Folgen noch Tage danach. Kaum ein Transport wird kontrolliert und die bestehenden, ohnehin viel zu laschen Vorschriften zum Transport von Tieren werden regelmäßig missachtet und Verstöße nicht geahndet. So gelten nach EU-Recht bestimmte Temperaturgrenzen. Für die gesamte Fahrt bis zum Endziel muss gewährleistet sein, dass die Innentemperatur des Transportfahrzeugs nicht über 30°C und nicht unter 5°C liegen. Diese Vorschrift wird regelmäßig ignoriert. 

Langstreckentransporte: Tiertransporte in weit entfernte Länder außerhalb der EU sind besonders grausam. Zwar werden aus Deutschland offiziell wenig Schlachttiere in Drittstaaten exportiert. Allerdings werden viele schwangere Rinder als Zuchttiere deklariert in weit entfernte Länder wie Algerien, Eritrea, Iran, Libyen, Marokko oder Usbekistan transportiert – mit dem angeblichen Ziel, im importierenden Land  lokale Zuchpopulationenaufzubauen. Doch der angekündigte Aufbau vonZuchtpopulationen in den Zielländern, mit dem diese Lebendtierexporte begründet werden, erfolgt in der Regel nicht. Die Tiere werden stattdessen nach der Geburt ihres Kalbes ausgemolken und auf grausame Weise getötet.   

Transporte nicht abgesetzter Jungtiere:  
Extrem junge Tierbabies wie Kälber und Lämmer, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind, werden über weite Strecken in andere EU-Länder transportiert. So werden beispielsweise Kälber im zarten Alter von nur zwei Wochen von Deutschland aus zwanzig Stunden bis nach Spanien transportiert, um dort gemästet zu werden. Der Transport ist für die Tiere die Hölle, da die Transportfahrzeuge nicht für das Tränken und Füttern dieser Jungtiere ausgestattet sind. Sie leiden extrem an Durst und Hunger, immer wieder sterben zahlreiche Kälber während des Transports oder auch Tage oder Wochen danach infolge der Strapazen oder weil sie sich Infektionen zugezogen haben. Die Tiere werden dann nach einigen Monaten der Mast zum Teil von Spanien aus zur Schlachtung in Drittländer verfrachtet, um dort einen grausamen Tod zu sterben.  

Schiffstransporte:  
Tiertransporte finden nicht nur auf der Straße, sondern auch auf dem Seeweg statt. Tage und Wochen müssen die Tiere auf engem Raum auf den Schiffen stehen. Offiziell zählt der Transport auf Schiffen als Pausenzeit. Das ist unglaublich: denn die Versorgung ist miserabel, die Tiere stehen in ihren eigenen Exkrementen und können sich kaum ausruhen. Die Tiere werden gewaltsam in die Schiffe ein- und ausgeladen. Durch zu steile und rutschige Verladerampen werden die Tiere immer wieder verletzt und brechen sich Knochen und Gliedmaßen. Völlig entkräftete oder tote Tiere werden mithilfe eines Krans von Bord gehievt, um dann einfach entsorgt oder – genauso wie alle anderen Schlachttiere – ohne Betäubung auf grausame Weise getötet zu werden. Viele Tiere überleben die Tortour nicht und verenden qualvoll auf ihrer Reise über das Mittelmeer. Tote Tiere werden in der Regel über Bord geworfen. Auch von Deutschland aus werden jährlich um die 20.000 Tiere per Schiff in Drittländer transportiert, z.B. in Länder Nordafrikas. Tierärzte, die Tiere zur Not einschläfern könnten, gibt es an Bord der Schiffe nicht.   

Welche Rolle spielen diese Probleme in der deutschen Politik?

Die vielen Missstände auf den Transportrouten sind über Jahre hinweg detailliert dokumentiert und stehen in Deutschland schon seit Langem in der öffentlichen Kritik. Dennoch wurden im Jahr 2020  mehr als 37.000 Rinder, meist trächtig, aus Deutschland in weit entfernte Drittländer wie Algerien, Libyen oder Usbekistan transportiert.   
  
Im Jahr 2019 verweigerte eine bayerische Amtsveterinärin die Genehmigung eines 5.000 Kilometer langen Tiertransportes einer trächtigen Kuh nach Usbekistan. Es folgten weitere Amtstierärzt*innen, die ähnliche Transporte nicht mehr genehmigten.   
  
Schließlich ordneten ganze Bundesländer, angefangen mit Schleswig-Holstein, nachfolgend Hessen und Bayern einen vorläufigen Exportstopp einiger Tiertransporte an. Da jedoch kein bundesweiter Stopp erfolgte, wurden die Tiere weiterhin, von anderen Bundesländern ausgehend, in die betreffenden Drittländer verfrachtet. Deshalb ist ein bundesweit einheitlicher Transport-Stopp unerlässlich.   
  
Nachdem VIER PFOTEN im Juni 2020 Strafanzeigen in vier Bundesländern in insgesamt 21 Fällen gestellt hatte und die Medienberichte zu diesem Thema deutlich zunahmen, gaben schließlich auch einige andere Bundesländer, die Tiertransporte in Drittstaaten abfertigen, entsprechende Erlasse heraus. Solange diese Erlasse gültig sind, dürfen eigentlich keine Tiertransporte in Drittstaaten aus Deutschland abgefertigt bzw. müssen die rechtlichen Vorgaben der jeweiligen Erlasse eingehalten werden.   

Allerdings werden trotz dieser Erlasse weiterhin Tiertransporte in außereuropäische Drittländer von einigen Behörden in bestimmten Bundesländern wie zum Beispiel Niedersachsen oder Brandenburg genehmigt. Dies führt dazu, dass die Transportunternehmer diese Schlupflöcher skrupellos ausnutzen und die Tiere zum Beispiel von Bayern aus nach Niedersachsen gebracht werden, um dann von dort wieder einem extrem langen Transport zum eigentlichen Zielland wie zum Beispiel Marokko ausgesetzt zu werden. Dadurch sind die Tiere noch viel länger unterwegs als vorher und der Versuch Bayerns, keine Transporte mehr in bestimmte Drittstaaten zuzulassen, wird konterkariert.  

Um diesen Genehmigungstourismus zu unterbinden, forderte der Bundesrat die Bundesregierung bereits im Februar 2021 dazu auf, ein nationales Transportverbot in bestimmte Drittstatten zu prüfen. Im April 2022 hat die Agrarminister:innenkonferenz die Bundesregierung erneut dazu aufgefordert, ein Exportverbot von Tieren in Drittstaaten einzuführen. Dies ist nach Auffassung des Bundesrats, Tierschutzorganisationen sowie einiger juristischer Gutachten gemäß §12 Abs. 2 Nr. 3 Tierschutzgesetz möglich.   

Darüber hinaus wird die Bundesregierung dazu aufgefordert, sich für ein Ende der grausamen Langstreckentransporte auf EU-Ebene einzusetzen. Denn auch wenn es zu einem nationalen Verbot kommen sollte, könnte es sein, dass die Tiere dann zunächst in ein anderes EU-Land und von dort weiter in Drittstaaten geschickt werden.   

Aktuelle Entwicklungen in Deutschland und der EU zum Thema Tiertransporte finden Sie hier.

Wie sieht die rechtliche Lage auf EU-Ebene aus?

Seit 2007 gilt die EU-Tierschutztransportverordnung (VO (EG) 1/2005) für den Schutz von Tieren beim Transport, die regelt, unter welchen Bedingungen Tiere transportiert werden dürfen. An diese Verordnung müssen sich alle EU-Mitgliedstaaten halten. Doch diese schützt die Tiere nicht ausreichend und muss dringend überarbeitet werden. Zudem braucht es häufigere Kontrollen der Transporte und bessere Sanktionsmechanismen. 

Schweine müssen beispielsweise erst nach 24 und Rinder sogar erst nach 29 Stunden Fahrt abgeladen, getränkt und gefüttert werden. Nach einer Ruhepause dürfen sie weitere 24 bzw. 29 Stunden transportiert werden. Das kann man beliebig oft wiederholen, so dass dem Transport keine Grenzen gesetzt sind. Recherchen haben gezeigt, dass die Pausen kaum bis gar nicht eingehalten werden und oft auch keine geeigneten Versorgungsstationen existieren. Doch selbst mit zertifizierten Versorgungsstationen wäre das Leid der Tiere auf den tage- und wochenlangen Transporten immens. 
 
Nach großen Protesten und jahrelangen Bemühungen wurde nun endlich eine Überarbeitung der Verordnung von der EU-Kommission angekündigt. Andere Industrienationen haben bereits die Ausfuhr von lebenden Tieren verboten oder diskutieren über ein Verbot bestimmter Arten von Exporten. Erst kürzlich hat Neuseeland den Transport von Zuchttieren verboten!
 
Wir brauchen eine EU-Verordnung, die Langstreckentransporte und Drittlandexporte lebender Tiere nicht mehr zulässt, die Tiere auf Transporten wirklich schützt und bessere Kontroll- und Sanktionsmechanismen vorsieht. Denn Verstöße gegen geltendes Recht sind an der Tagesordnung und werden nur selten geahndet! Wenn überhaupt, sollten statt lebender Tiere nur noch Fleisch und / oder Zuchtsamen transportiert werden dürfen. 

Was geschieht wirklich mit den Tieren in den Drittländern?

Zuchtunternehmen verdienen an Langstreckentransporten in Drittländer viel Geld. Die Rinder werden unter dem Deckmantel des Aufbaus einer lokalen Zuchtpopulation im Zielland verkauft. Von Deutschland ausgehend, werden meist trächtige Färsen, d.h. junge weibliche Rinder, die zum ersten Mal besamt wurden und noch keine Milch geben, als Zuchttiere deklariert und in weit entfernte Länder wie Marokko, die Türkei oder Usbekistan transportiert. Dort werden sie nach der Geburt ihres Kalbes ausgemolken und dann meist ohne Betäubung auf grausame Weise geschlachtet. So werden den Tieren die Augen ausgestochen, die Beine zusammengebunden und sie werden bei vollem Bewusstsein an einem Bein hochgezogen, um ihnen die Kehle durchzuschneiden. Durch den Import dieser Tiere aufgebaute Zuchtpopulationen gibt es in den Zielländern nach offiziellem Kenntnisstand bisher nicht – und das, obwohl seit Jahrzehnten Millionen Tiere in diese Länder transportiert werden. Es handelt sich bei der Deklaration als „Zuchttiere“ also um einen Etikettenschwindel. 

Wie können Sie helfen?

  • Unterstützen Sie unsere Arbeit: VIER PFOTEN fordert von der Bundesregierung, grausame Tiertransporte endlich zu stoppen. 
  • Informieren Sie Freunde und Familie über das qualvolle System Tiertransporte 
  • Halten Sie die Augen offen: Melden Sie bei Hitze oder großer Kälte abgestellte Tiertransporter der Polizei oder der Feuerwehr. 
  • Abonnieren Sie unseren Newsletter, damit wir Sie über die Fortschritte unserer Kampagne informieren können. 
  • Sie entscheiden Tag für Tag durch Ihre Kauf- und Ernährungsgewohnheiten, wie Tiere gehalten und behandelt werden. Setzen Sie ein Zeichen gegen Tiertransporte, indem Sie Fleisch und Produkte tierischen Ursprungs so oft wie möglich durch pflanzliche Alternativen ersetzen. 
  • Wenn Sie Fleisch kaufen, achten Sie immer darauf, dass das Tier in Deutschland geboren, gemästet und geschlachtet wurde, um Langstreckentransporte zu vermeiden. 

Unzureichende Kontrollen 

Unzureichende Kontrollen


 Nur ein Bruchteil der Tiertransporte auf deutschen Straßen wird kontrolliert. Außerhalb der EU gibt es gar keine Kontrollen. Dabei wird täglich gegen das geltende Tierschutzrecht verstoßen!

Immenser Stress

Immenser Stress


Stress führt auch dazu, dass einige der trächtigen Tiere während des Transports ihr Kalb zur Welt bringen müssen. 

Tödliche Verletzungen

Tödliche Verletzungen


Tiere verletzen sich, liegen fest oder können nicht mehr aufstehen, so dass andere Tiere in der Enge des Transporters auf sie treten. 

Mangelhafte Versorgungsstationen

Mangelhafte Versorgungsstationen


 Es gibt zu wenige, schlecht ausgestattete oder gar keine Versorgungsstationen entlang der Route. Deshalb verbleiben die Tiere oftmals in den vorgesehenen Ruhepausen auf den Transportern – ohne Futter und Wasser. Das ist rechtswidrig – aber trauriger Standard. 

Lange Transportzeiten

Lange Transportzeiten


Schweine dürfen 24 Stunden ohne Pause, Rinder 29 Stunden inklusive einer Stunde Pause und Geflügel 12 Stunden ohne Futter und Wasser transportiert werden. Diese Zeitspannen können nach 24 Stunden Pause beliebig oft wiederholt werden.  

Qualvolle Enge

Qualvolle Enge


 Tiere stehen auf engstem Raum. Einem Masthuhn zum Beispiel stehen nur 320 Quadratzentimeter Platz zu. Das entspricht der Größe eines DIN-A-5-Blattes.

Helfen Sie den Tieren!

vier pfoten fordert

  • Transportverbot lebender Tiere in Drittstaaten
  • Verbot von Langstreckentransporten lebender Tiere
  • Transportverbot nicht abgesetzter Tiere, die noch auf Milchnahrung angewiesen sind
  • Transportverbot lebender Tiere auf Schiffen
  • Transportbegrenzung auf max. acht Stunden; für Geflügel, Kaninchen sowie innerhalb Deutschlands auf max. vier Stunden 
  • Generelles Verbot von Abfertigungen bei zu erwartenden Außentemperaturen von über 25 °C sowie bei Kälte unter 5 °C und entsprechend arttypischer Eigenschaften:
    • Für Legehennen: Unter 15 °C und über 25 °C Außentemperatur
    • Für Kaninchen: Unter 5 °C und über 20 °C Außentemperatur
    • Für Kühe während der Laktationsperiode: Unter 5 °C und über 15 °C Außentemperatur
  • Schlachtung von Tieren im nächstgelegenen, geeigneten Schlachthof
  • Einsatz für eine tiergerechte Überarbeitung der EU-Transportverordnung 1/2005
  • Mehr und unabhängige Kontrollen sowie starke Sanktionen bei Verstößen
  • Transport von Fleisch und Zuchtsamen statt lebender Tiere
  • Eigene Zucht in Drittländern statt Import von Zuchttieren aus der EU
  • Verpflichtung der Informationssammlung zu allen Transporten in einer gemeinsamen EU-weiten digitalen Datenbank
  • Verpflichtung der Offenlegung und ständiger Zugang zu sämtlichen Transportdaten in der Datenbank für Institutionen, Genehmigungsbehörden und deren fachvorgesetzten Instanzen
  • Keine Genehmigung von Tiertransporten durch Veterinärbehörden, wenn bereits aus der Transportplanung ersichtlich ist, dass die Tierschutzbestimmungen nicht eingehalten werden.
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