
Augen auf beim Hundekauf: 11 Warnsignale für unseriöse Züchter:innen
Mit einer bewussten Kaufentscheidung können Hundefans ein Zeichen gegen Qualzucht und illegalen Welpenhandel setzen
Hamburg, 23.09.2026 – Zu kurze Schnauzen, lange Rücken gepaart mit zu kurzen Beinen oder hervorstehende Augen: Hunderassen wie Französische Bulldoggen, Dackel oder Chihuahuas sind beliebt – obwohl viele Hunde dieser Rassen oft schwer krank sind. Schätzungen zufolge sind Hunderttausende Hunde bundesweit betroffen.
Das Zurschaustellen von Tieren mit Qualzucht-Merkmalen auf Social Media hat den Trend zu falschen Schönheitsidealen bei Hunden in den letzten Jahren massiv befeuert. Da sich unseriöse Züchter:innen oft an aktuell gefragten Rassen orientieren, wird dies auch im Bereich des illegalen Welpenhandels zu einem immer größeren Problem.
Es ist die Liebe auf den ersten Blick, mit der unseriöse Anbieter:innen beim Verkauf kalkulieren. Denn wer den Welpen seiner Wahl erst einmal auf dem Arm hat, dem fällt es oft schwer, sich wieder von ihm zu lösen. Dabei ist gerade beim Hundekauf äußerste Vorsicht geboten, warnt VIER PFOTEN.
„Die Gesundheit, nicht das Aussehen, sollte im Fokus stehen“
„Wer helfen möchte, Qualzucht zurückzudrängen, kauft am besten keinen Hund mit Qualzucht-Merkmalen“, so Lessiak weiter. „Wenn Sie merken, dass beim Gespräch mit einem Anbieter oder einer Anbieterin das Aussehen, nicht die Gesundheit des Tieres, im Fokus steht, ist das ein Grund, hellhörig zu werden. Kaufen Sie nicht impulsiv, sondern fordern Sie unbedingt Nachweise zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Hundes sowie notwendige Gentests ein. Das Kennenlernen der Elterntiere gibt ebenfalls Aufschluss über das Vorhandensein möglicher Qualzucht-Merkmale.“
So erkennen Sie unseriöse Verkäufer:innen:
- Die Tiere werden offensiv in Inseraten (online) oder auf Social Media beworben.
- Anbieter:innen zeigen kein Interesse am neuen Zuhause des Welpen.
- Anbieter:innen bestehen auf einen sofortigen Kauf ohne Vertrag und bauen Druck auf („Das ist der letzte Welpe!“).
- Anbieter:innen weigern sich, ihre Identität nachzuweisen und ändern kurzfristig den Treffpunkt.
- Die Zuchtstätte ist Interessent:innen nicht zugänglich, die Übergabe findet im Freien statt.
- Die Tiere werden nicht artgemäß gehalten und dürfen vor der Übergabe nicht mehrmals besucht werden.
- Der Welpe ist jünger als acht Wochen.
- Käufer:innen haben keine Möglichkeit, die Mutter kennenzulernen.
- Für rassetypische Erkrankungen liegen keine entsprechenden Gesundheitsuntersuchungen bzw. notwendigen Gentests für Elterntiere und/oder Welpen vor; Krankheiten werden als für eine Rasse „normal“ bagatellisiert.
- Der Welpe besitzt keinen gültigen Impf- bzw. Heimtierausweis oder die vorgelegten Dokumente sind nicht nachvollziehbar.
- Der Welpe ist nicht gechippt.
„Wichtig ist, sich selbst darüber zu informieren, welche Erkrankungen bei Hunden mit einem gewissen Aussehen beziehungsweise einer bestimmten Rasse häufig vorkommen“, sagt Expertin Lessiak. „Wenn ein Verkäufer oder eine Verkäuferin versucht, Gesundheitsprobleme als für eine Rasse 'normal‘ abzutun, ist Vorsicht geboten.“
Immer mehr Hunde mit Qualzuchtmerkmalen landen im Tierheim
Betroffene Hunde leiden oft unter gesundheitlichen Problemen wie Atemnot, Rückenschmerzen oder Augenentzündungen. Lessiak ist davon überzeugt, dass viele Halter:innen gar nicht wissen, wie sehr ihre Tiere leiden – auch, weil sie ihnen viele gesundheitliche Probleme, z. B. Kurzatmigkeit oder Kopfschmerzen, nicht ansehen können. „Es kommt nicht selten vor, dass diese Hunde lebenslang auf tiermedizinische Betreuung, Medikamente und Operationen angewiesen sind. Weil sich viele Halter:innen die horrenden Behandlungskosten einfach nicht leisten können, landet ein immer größerer Anteil dieser Tiere letztendlich im Tierheim.“
Es spricht übrigens nichts dagegen, sich einen Hund mit Qualzucht-Merkmalen aus dem Tierschutz zu holen: In diesem Fall steht nicht mehr die Frage im Raum, ob er gezüchtet werden soll, sondern wie man ihm ein möglichst gutes Leben ermöglicht. „Gerade Hunde mit Qualzucht-Merkmalen profitieren oft besonders davon, in eine informierte sowie engagierte Familie zu kommen“, so Lessiak.
Weitere Informationen zum Thema Qualzucht und zu Qualzucht-Merkmalen lesen Sie auf unserer Kampagnen-Seite online.
Wissenswertes zum illegalen Welpenhandel finden Sie hier.

M. Fischer
Pressesprecher HaustiereVIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg
VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.