Französische Bulldogge auf Waldboden mit Qualzucht-Merkmal kurzer Schnauze und kurzem Schwanz

12 Merkmale, an denen Sie Qualzucht bei einem Hund erkennen

Die Jagd nach falschen Schönheitsidealen verschärft das Leid vieler Hunde – umso mehr ist beim Kauf Achtsamkeit gefragt!

Hamburg, 7. September 2026 – Lebe glücklich, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh? Die Annahme, dass der Mops zwangsläufig ein glückliches Tier ist, scheint ebenso aus der Zeit gefallen zu sein wie die Poesiealben, in denen dieser fragwürdige Wunsch nur allzu oft zu lesen war. Denn die Realität sieht anders aus. „Viele Hunde beliebter Rassen leiden unter Atemnot, chronischen Rückenschmerzen oder entzündeten Augen", warnt Tierärztin Ulrike Lessiak, Expertin für Hunde und Katzen bei VIER PFOTEN. Diese Symptome sind nicht zufällig. Vielmehr ist das stille Leid der Tiere oft die Folge von Qualzucht.

Der Begriff Qualzucht beschreibt die gezielte Zucht von Tieren, bei der Züchter:innen sowie Käufer:innen zugunsten eines bestimmten Aussehens körperliche Merkmale und erbliche Defekte bewusst fördern, obwohl sie das Wohlbefinden, die Gesundheit, die Körperfunktionen oder das natürliche Verhalten beeinträchtigen. Nicht nur bei Möpsen oder den nicht minder beliebten Französischen Bulldoggen verstärkt beispielsweise die bewusste Selektion nach einer möglichst kurzen Schnauze die sogenannte brachyzephale Kopfform: Während ihr Schädel stark verkürzt ist, bleibt ihr Weichteilgewebe weitgehend unverändert. Wegen der so verengten Atemwege leiden betroffene Tiere bei Hitze oder Bewegung häufig an schwerer Atemnot.

Diese 12 Merkmale können zu Leiden bei Hunden führen:

Übermäßige/tiefe Hautfalten an Kopf, Beinen, Schwanz & Körper
Übermäßige Hautfalten entstehen durch zuchtbedingt überschüssige Haut. In den tiefen Falten sammeln sich Feuchtigkeit, Wärme und Bakterien, was schmerzhafte Entzündungen und Infektionen der Haut oder Augen begünstigt. Die betroffenen Tiere benötigen oft eine besonders intensive Pflege, um Beschwerden vorzubeugen. Typische Beispiele sind Shar Peis, Englische Bulldoggen und Neapolitanische Mastiffs.

Kurze, flache Schnauze (weniger als ein Drittel der Kopflänge)
Eine zu kurze Schnauze zählt zu den schwerwiegendsten Qualzuchtmerkmalen bei Hunden. Durch die verkürzte Kopfform sind die Atemwege häufig verengt, was zu Atemnot, einer geringen Belastbarkeit und einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Hitze führt. Viele Tiere leiden zudem unter Schlafproblemen, Erstickungsanfällen und einem erhöhten Risiko für Kreislaufzusammenbrüche. Besonders häufig betroffen sind Mops, Französische Bulldogge und Boston Terrier.

Hervorstehende Augen
Hervorstehende Augen entstehen durch zu flache Augenhöhlen und werden oft als besonders niedlich wahrgenommen. Für die betroffenen Hunde bedeuten sie jedoch ein hohes Risiko für Augenprobleme. Häufig kommt es zu Reizungen, Hornhautgeschwüren, Verletzungen oder sogar Erblindung. In schweren Fällen kann der Augapfel bereits durch geringe äußere Einwirkungen aus der Augenhöhle gedrückt werden. Betroffen sind unter anderem Französische Bulldoggen, Chihuahuas und Pekinesen.

Augenlider, die nicht vollständig schließen oder sich einrollen
Hängende oder nach innen gerollte Augenlider können die Gesundheit der Augen erheblich beeinträchtigen. Während hängende Lider die Augenoberfläche austrocknen lassen, reiben bei eingerollten Lidern die Haare dauerhaft auf der Hornhaut. Die Folge sind Schmerzen, Entzündungen und teils schwere Hornhautschäden. Häufig betroffen sind Bernhardiner, Basset Hounds und Möpse.

Brust und Bauch liegen aufgrund zu kurzer Beine und eines langen Rückens sehr tief
Ein langer Rücken in Kombination mit kurzen Beinen belastet die Wirbelsäule und die Gelenke erheblich. Die Tiere sind häufig in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt und haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Bandscheibenerkrankungen. Diese können starke Schmerzen verursachen und im schlimmsten Fall zu dauerhaften Lähmungen der Hinterbeine führen. Besonders häufig tritt dieses Merkmal bei Dackeln, Welsh Corgi Pembrokes und Basset Hounds auf.

Riesenwuchs (übermäßig große Tiere)
Riesenwüchsige Hunde zeichnen sich durch eine außergewöhnlich große Körpermasse und ein sehr schnelles Wachstum aus. Dies überfordert häufig das Skelett sowie das Herz-Kreislauf-System. Dadurch treten vermehrt Gelenk- und Knochenerkrankungen sowie Herzprobleme auf und die Lebenserwartung ist verkürzt. Zu den betroffenen Rassen zählen Deutsche Doggen, Bernhardiner und Irische Wolfshunde.

Zwergwuchs (übermäßig kleine Tiere)
Beim Zwergwuchs wurde die Körpergröße durch gezielte Zucht stark reduziert. Die betroffenen Hunde leiden häufig unter empfindlichen Knochen, Zahnfehlstellungen und Problemen bei der Wärmeregulation. Zudem kann eine dauerhaft offene Fontanelle gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Besonders häufig sind Chihuahuas, Zwergspitze und Yorkshire Terrier betroffen.

Haarlosigkeit bzw. fehlendes Fell
Haarlose Hunde besitzen kein schützendes Fell und sind dadurch stärker äußeren Einflüssen ausgesetzt. Die Tiere haben ein erhöhtes Risiko für Sonnenbrand, Hautinfektionen und Probleme bei der Regulation ihrer Körpertemperatur. Darüber hinaus ist das Merkmal oft mit weiteren gesundheitlichen Defekten wie fehlenden oder fehlgebildeten Zähnen verbunden. Beispiele hierfür sind Chinesische Schopfhunde, Xoloitzcuintles und Peruanische Nackthunde.

Verkürzte oder gebogene Beine
Missgebildete Beine entstehen durch gestörtes Knochenwachstum und äußern sich in verkürzten, gebogenen oder verdrehten Gliedmaßen. Die Folgen sind häufig chronische Schmerzen, Gelenkinstabilität und eine frühzeitig einsetzende Arthrose. Dadurch wird die Beweglichkeit der Hunde oft dauerhaft eingeschränkt. Betroffen sind unter anderem Dackel, Pekinesen und Englische Bulldoggen.

Fehlender oder kurzer Schwanz, der Kommunikationsfähigkeit und Balance einschränkt
Eine fehlende oder stark verkürzte Rute kann die Kommunikation zwischen Hunden erschweren, da wichtige Körpersignale verloren gehen. Problematisch ist der sogenannte Korkenzieherschwanz, der auf Fehlbildungen der Schwanzwirbel zurückzuführen ist. Dieser kann mit weiteren Wirbelsäulenveränderungen verbunden sein und Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, neurologische Probleme oder Inkontinenz verursachen. Häufig betroffen sind Französische Bulldoggen, Englische Bulldoggen und Boston Terrier.

Unterbiss oder ein hervorstehender Unterkiefer, der die Nahrungsaufnahme erschwert
Bei einem Unterbiss ragt der Unterkiefer über den Oberkiefer hinaus und beeinträchtigt die normale Gebissfunktion. Die betroffenen Hunde haben häufig Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme und leiden vermehrt unter Zahnerkrankungen oder Verletzungen. Typische Beispielrassen sind Boxer, Bulldoggen und Shih Tzus.

Eingeschränkte Beweglichkeit durch einen dicken, kurzen Hals oder übermäßige Muskulatur
Ein extrem kurzer oder dicker Hals sowie eine übermäßige Bemuskelung können die Beweglichkeit eines Hundes stark einschränken. Betroffene Tiere erreichen bestimmte Körperregionen nicht mehr und sind dadurch in ihrer Körperpflege und in natürlichen Verhaltensweisen eingeschränkt. Häufig tritt dieses Merkmal bei Englischen Bulldoggen und American Pocket Bullies auf.

Hunderttausende Hunde in Deutschland sind von Qualzucht betroffen 

Nach aktuellen Schätzungen sind Hunderttausende Hunde bundesweit von Qualzucht betroffen. Gerade in den letzten Jahren förderten Trends in Social Media die Orientierung an falschen Schönheitsidealen. Käufer:innen akzeptieren Erkrankungen bei Hunden vermehrt als "rassetypisches Schicksal". Auf diese Weise wird das Problem normalisiert, die gesundheitlichen Einschränkungen werden nicht mehr als solche erkannt. Im Gegenteil: Viele Halter:innen nehmen etwa Tränen bei ihren Hunden als normal wahr. Tatsächlich sind sie eine Folge der hervorstehenden Augen, die zu chronischen Reizungen der Hornhaut, im schlimmsten Fall sogar zu Sehverlust führen können. 

"Viele Menschen wissen nicht, wie stark diese Hunde leiden. Gerade Tiere mit großen Augen, rundem Kopf und kindlichen Gesichtszügen wirken auf viele Käufer:innen besonders süß. Allerdings benötigen oft gerade sie lebenslang tierärztliche Betreuung, Operationen und Medikamente, um ihnen ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Tatsächlich sind mehr als 80 Krankheiten auf Qualzucht-Merkmale zurückzuführen." 

Tierärztin Ulrike Lessiak, Expertin für Hunde und Katzen bei VIER PFOTEN

Die Gesundheit über das Aussehen stellen 

Ulrike Lessiak empfiehlt, sich über Qualzucht zu informieren und beim Kauf transparente Nachweise zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Hundes sowie genetische Tests einzufordern. "Denn solange extreme Merkmale als niedlich oder rassetypisch gelten und Interessent:innen betroffene Hunde tatsächlich kaufen, besteht für viele unseriöse Züchter:innen ein wirtschaftlicher Anreiz, genau diese Tiere weiter zu vermehren", so die Expertin.  

Die Adoption eines Hundes ist für Lessiak aus diesem Grund ein richtiger Schritt gegen Qualzucht. Selbstverständlich sei es absolut in Ordnung, einen Hund mit Qualzucht-Merkmalen aus dem Tierschutz aufzunehmen. Lessiak: "In diesem Fall steht nicht mehr die Frage im Raum, ob er gezüchtet werden soll, sondern wie man ihm ein möglichst gutes Leben ermöglicht. Gerade Hunde mit Qualzucht-Merkmalen profitieren oft besonders davon, in eine informierte sowie engagierte Familie zu kommen."

Weitere Informationen über Qualzucht-Merkmale und ihre konkreten Auswirkungen auf Hunde lesen Sie auf unserer Kampagnen-Seite online.

M. Fischer

M. Fischer

Pressesprecher Haustiere

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+49 162 857 206 52

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Lübecker Straße 128, 22087 Hamburg

VIER PFOTEN ist die globale Tierschutzorganisation für Tiere unter direktem menschlichem Einfluss, die Missstände erkennt, Tiere in Not rettet und sie beschützt. Die 1988 von Heli Dungler und Freunden in Wien gegründete Organisation tritt für eine Welt ein, in der Menschen Tieren mit Respekt, Mitgefühl und Verständnis begegnen. Im Fokus ihrer nachhaltigen Kampagnen und Projekte stehen Streunerhunde und -katzen sowie Haustiere, Tiere in der Landwirtschaft und Wildtiere – wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans – aus nicht artgemäßer Haltung sowie aus Katastrophen- und Konfliktzonen. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Kambodscha, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, den USA, dem Vereinigten Königreich und Vietnam sowie 13 Wildtier-Schutzzentren und Partnerprojekten weltweit sorgt VIER PFOTEN für rasche Hilfe und langfristige Lösungen.

www.vier-pfoten.de

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