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Nutztierhaltungsstrategie des Landwirtschaftsministeriums enttäuscht auf vielen Ebenen

3.7.2017

Die Strategie ist mehr Bestandsaufnahme des Status quo, als ein konkreter Fahr- oder Zeitplan zur Verbesserung der Nutztierhaltung.

Hamburg, 03. Juli 2017 – Die Tierschutzstiftung VIER PFOTEN kritisiert die durch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt veröffentlichte Nutztierhaltungsstrategie.

„Anstatt die dringend notwendigen gesetzlichen Maßnahmen zu adressieren, setzt das BMEL weiterhin auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft, welche weder behördlich kontrolliert, noch sanktioniert werden können. Mehr Tierschutz kann man allein mit freiwilligen Vereinbarungen der Wirtschaftsbeteiligten nicht erzielen. Das ist, als würde die Automobilindustrie die Anforderungen für den TÜV selbst bestimmen.“

Ina Müller-Arnke, Nutztierexpertin VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz

Freiwilligen Vereinbarungen mit der Wirtschaft statt rechtlich bindende Vorgaben

Bei den meisten dieser freiwilligen Vereinbarungen handelt es sich lediglich um Bekenntnisse der Wirtschaft, sich zukünftig an seit Jahrzehnten bestehende Gesetze zu halten, so z.B. bei der freiwilligen Vereinbarung zum Ausstieg aus dem Schnabelkupieren von Legehennen. Auch das routinemäßige Kürzen von Ringelschwänzen ist seit 1994 EU-weit verboten, wird aber seit Jahren geduldet und soll sogar unter dem geplanten staatlichen Tierwohllabel weiterhin erlaubt sein und als mehr Tierwohl verkauft werden.

Änderungen im Ordnungsrecht fehlen

Der geplanten Nutztierhaltungsstrategie fehlt es an Ausstiegsplänen und Änderungen im Ordnungsrecht, so z.B. ein Verbot bestimmter Haltungspraktiken wie die Anbindehaltung von Rindern und Kastenstandhaltung von Sauen, als auch rechtlich bindende Haltungsvorgaben für adulte Rinder, Wassergeflügel, Puten und kleine Wiederkäuer.

„Würde sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Zweifelsfall tatsächlich für mehr Tierwohl entscheiden, wie er im Rahmen seiner Nutztierhaltungsstrategie behauptet, dann würde er nicht die Wirtschaft die Tierschutzmaßnahmen selbst bestimmen lassen, sondern selbst konkrete, für alle verbindliche Tierwohlmaßnahmen schaffen, die tierschutzwidrige Praktiken konsequent verbieten.“

Ina Müller-Arnke

Gern vermitteln wir Ihnen ein Interview mit Nutztierexpertin Ina Müller-Arnke.

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

www.vier-pfoten.de