Suche

Spenden Patenschaft Menü

22.000 Euro für einen Tiger: Der Handel mit Großkatzen aus Europa boomt

11.10.2018

VIER PFOTEN fordert die Europäische Kommission auf, den Tigerhandel zu stoppen

Hamburg, 11. Oktober 2018 – Tote Tiger, abgezogene Felle, Krallen und Suppenwürfel aus Tigerknochen: Die grausamen Funde auf einem tschechischen Anwesen im Juli 2018 sind nur die Spitze des Eisbergs. Aktuelle Recherchen der internationalen Tierschutzorganisation VIER PFOTEN zeigen, dass der legale und illegale Handel mit den vom Aussterben bedrohten Tigern und deren Körperteilen in Europa floriert. Betroffen sind davon nicht nur osteuropäische Länder, sondern auch EU-Länder wie Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien. Mangelnde Kontrollen und Registrierungen machen Europa zu einem Eldorado für Wildtierhändler aus Asien. VIER PFOTEN fordert deshalb die Europäische Kommission auf, dem Tigerhandel einen Riegel vorzuschieben. Eine entsprechende Petition haben die Tierschützer auf https://help.four-paws.org/de-DE/eu-tigerhandel-stoppen veröffentlicht.

Viele der in Europa in Gefangenschaft gezüchteten Tiger enden in fragwürdigen Streichelzoos und Zirkussen oder werden für traditionelle chinesische Medizin geschlachtet und verarbeitet. Allein zwischen 1999 und 2016 wurden 161 Tiger legal aus der EU nach Asien exportiert. Dort verschwinden die Großkatzen meist in einem Netzwerk aus Wildtierschmugglern. Das Geschäft ist lukrativ: Ein Tiger bringt bis zu 22.000 Euro auf dem asiatischen Markt.

Der Glaube, dass Tiger aus Europa größer und stärker sind, ist in Asien weit verbreitet. Es ist ähnlich wie bei Autos – die europäische Herkunft steht für Qualität. Asiatische Wildtierhändler sagen ganz offen, dass sie und ihre Kunden Euro-Tiger bevorzugen.

Kieran Harkin, Leiter der Wildtierkampagnen bei VIER PFOTEN

Europa als Dreh- und Angelpunkt für Tigerhandel

Das Züchten und Handeln mit Tigern ist EU-weit erlaubt. Aufgrund fehlender Dokumentation ist es unmöglich festzustellen, wie viele dieser Tiger in Europa in Gefangenschaft leben. Allein die offiziellen Export- und Importzahlen der letzten Jahre dienen als Richtwerte. Zwischen 1999 und 2016 wurden legal 862 lebendige Tiger in die EU importiert und 1.412 exportiert. Auf der anderen Seite wurden zwischen 1999 und 2017 8.278 illegale Tigerprodukte, wie Tiger-Suppenwürfel, Zähne und Krallen, sowie 57 illegale, lebende Tiger in der EU beschlagnahmt. Laut VIER PFOTEN Recherchen gab es vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, der Slowakei, Spanien, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien und Tschechien illegale Aktivitäten.

Tiger sterben verdächtig früh in Europa

Während Tiger in freier Wildbahn bis zu 20 Jahre alt werden, zeichnen Recherchen von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) ein anderes Bild. 2015 nahmen tschechische Behörden private Züchter unter die Lupe und stellten fest, dass Tiger dort durchschnittlich nur vier bis fünf Jahre alt werden.
Kieran Harkin von VIER PFOTEN:„In diesem jungen Alter gelten Tiger normalerweise als gesund und agil. Das auffällig frühe Sterben von Tigern in Privathaltung hängt also entweder mit extrem schlechten Haltungsbedingungen zusammen oder die Tiere werden bewusst frühzeitig getötet – vermutlich um Kapital aus ihren Körperteilen zu schlagen.“ Der Umgang mit Tierkadavern ist in EU-Ländern nicht ordentlich geregelt. Die Todesursache wird so gut wie nie geprüft. Im besten Fall wird die Art und das Gewicht des Kadavers dokumentiert.

Klare Ablehnung von EU-Bürgern

Mit dem legalen Handel von in Gefangenschaft gezüchteten Tigern missachtet die Europäische Kommission nicht nur die Bedürfnisse von Tieren, sondern auch den Willen von EU-Bürgern. Laut einer im August 2018 von VIER PFOTEN initiierten Umfrage mit 7.223 Teilnehmern aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, Tschechien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden sind 91 Prozent der Befragten für ein Verbot von Tigerhandel für kommerzielle Zwecke. Lediglich vier Prozent sprechen sich für das Bestehenbleiben des Handels aus. Der Rest enthielt sich seiner Meinung.

Die vollständigen Umfrageergebnisse senden wir Ihnen gern auf Anfrage zu.

Sorgenkind Tschechien als Vorbild

Obwohl Tschechien in der Vergangenheit als Hot Spot für Tigerhandel galt, haben die Aufdeckungen im Juli 2018 zu gravierenden Veränderungen geführt. Das tschechische Umweltministerium setzte die sofortige Aufhebung von kommerziellen Tigerexporten in Kraft. Zusätzlich kündigte das Landwirtschaftsministerium an, Großkatzenzüchter zukünftig strenger kontrollieren und nicht artgemäße Interaktionen mit den Tieren verbieten zu wollen. „Der Sinneswandel von Tschechien sollte für alle anderen EU-Länder ein Vorbild sein. Tiger sind keine Partyrequisite, kein Selfie-Motiv, keine Kuscheltiere, kein Wohnaccessoire und auch kein medizinisches Wundermittel. Tiger sind vom Aussterben bedrohte Wildtiere, die unseren Schutz brauchen. Wir fordern deshalb die Europäische Kommission auf, den kommerziellen Handel mit Tigern ein für alle Mal zu verbieten“, so Harkin.

Melitta Töller

Pressesprecherin

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-66

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

www.vier-pfoten.de