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Tschechischer Tigerhändler kommt mit Bewährungsstrafe davon

5.6.2019

VIER PFOTEN fordert die Europäische Kommission auf, den Tigerhandel endlich zu verbieten 

Hamburg, 5. Juni 2019 – Am 4. Juni wurde für den Großkatzenhändler Ludvik Berousek von einem tschechischen Gericht eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und eine Geldstrafe wegen seiner Beteilung am illegalen Handel mit Tigern sowie der Verarbeitung ihrer Körperteile zu Tigerprodukten verhängt. Die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN verurteilt dieses milde Strafmaß. Im Jahr 2018 veröffentlichte VIER PFOTEN belastende Ermittlungsergebnisse gegen Berousek, etwa zur gleichen Zeit, als die tschechische Polizei sein Eigentum durchsuchte und tote Tiger, Haut und andere Körperteile der Tiere vorfand (https://youtu.be/yYGnx1kHUsM). Der grausame Handel mit Tigern stellt ein massives Problem in der EU dar: Es mangelt an einer wirksamen Regulierung und Überwachung von Züchtern und Händlern. VIER PFOTEN fordert die Europäische Kommission auf, den Handel mit Tigern in der gesamten Europäischen Union zu verbieten.

Mit einer so milden Strafe kann Berousek weiterhin Tiger und andere Großkatzen halten und mit ihnen handeln. Ihm bleiben eine Zirkuslizenz und eine kommerzielle Lizenz für Wildtierhändler. 2018 gab er an, auf seinen Grundstücken bei Prag 50 Löwen, 35 Tiger, 10 Leoparden und etwa 100 andere Tiere zu halten. 

. „Die Verurteilung entspricht nicht der Schwere des Verbrechens und untergräbt jegliche Bemühungen, den illegalen Handel mit Wildtieren weltweit einzudämmen. Um weitere Fälle von illegalem Tigerhandel zu vermeiden, muss die tschechische Regierung sicherstellen, dass solche Verbrechen entsprechend bestraft werden. Außerdem muss die Europäische Union den Handel mit Tigern endlich verbieten, da sich dieser nicht nur auf ein einziges Land beschränkt. VIER PFOTEN hat Unterstützung beim Bau und der Verwaltung eines Schutzzentrums für Tiger und andere Großkatzen angeboten, um die tschechischen Behörden bei der Bekämpfung der privaten Großkatzenhaltung und dem Handel damit zu unterstützen.“

Kieran Harkin, Leiter der internationalen Wildtierkampagnen bei VIER PFOTEN

Tschechische Behörden ergreifen Maßnahmen gegen Tigerhändler

Im Juli 2018 durchsuchte die tschechische Polizei während einer Razzia die Grundstücke von Berousek sowie weitere Grundstücke in Prag, Mittel- und Nordböhmen mit dem Verdacht der illegalen Tötung von Tigern und dem Besitz von Tigerprodukten. Ein getöteter Tiger wurde auf einem der Grundstücke beschlagnahmt. Man hatte ihm ins Auge geschossen, um die Haut und das Fell nicht zu beschädigen. Aus den toten Tigern wurde auch Tigerbrühe hergestellt, eine Substanz, die in der traditionellen Medizin zur angeblichen Behandlung aller Arten von Krankheiten verkauft wird. Kurz vor den Razzien und der Verhaftung von Berousek und zwei weiteren Personen veröffentlichte VIER PFOTEN eine eigene Untersuchung über den Tigerhändler. In dem Videomaterial zeigt er seine Tigerzuchtanlage bei Prag und spricht über den Verkauf von Tigern nach Asien, einschließlich der Möglichkeiten, Genehmigungen zu fälschen und Behörden zu umgehen.

Unzählige Großkatzen leiden in Gefangenschaft für den Handel in Europa

Die Razzien vom Juli 2018 sowie die Recherche von VIER PFOTEN zeigen, dass der Tigerhandel nicht nur in Asien ein Thema ist, sondern sich weit über die Tschechische Republik hinaus ausbreitet: Der lukrative kommerzielle Handel mit einer hochgradig geschützten Spezies findet mitten in Europa statt. „Ludvik Berousek ist nur ein Züchter, der erwischt wurde, und mit Dutzenden von Großkatzen auf seinem Grundstück stellt er bereits ein Problem dar. Aber was ist mit den Händlern, die Tiger in ihren Hinterhöfen in Frankreich, Deutschland oder Spanien halten? Die Europäische Union muss den Handel mit lebenden Tigern so schnell wie möglich einstellen, um noch mehr Tierleid zu vermeiden“, sagt Harkin. Das tschechische Umweltministerium hat auf den Fall Berousek im vergangenen Jahr sofort reagiert und die Ausfuhr von Tigern in Drittländer ausgesetzt, was ein erster Schritt zur Verbesserung ist und die Notwendigkeit eines EU-weiten Verbots unterstreicht.

Keine wirksamen Vorschriften zum Tigerhandel im EU-Recht

Das Züchten und Handeln mit Tigern ist in der gesamten EU erlaubt. Fehlende Unterlagen machen es unmöglich festzustellen, wie viele dieser Tiger in Europa in Gefangenschaft leben, wo sie gehandelt werden oder wo sie sterben. Tiger sind gefährdete Wildtiere, die Schutz benötigen. Nur wenn die Europäische Union sicherstellt, dass es in Europa keinen Markt mehr für Tiger und ihre Körperteile gibt, kann sie ernsthaft zum Schutz wild lebender Tiger in Asien beitragen und eine positive Rolle bei der Bekämpfung des illegalen Handels mit allen Wildtieren spielen.

VIER PFOTEN hat eine Petition gestartet, die es Unterstützern ermöglicht, die Europäische Kommission aufzufordern, den kommerziellen Handel mit in Gefangenschaft gehaltenen Tigern zu verbieten: 

https://help.four-paws.org/de-DE/tigerhandel-stoppen

Weitere Informationen finden Sie unter:
https://tigerhandel.vier-pfoten.de/

Susanne von Pölnitz

Pressesprecherin

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-72

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

www.vier-pfoten.de