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Populäres Daunen-Gütesiegel „RDS“ soll zukünftig Schnabelkürzen erlauben

28.2.2019

VIER PFOTEN fordert, den grausamen Eingriff zu verbieten

Hamburg, 28. Februar 2019 – Herber Rückschlag für Millionen von Enten und den Tierschutz: Der Responsible Down Standard (RDS) – das weitverbreitetste Daunen-Gütesiegel der Textilibranche – soll zukünftig auch Federn zertifizieren, die von Tieren mit gekürzten Schnäbeln stammen. Laut internationaler Tierschutzorganisation VIER PFOTEN wird damit nicht nur Tierquälerei salonfähig gemacht, sondern auch Kunden und Marken hinters Licht geführt. Immerhin vertreiben globale Moderiesen, wie H&M, C&A, Esprit, Levi’s, Jack Wolfskin und The North Face, Daunenprodukte mit RDS-Zertifizierung. Bis 28. Februar 2019 können Unternehmen und Organisationen die geplanten Änderungen auf der Website von RDS kommentieren. Danach fällt die endgültige Entscheidung, ob Schnabelkupieren zukünftig Teil des Gütesiegels wird.

Die Revision des RDS ist ein übliches Prozedere, das vom Standard-Inhaber Textile Exchange durchgeführt wird. Nicht üblich ist aber der Einfluss, den die französische Entenfleisch-Industrie auf die geplanten Änderungen hat. Zahlreiche Entenfleisch-Produzenten und Stakeholder aus Frankreich sind  Mitglieder der internationalen Arbeitsgruppe, die die Revision erarbeitet. Sie setzen sich aktuell dafür ein, dass Schnabelkürzen Teil des Gütesiegels wird, damit auch sie die Federn ihrer Tiere zertifiziert verkaufen können. „Der RDS wurde ursprünglich eingeführt, damit Enten und Gänse geschützt werden. Durch die geplanten Änderungen wird ein qualvoller Eingriff erlaubt – und das nur aus Profitgier. Schnabelkürzen ist eine extrem schmerzhafte Prozedur, denn Schnäbel sind so sensibel wie die Fingerspitzen von Menschen. Wir fordern Marken sowie die verantwortliche Arbeitsgruppe deshalb dazu auf, gegen diese geplante Änderung zu stimmen – im Sinne der Tiere und nicht der Entenfleisch-Industrie“, so Nina Jamal, Kampagnenleiterin im Bereich Nutztiere bei VIER PFOTEN.

Gütesiegel inklusive Tierquälerei

RDS galt bislang als eines der glaubwürdigsten Daunen-Gütesiegel. Der Standard garantiert, dass die verwendeten Daunen weder durch Lebendrupf gewonnen wurden, noch von Tieren aus Stopfmast stammen.  Mit der Zertifizierung von Federn, die von Tieren mit gekürzten Schnäbeln stammen, verliert RDS jedoch an Glaubwürdigkeit. „Sollte das Schnabelkupieren tatsächlich Teil des RDS werden, werden wir das Gütesiegel kritisieren und nicht empfehlen. Es widerspricht sich quasi selbst. Marken und Kunden verlangen nach RDS-zertifizierten Produkten, um Tierleid so gut wie möglich auszuschließen. Dieses Versprechen kann RDS zukünftig nicht mehr halten“, so Jamal.

Mehr Auslauf statt Schnabelkupieren

Enten werden meistens auf zu engen Raum gehalten. Das führt zu Kämpfen unter den Tieren, besonders bei Mochus- oder Barbarieenten. Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, werden die Schnäbel der Tiere gekürzt. „Es ist Zeit, fehlerhafte Systeme an Tiere anzupassen – und nicht umgekehrt. Schnabelkupieren mag Verletzungen reduzieren, das Kernproblem bleibt aber bestehen: Die Tiere leiden unter großem Stress. Dagegen hilft nur ausreichend Auslauf und Beschäftigung sowie Zugang zu Wasser und eine niedrige Besatzdichte“, sagt Jamal.

Null Tierleid: Pflanzliche und synthetische Alternativen

Wer Tierleid mit Sicherheit ausschließen möchte, dem empfiehlt VIER PFOTEN, komplett auf Daunen zu verzichten und Produkte mit alternativen Füllmaterialien zu kaufen, wie zum Beispiel Primaloft®, Polyester, Lyocell oder Viskose. Ebenso empfehlenswert sind pflanzliche Daunenalternativen wie Kapok, Baumwolle oder Leinen (Flachsfasern).

Wie grausam, die Praxis des Schnabelkürzens ist, sehen Sie hier.

Melitta Töller

Pressesprecherin

presse-d@vier-pfoten.org

+49 40 399 249-66

VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

www.vier-pfoten.de