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Mission geglückt

6.7.2015

VIER PFOTEN rettet Löwenkinder aus dem Flüchtlingslager in Gaza

Hamburg, 6. Juli 2015 – Große Erleichterung beim VIER PFOTEN Team und seinen Helfern: Sonntagnachmittag konnten die Tierschützer die beiden Löwenkinder endlich aus dem Krisengebiet bringen und den letzten Grenzposten nach Israel passieren. Die abenteuerliche Reise der kleinen Großkatzen ist nun fast geschafft. Am selben Abend wurden die beiden in ein Freigehege in einer Transitstation in Jordanien entlassen. Im Herbst werden die Tiere gemeinsam mit anderen Wildtieren in das neue Schutzzentrum „Al Ma’wa for Nature and Wildlife“ transferiert.

VIER PFOTEN hatte die Rettungsaktion seit Wochen minutiös geplant. Am Donnerstag erreichte schließlich ein Notfall-Team unter der Leitung von Tierarzt Dr. Amir Khalil von Amman über Israel aus Gaza. Bei der Einreise kam es trotz Genehmigungen zu sehr langen Wartezeiten auf Seiten der defakto-Regierung des Gazastreifens. Nachdem ein Großteil des Teams nach stundenlangen Verhandlungen den Übergang nach Gaza von Hamas-Seite nicht passieren durfte, entschied Dr. Khalil, das Team nicht zu trennen und die Nacht im sogenannten „Niemandsland“ zu verbringen. Am nächsten Morgen reiste ein kleiner Teil des VIER PFOTEN Teams in den Gaza Streifen ein, um mit dem Besitzer der Löwenbabys im Flüchtlingslager ein letztes Mal zu verhandeln und die jungen Großkatzen abzuholen.

„Dem Familienvater, der die Löwenkinder im März vom Rafah Zoo gekauft hat, fiel der Abschied schwer, aber wir sind froh, dass er zur Einsicht gekommen ist. Eine kleine Wohnung ist kein geeigneter Ort für diese Wildtiere und gefährlich für die Menschen in deren Umgebung“.

Dr. Amir Khalil

Nach geglückter Übergabe bekamen die beiden Tiere, das Weibchen geschwächt und apathisch, neue Namen – Shalom and Salam. Die tapferen „Friedensbringer“ verbrachten die meiste Zeit eng aneinander gekuschelt.

„Den Trubel um sie haben sie gar nicht mitbekommen“

Dr. Amir Khalil

Bei der geplanten Ausreise nach Israel am Freitag Vormittag machten plötzlich die israelischen Beamten die Grenze dicht. Das Team vor Ort bewies viel Geduld und Ruhe. Nach langen Verhandlungen mit der Hamas durften alle Teammitglieder gemeinsam mit Shalom und Salam zurück nach Gaza, wo sie die Nacht in einem Hotel verbrachten.

Am Sonntagnachmittag endlich Gewissheit: VIER PFOTEN passierte mit den Löwen den letzten Grenzposten nach Israel: Die Reise nach Jordanien kann fortgesetzt werden. Erste Untersuchungen haben gezeigt, dass Shalom und Salam eine Hauterkrankung haben. Das Weibchen (Shalom) hat zudem eine beachtliche Schwellung am Hinterkopf, vermutlich von einem Schlag. Im „New Hope Center", der Transitstation des "Al Ma’wa Wildlife Sanctuary" in Jordanien, werden die fünf Monate alten Löwen demnächst genau durchgecheckt.

Eine Rettungsaktion wie jene der Gaza-Löwenkinder ist mit hohem Aufwand und Kosten verbunden. Bei diesem Einsatz wurde die Organisation im besonderen durch ein sehr engagierteres Ehepaar aus Österreich unterstützt. Nur durch zahlreiche Unterstützer und Förderer ist es VIER PFOTEN möglich, so effizient und rasch zu helfen.

Obwohl Gaza klein ist, gibt es hier rund 40 Großkatzen. Der Schmuggel mit exotischen Tieren ist ein großes Problem. Auch Shalom und Salams Eltern sollen als Babys in den Rafah Zoo durch die unterirdischen Tunnel von Ägypten nach Gaza geschmuggelt worden sein. Bei den militärischen Auseinandersetzungen wurden viele der selbstgebauten Tunnel allerdings letztes Jahr von der ägyptischen Armee zerstört.

VIER PFOTEN war bereits mit mehreren Projekten im Nahen Osten aktiv. Im September 2014 führte die Organisation eine Notfall Mission im schwer beschädigten Al-Bisan Zoo im nördlichen Gazastreifen durch. Drei Löwen wurden in eine Rettungsstation nach Jordanien transferiert. Im April führte ein VIER PFOTEN Nothilfe Team eine weitere Hilfsaktion durch, bei der die Tiere im desolaten Khan Younis Zoo medizinisch behandelt und mit Futter versorgt wurden.

#VIERPFOTENgowild
Weltweit leben und leiden zig tausende Großkatzen in Zirkussen, in schlecht geführten Zoos oder in Privatbesitz. Viele der Tiere leben auf engstem Raum, werden mangelhaft ernährt, sind krank und verhaltensgestört. VIER PFOTEN hat es sich zum Ziel gesetzt, die Situation dieser faszinierenden aber auch gefährlichen Wildtiere zu verbessern. Die Organisation betreibt nicht nur das einzigartige Refugium LIONSROCK in Südafrika, wo mittlerweile über hundert Löwen und Tiger aus schlechter Haltung ein artgemäßes Zuhause gefunden haben. VIER PFOTEN setzt sich auch mit breit angelegten Kampagnen für Großkatzen in menschlicher Obhut ein, unter anderem für ein Verbot von Wildtieren in Zirkussen oder die Schließung nicht adäquater Zoos.
Mit #VIERPFOTENgowild rücken die Tierschützer das Leid der Tiere, aber auch Lösungen in den Fokus. Denn unter dem Deckmantel der Unterhaltung (Zirkusse), Bildung (Zoos), Medizin & Tradition (Heilmittel aus Tigerknochen) und des Sports (Trophäenjagd in Afrika), fristen tausende Großkatzen in Europa, Südafrika und den USA ein trostloses Leben unter katastrophalen Bedingungen. Die internationale Kampagne #VIERPFOTENgowild wird ihnen eine Stimme geben.

VIER PFOTEN ist eine international tätige Tierschutzorganisation mit Hauptsitz in Wien. Die 1988 von Heli Dungler gegründete Organisation hat das Ziel, Tieren in Not mit nachhaltigen Kampagnen und Projekten zu helfen. Grundlagen dafür sind wissenschaftliche Expertise, fundierte Recherchen sowie intensives nationales und internationales Lobbying. Der Fokus liegt auf Tieren, die unter direktem menschlichen Einfluss stehen: Streunerhunden und -katzen, Nutz-, Heim- und Wildtieren wie Bären, Großkatzen und Orang-Utans aus nicht artgemäßer Haltung. Mit Büros in Australien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kosovo, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Südafrika, Thailand, der Ukraine, Ungarn, den USA und Vietnam sorgt VIER PFOTEN für rasche und direkte Hilfe für Tiere in Not.

www.vier-pfoten.de