Französische Bulldogge mit Qualzucht-Merkmal kurzer Schnauze

"Viele Menschen wissen nicht, wie stark diese Hunde leiden"

Interview zu Qualzucht mit Tierärztin Ulrike Lessiak, Expertin für Hunde und Katzen bei VIER PFOTEN International

Kollegin und Tierärztin Ulrike Lessiak

Ulrike Lessiak

Expertin für Hunde und Katzen

VIER PFOTEN International

Du hast als Tierärztin viele Hunde behandelt, die von Qualzucht betroffen waren. Gibt es einen Fall, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?  

Ja, die kleine Mira. Sie kam als Notfall zu mir, nachdem sie plötzlich aufgeschrien hatte. Bei der Untersuchung stellte ich fest, dass eines ihrer Augen bereits aufgebrochen war – nicht durch eine Verletzung, sondern als Folge extremer Qualzucht. Mira hatte sehr flache Augenhöhlen und vergrößerte Lidspalten, außerdem rieben Haare an der Hornhaut. Das führte zur Schädigung und schließlich zur Perforation. Wir mussten sofort notoperieren. In der Aufwachphase zeigte Mira typische Komplikationen brachyzephaler Hunde. Sie hatte massive Atemprobleme, sodass sie auf die Intensivstation musste.  

Was genau ist Brachyzephalie? 

Brachyzephalie bezeichnet eine stark verkürzte Schädelform. Die Hunde haben flache Schnauzen, hervorstehende Augen und enge Atemwege. Während der Schädel verkürzt ist, bleibt das Weichteilgewebe gleich groß, was die Atemwege verengt und die Atmung stark erschwert. 

Wenn die Tiere so stark leiden, warum kaufen sich Menschen solche Hunde?

Weil diese Tiere auf uns besonders „süß“ wirken: mit großen Augen, rundem Kopf und kindlichen Gesichtszügen. Zudem wissen viele Menschen schlicht nicht, wie stark diese Tiere leiden und dass sie oft lebenslang tierärztliche Betreuung, Operationen und Medikamente benötigen, um schmerzfrei zu leben. 

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