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Gastkommentar


PHW-Gruppe investiert in Clean Meat - eine weise Entscheidung

von Dr. Martina Stephany, Direktorin der Nutztierabteilung von VIER PFOTEN International


Dr. Martina Stephany
© VIER PFOTEN

Seit Wochen häufen sich die Meldungen über neue Investoren für sogenanntes Clean Meat. Bisher waren es Bill Gates, Richard Branson und Leonardo Di Caprio, die ihr Geld für das Fleisch aus dem Labor hergaben. Doch jetzt investiert auch die Fleischindustrie in das Laborfleisch. Nicht irgendjemand, sondern Deutschlands größter Geflügelfleischkonzern: Die PHW-Gruppe, zu der auch Wiesenhof gehört, hat eine Minderheitsbeteiligung für das israelische Start-up SuperMeat erworben und verkündet, das Start-up bei der Positionierung auf dem deutschen Markt beraten zu wollen.  

 

Künstliches Fleisch aus dem Labor schien lange nicht mehr zu sein als ein feuchter Traum von Tierschutzaktivisten. Doch plötzlich wird die Idee Realität: Das Unternehmen Hampton Creek will Ende 2019 auf den US-amerikanischen Lebensmittelmarkt kommen. SuperMeat spricht von etwa drei Jahren bis zu Einführung von Clean Meat in europäischen Restaurants, danach in die Supermärkte. Der Preis, der vor einigen Jahren bei einem öffentlichen Geschmackstest noch bei 250.000 Euro für eine Labor-Boulette Rindfleisch lag, soll durch die steigende Nachfrage für die Nährlösung schnell sinken und vergleichbar mit bisherigem, konventionell getöteten Tierfleisch sein. 

 

Nicht nur im Silicon Valley, sondern auch in den Niederlanden und in Israel schießen die Start-ups aus dem Boden, die echtes Fleisch im Labor züchten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Fleisch kann "clean", also sauber gezüchtet werden, ohne Antibiotika oder Salmonellen, ohne die Umwelt zu belasten oder Ressourcen zu verschwenden. Nebenbei könnte die Lebensmittelindustrie bequem die steigende Weltbevölkerung ernähren und ein paar Milliarden Tieren ein tristes kurzes Leben samt Tod im Schlachthof ersparen.

 

Das klingt nicht nur für Tier- und Umweltschützer gut, sondern offenbar auch für die Lebensmittelindustrie, die hier ein lukratives Geschäft wittert. Der Philosoph Richard David Precht prognostiziert, dass Clean Meat konventionelles Fleisch ablösen wird, wie einst das Auto die Pferdekutsche oder die Digitalkamera den Fotoapparat. Wenn es so kommt, wird dies in den nächsten Jahrzehnten zur Abschaffung der Tierindustrie, wie wir sie kennen, führen. 

 

Wie genau Nutztiere in unserer Gesellschaft dann leben werden, können wir selbst gestalten. Jede Stadt, jeder Bezirk, könnte seinen eigenen Lebenshof bereitstellen, in dem Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend ein ganzes natürliches Leben führen und die Menschen Kontakt zu Tieren finden. Denn Nutztiere müssen ja nicht aussterben, nur weil man sie nur noch selten piekst und somit nutzt.

 

Natürlich wird es Menschen geben, die nur Fleisch essen wollen, für das ein Tier gestorben ist. Aber spätestens die nächste Generation wird fragen, warum sie sich für ein unsicheres Produkt entscheiden sollen, das unnötig Ressourcen verbraucht und Tod verursacht, wenn es das gleiche Produkt auch ohne alle negativen Folgen gibt.  

 

Die aktuelle konventionelle Fleischindustrie könnte nun alles daran setzen, Skandale zu erfinden und Clean Meat als Konkurrenten auf dem Markt zu bekämpfen. Stattdessen in Clean Meat zu investieren und der Zukunft den Weg zu bereiten, ist allerdings die deutlich weisere Entscheidung.

   

Nun ist es an der Politik in Deutschland nicht den Zug zu verpassen, Clean Meat zu fördern, anstatt nur eine Tierhaltung zu konservieren, für die es keine Zukunft gibt.

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Gern vermitteln wir Ihnen ein Interview mit VIER PFOTEN Nutztierexpertin Dr. Martina Stephany.

Dr. Stephany ist seit 2011 bei VIER PFOTEN tätig, zunächst als Kampagnenleiterin Deutschland. Seit 2016 ist sie als Direktorin der Nutztierabteilung von VIER PFOTEN für die VIER PFOTEN Kampagnen rund um das Thema Nutztiere in elf Ländern zuständig. Die zur „Mensch-Tier-Beziehung“ promovierte Soziologin lebt in Hamburg und ist 36 Jahre alt.


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