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VIER PFOTEN Wahlprüfsteine zur Wahl zum Europäischen Parlament 2019

16.5.2019

Wie stehen die deutschen Parteien bei der EU-Wahl zum Thema Tierschutz?

Am 26. Mai 2019 finden die Wahlen zum Europaparlament statt. Ob Klimakrise, Artensterben oder die Plastikflut der Meere: Die EU steht vor vielen Herausforderungen. Auch bei den Heim-, Wild- und sogenannten Nutztieren gibt es zahlreiche zukunftsrelevante Probleme, die es gemeinsam anzupacken gilt. Deswegen hat VIER PFOTEN Wahlprüfsteine an die SpitzenkandidatInnen von SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE und FDP geschickt, um den Parteien beim Thema Tierschutz auf den Zahn zu fühlen.

Die Wahlprüfsteine von VIER PFOTEN zur Europawahl zeigen deutlich: DIE LINKE verspricht die meisten Verbesserungen im Tierschutz, direkt dahinter kommen Bündnis 90/Die Grünen. Auch die SPD will zahlreiche Fortschritte für Nutz-, Wild- und Heimtiere erreichen. Nur die CDU/CSU und die FDP wollen die Tiere in vielen Bereichen leider nicht stärker schützen. Diese Auswertung gilt nicht als Wahlempfehlung. Allerdings hat VIER PFOTEN die Antworten der Parteien aus tierschutzpolitischer Sicht eingeordnet.

Wir haben die Fragen und die Antworten für unsere UnterstützerInnen in einer Tabelle aufbereitet, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.

Schutz von sogenannten Nutztieren

Tiertransporte

Jährlich werden über eine Milliarde Geflügel und 37 Millionen lebende Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde grenzüberschreitend innerhalb der EU und in beziehungsweise aus Drittstaaten transportiert. Tiertransporte verursachen oft massive Tierschutzprobleme durch zu lange Transportzeiten und schlechte Transportbedingungen. Eng zusammengepfercht stehen die Tiere tage- und teils wochenlang in den Transportern. Sie leiden unter enormer Hitze oder Kälte, Durst, Hunger, Stress und Angst. Seit 2007 gilt die EU-Verordnung 1/2005 für den Schutz von Tieren beim Transport. Diese erlaubt es beispielsweise, Schweine 24 Stunden ohne Pause zu transportieren.

Wir haben hierzu die Parteien befragt, ob sie sich für ein EU-weites Verbot der Langstreckentiertransporte in Drittstaaten einsetzen werden.

SPD, GRÜNE und LINKE antworteten mit ja. 

CDU/CSU spricht sich für ein Verbot bei den Schlachttieren aus, jedoch nicht bei den Zuchttieren (die den größeren Anteil an Transporten ausmachen). 

Die FDP ist gegen pauschale Verbote. 

Schutz von Heimtieren

Unseriöser Welpenhandel

Der unseriöse Handel mit Welpen aus Osteuropa boomt. Die Tiere werden unter grausamen Bedingungen produziert, in dunklen Verschlägen, Kellern oder dreckigen Scheunen so kurz wie möglich gehalten, um dann viel zu jung von ihren Müttern getrennt zu werden. In engen Kofferräumen – oftmals tagelang ohne Futter oder Wasser – transportiert, sterben bereits einige der Tiere während der Fahrt durch Europa. Im neuen Zuhause tauchen dann die ersten Probleme auf: Aufgrund der fehlenden Impfungen und der dramatischen Hygienebedingungen in den Vermehrerstationen leiden viele der Welpen an Würmern oder lebensbedrohlichen Krankheiten. Auf die Besitzer kommen hohe Tierarztkosten zu und selbst, wenn das Tier diese Krankheiten durch intensive tierärztliche Betreuung überlebt, leiden viele von ihnen ihr Leben lang unter den traumatischen Erfahrungen. Im schlimmsten Fall sterben die Tiere trotz bestmöglicher Behandlung nach einem kurzen und qualvollen Leben. Die Händler sind dann nicht mehr auffindbar und können nicht identifiziert werden. Denn auf vielen Online-Plattformen ist das Inserieren anonym – nur mit der E-Mail-Adresse ist es nahezu unmöglich, die Anbieter zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen!

Der beste Ansatz, um den Handel mit Hundewelpen quer durch Europa einzuschränken, ist eine EU-weite und verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für alle Hunde und Katzen. Hierzu haben wir die Parteien befragt, ob sie sich für die Einführung eines europaweit kompatiblen Systems zur Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von Hunden und Katzen zur besseren Rückverfolgbarkeit der Tiere und der Halter einsetzen werden?

SPD, GRÜNE, LINKE und FDP antworteten mit Ja. 

Einzig die CDU/CSU gibt kein eindeutiges Signal, ob sie sich für ein europaweit kompatibles System einsetzen wird.

Schutz von Wildtieren

Tigerhandel

Tiger bleiben trotz großer Artenschutzbemühungen eine der am stärksten vom Aussterben bedrohten Arten. Der Druck auf die wildlebende Population wird einerseits durch die wachsende Nachfrage nach lebenden Tigern sowie deren Körperteilen erhöht und andererseits durch Tigerzucht für kommerzielle Zwecke befeuert. Die Tigerprodukte werden unter anderem in der „traditionellen chinesischen Medizin“ verwendet, um angeblich Krankheiten wie Epilepsie oder Impotenz zu behandeln. Insbesondere Tigerknochen sind gefragt – gemahlen als Puder, ausgekocht in Suppe oder eingelegt in Reiswein. Solche Produkte werden auch immer wieder in Europa beschlagnahmt. Es ist von höchster Wichtigkeit, dass die EU den Beschlüssen des Artenschutzabkommens CITES folgt und sicherstellt, dass der kommerzielle Handel mit Tigern, deren Körperteilen und Produkten beendet wird.

Hierzu haben wir die Parteien befragt, ob sie ein EU-weites Verbot des kommerziellen Tigerhandels unterstützen werden. Alle Parteien antworteten mit Ja.

FAZIT

VIER PFOTEN wird die Parteien nach der Wahl beim Wort nehmen, weil eine große Mehrheit der WählerInnen will, dass Tiere in Europa stärker geschützt werden.

Tierschutz-Statements einzelner KandidatInnen für die EU-Wahl

Einzelne Tierschutz-Positionen der KandidatInnen können auch auf der Website der Eurogroup for Animals, einem Tierschutz-Dachverband auf europäischer Ebene, eingesehen werden: https://www.voteforanimals2019.eu

Die Antworten der Parteien auf unseren Fragenkatalog haben wir für Sie in einer PDF-Datei zusammengefasst:

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