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Kastenstand

30.9.2019

Wie die Tierindustrie mit Zuchtsauen umgeht

Hintergrund

Sauen, die in hochmodernen Schweinezuchtbetrieben für die Ferkelproduktion verwendet werden, verbringen ungefähr die Hälfte ihres Lebens in körpergroßen Metallkäfigen, von der Industrie als „Kastenstand“ bezeichnet. 

Dieser Kastenstand ist so klein, dass sich die Sau nicht umdrehen kann. Dadurch können die natürlichen Bedürfnisse des Hausschweins nicht ansatzweise erfüllt werden.

Die Industrie begründet diese Haltungsform mit dem Ziel, die Sterberate von Ferkeln gering zu halten. Es geht aber vor allem um Wirtschaftlichkeit: In möglichst kurzer Zeit auf möglichst kleinem Raum möglichst viele Schweine zu produzieren.

Wie das Leben einer Zuchtsau aussieht, sehen Sie in diesem Video:

Hinweis: Bei Ansicht dieses Videos eventuell auftauchende Werbeeinblendungen stehen in keinem Zusammenhang mit VIER PFOTEN. Wir übernehmen für diese Inhalte keinerlei Haftung.

aufruf an die Agrarminister

in Kürze rufen wir die Agrarminister der Länder auf, sich gegen den Kastenstand zu positionieren. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Informiert bleiben


Das Problem

Muttersauen werden wie Gebärmaschinen behandelt. Ihr Leben ist ein ununterbrochener Zyklus aus künstlicher Besamung, Trächtigkeit, Geburt, Säugezeit und erneuter Besamung, so dass eine Sau zwei bis drei Mal im Jahr Ferkel bekommt. 

Mit 7 Monaten fruchtbar gemacht

Mit rund sieben Monaten wird die Jungsau zum ersten Mal besamt. Dazu wird sie im „Deckzentrum“ in den Kastenstand gesperrt. Per Hormonspritze wird die „Rausche“ (Phase der Empfänglichkeit) herbeigeführt. So kann die Sau künstlich besamt werden. Danach bleibt sie für mindestens vier Wochen im Kastenstand. Die Industrie argumentiert, dass es so wahrscheinlicher sei, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt.

Gebären und Säugen in großer Enge

Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wird die Sau in den „Abferkelstall“ gebracht. Dort wird sie erneut für etwa 5 Wochen in einen Metallkäfig (Kastenstand in der „Abferkelbucht“) eingepfercht in dem sie etwa zehn bis 20 Ferkel zur Welt bringen muss, die sie dort rund drei bis vier Wochen säugt. Dabei trennt das Gitter die Mutter von ihren Ferkeln.

Zwar können die Ferkel unter den Stangen an die Zitzen der Mutter gelangen, die Mutter kann jedoch keinen liebevollen Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen. Nach der Säugephase wird die Sau meist sofort wieder ins Deckzentrum und erneut in den Schweinekäfig gebracht. Nur während ihrer Trächtigkeit muss sie für einige Wochen in der Gruppe gehalten werden. 

Ferkel gebären bis zum Tod

Eine Sau durchläuft diesen „Produktionszyklus“ so lange, bis sie die gewünschte „Aufzuchtleistung“ von durchschnittlich etwa 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt. Danach wird sie geschlachtet. 

Die meisten Sauen überleben diesen Zyklus nur wenige Jahre. Dabei würde die natürliche Lebenserwartung von Schweinen sehr viel höher liegen.

Rechtliche Situation

Ein Urteil aus dem Jahr 2015 stellt fest, dass die bestehenden Kastenstände viel zu eng sind. Sie entsprechen bereits seit 1992 nicht den Anforderungen der Haltungsverordnung und sind deshalb illegal. Die Haltungsverordnung besagt, dass „Schweine in Seitenlage ihre Gliedmaßen ungestört ausstrecken können müssen.“ 

Keine Umsetzung in Sicht

Statt endlich für die Umsetzung dieser Vorgabe zu sorgen, will die Bundesregierung die illegalen Kastenstände für weitere 17 Jahre bestehen lassen. Auch danach soll diese tierquälerische Haltungsform erlaubt bleiben. Lediglich die Zeit in der die Sauen fixiert werden dürfen soll verkürzt werden. 

Stattdessen Legalisierung des Kastenstands

Um den illegalen Zustand legal zu machen, ist geplant, den entscheidenden Satz „dass die Schweine ihre Gliedmaßen in Seitenlage ungehindert ausstrecken können müssen“ einfach aus der Verordnung herauszustreichen. So wird ein gesprochenes Gerichtsurteil einfach außer Kraft gesetzt.

Informieren Sie sich hier über die Hauptprobleme der Kastenstandhaltung.

Was bisher geschah

Alle Downloads dazu finden Sie am Ende des Artikels.

vier pfoten fordert

  • Ein Verbot der Haltung von Sauen in Kastenständen, sowohl im Deckbereich als auch im Abferkelbereich
  • Freie Abferkelsysteme (mit Schutzvorrichtungen gegen Erdrücken der Ferkel), in denen die Sau ein Nest bauen, bewegen und sich umdrehen sowie Sozialkontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen kann
  • Begrenzung einer Einzelfixierung auf ein absolutes Minimum (stundenweise), z.B. zu Behandlungszwecken
  • Jederzeit verfügbares Langstroh als Nestbaumaterial im Abferkelbereich vor den Tagen der Geburt
  • Jederzeit verfügbares Raufutter zum Fressen und zur Beschäftigung für Sauen (im Deck-, Warte- und Abferkelbereich)
  • Gruppenhaltung von Sauen, stabile Gruppenzusammensetzung
  • Ausreichend Platz zur freien Bewegung und zur Strukturierung der Bucht
  • Eingestreute, weiche Liegeflächen und abgegrenzte Ruhebereiche
  • Ausschließliche Verwendung von Sauen, die im Durchschnitt nur so viele Ferkel zur Welt bringen, wie sie selbst säugen können (Durchschnittliche Anzahl der Ferkel pro Wurf darf Anzahl der Zitzen nicht übersteigen)

Liegend die Beine ausstrecken? 

Im Kastenstand unmöglich. Denn die Beine stoßen an Metallstangen.

Getrennt von den eigenen Kindern

An Körperkontakt mit den eigenen Ferkeln ist nicht zu denken. Soziale Interaktion unmöglich.

Soziale Interaktion

Schweine sind gesellige Tiere. Doch in den engen Käfigen können sie nicht miteinander interagieren.

Dicht an dicht.

Eng gedrängt müssen die Tiere bis zu 35 Tage eingesperrt verbringen.

Gemeinsame Stellungnahme vom 28.06.2019

zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einer Sieb-ten Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (Neuregelung Haltung von Sauen in Kastenständen, Höhenregelung Haltungseinrichtungen für Legehennen);

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Kurzexpertise vom 24.06.2019

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