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Kastenstand

19.4.2018

In der Tierindustrie sind Sauen nur Gebärmaschinen – und werden in tierschutzwidrige Käfige gesperrt

VIER PFOTEN fordert Bund und Länder auf, die Kastenstandhaltung abzuschaffen und die Sauenhaltung so zu regeln, dass sie bestehenden Gesetzen entspricht. Die Hamburger Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn hat im Auftrag von VIER PFOTEN ein Gutachten erstellt, welches den Verstoß gegen das Tierschutzrecht und die Verfassungswidrigkeit der Kastenstandhaltung nachweist.

Gleiches gilt auch für die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geplante Neuregelung zur Sauenhaltung: „Die Kastenstandhaltung ist rechtswidrig und gehört gänzlich abgeschafft. Eine Beibehaltung ähnlich dem Entwurf des vom BMEL veröffentlichten Eckpunktepapiers stellt einen klaren Rechtsbruch dar“, so Bruhn. Hier geht es zur Pressemitteilung.

Wie das Leben einer Zuchtsau aussieht, sehen Sie in diesem Video:

Hinweis: Bei Ansicht dieses Videos eventuell auftauchende Werbeeinblendungen stehen in keinem Zusammenhang mit VIER PFOTEN. Wir übernehmen für diese Inhalte keinerlei Haftung.

Zuchtsauen können sich nicht einmal umdrehen

Sauen, die in hochmodernen Schweinezuchtbetrieben für die Ferkelproduktion verwendet werden, verbringen ungefähr die Hälfte ihres – ohnehin nicht langen – Lebens in körpergroßen Metallkäfigen, von der Industrie als „Kastenstand“ bezeichnet. Dieser Kastenstand ist so klein, dass die Sau sich nicht einmal umdrehen kann. Völlig isoliert von der Gruppe hat sie keinen Kontakt zu Artgenossen und kann weder herumlaufen, noch erkunden oder sich suhlen. Es versteht sich wohl von selbst, dass die natürlichen Bedürfnisse des Hausschweins so nicht ansatzweise erfüllt werden.

Gebärmaschinen im Kastenstand

Der Kastenstand ist eine von Metallgittern umrandete Box mit Beton-Teilspaltenboden, in der eine einzelne Sau gehalten wird. Der Mangel an Bewegung und Beschäftigungsmöglichkeiten sowie die Isolation von der Gruppe ist für die Tiere eine Tortur, die zu verschiedenen Gesundheits- und Verhaltensstörungen führt.

Die Industrie begründet diese Haltungsform mit dem Ziel, die Sterberate von Ferkeln gering zu halten. Es geht aber vor allem um Wirtschaftlichkeit: In möglichst kurzer Zeit auf möglichst kleinem Raum möglichst viele Schweine zu produzieren.

Ferkel am Fließband

Muttersauen werden wie Gebärmaschinen behandelt. Ihr Leben ist ein ununterbrochener Zyklus aus künstlicher Besamung, Trächtigkeit, Geburt, Säugezeit und erneuter Besamung, so dass eine Sau zwei bis drei Mal im Jahr Ferkel bekommt.

Kastenstand für trächtige Sauen

Mit rund sieben Monaten wird die Jungsau zum ersten Mal besamt. Dazu wird sie im „Deckzentrum“ in den Einzelkäfig gesperrt. Per Hormonspritze wird die „Rausche“ (Phase der Empfänglichkeit) herbeigeführt. So kann die Sau künstlich besamt werden. Danach bleibt sie für mindestens vier Wochen in diesem Metallkäfig. Die Industrie argumentiert, dass es so wahrscheinlicher sei, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt.

Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wird die Sau in den „Abferkelstall“ gebracht, wo sie, erneut im Käfig („Abferkelbucht“) eingepfercht, etwa zehn bis 16 Ferkel zur Welt bringt und rund drei bis vier Wochen säugt. Dabei trennt das Gitter die Mutter von ihren Ferkeln.

Zwar können die Ferkel unter den Stangen an die Zitzen der Mutter gelangen, die Mutter kann jedoch keinen liebevollen Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen. Sie kann sich ja so gut wie gar nicht bewegen. Nach der Säugephase wird die Sau meist sofort wieder ins Deckzentrum und erneut in den Schweinekäfig gebracht. Nur im Zeitraum dazwischen, während ihrer Trächtigkeit, muss sie für einige Wochen in der Gruppe gehalten werden. 

Eine Sau durchläuft diesen „Produktionszyklus“ so lange, bis sie die gewünschte „Aufzuchtleistung“ von etwa 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt – dann wird sie geschlachtet. Die meisten Sauen überleben diese Tortur nur wenige Jahre. Dabei würde die natürliche Lebenserwartung von Schweinen sehr viel höher liegen.

Kastenstand in der "Abferkelbucht"

Rechtliche Situation

Nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ist es erlaubt, Sauen mehrmals pro Jahr für ca. 2,5 Monate am Stück einzeln in Kastenständen zu halten: Nämlich im Zeitraum zwischen einer Woche vor dem voraussichtlichen Geburtstermin, bei der Geburt, während der gesamten Säugeperiode (drei bis vier Wochen) sowie im Anschluss weitere vier Wochen nach dem erneuten Decken. Seit dem 1. Januar 2013 ist dazwischen Gruppenhaltung für die Sauen vorgeschrieben. Bis dahin konnten viele Betriebe den Schweinekäfig aber noch völlig legal nahezu ganzjährig einsetzen. Auch die neue Regelung bedeutete, dass die Sauen rund die Hälfte des Jahres im Kastenstand gehalten werden konnten.

Seit November 2015 gibt es ein neues Gerichtsurteil (Magdeburger Urteil) zu Kastenständen. Mehr dazu erfahren Sie hier: Urteil zu Kastenständen.

Update 19.04.2018: Die Fixierung von Sauen in körpergroßen Metallkäfigen, die sogenannte Kastenstandhaltung, verstößt gegen geltendes Tierschutzrecht und ist verfassungswidrig. Dies belegt nun erneut ein von der internationalen Tierschutzstiftung VIER PFOTEN im Vorfeld der Agrarministerkonferenz veröffentlichtes Rechtsgutachten. Trotzdem plant die Bundesregierung, Kastenstände weiterhin zu legalisieren.

Informieren Sie sich hier über die Hauptprobleme der Kastenhaltung.

vier pfoten fordert

  • das generelle Verbot der Haltung von Sauen in Kastenständen.
  • die Gruppenhaltung von Sauen.
  • die Gruppenabferkelung. Wenn aus Managementgründen eine Gruppenabferkelung nicht möglich ist: zeitlich begrenzte Einzelabferkelung in Bewegungsbuchten (maximal zehn Tage) mit Schutzvorrichtungen (Ferkelabweiser) gegen Erdrücken der Ferkel. Danach Gruppenzusammenführung.
  • die frühe Integration von zwei bis vier Würfen, zum Beispiel über einen Ferkelschlupf  am zehnten Tag nach der Geburt.