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Kastenstand

25.5.2020

Wie die Nutztierindustrie Zuchtsauen behandelt

Hintergrund

Sauen, die in hochmodernen Schweinezuchtbetrieben für die Ferkelproduktion gehalten werden, verbringen ungefähr die Hälfte ihres Lebens in körperengen Metallkäfigen, von der Industrie als „Kastenstand“ bezeichnet. Dabei wird zwischen der Kastenstandhaltung im Abferkelbereich und der Kastenstandhaltung im Deckbereich unterschieden.

Dieser Kastenstand ist so klein, dass sich die Sau darin kaum bewegen kann. Dadurch können die natürlichen Bedürfnisse des Hausschweins nicht ansatzweise erfüllt werden.

Die Industrie begründet diese Haltungsform damit, den Verlust von Föten und die Sterberate von Ferkeln gering zu halten. Es geht aber vor allem um Wirtschaftlichkeit: In möglichst kurzer Zeit auf möglichst kleinem Raum möglichst viele Schweine zu produzieren.

Wie das Leben einer Zuchtsau aussieht, sehen Sie in diesem Video:

Hinweis: Bei Ansicht dieses Videos eventuell auftauchende Werbeeinblendungen stehen in keinem Zusammenhang mit VIER PFOTEN. Wir übernehmen für diese Inhalte keinerlei Haftung.

aufruf an die Bundesländer

Wenden Sie sich mit einer E-Mail an die 16 RegierungschefInnen der Bundesländer und fordern Sie auf, den Verordnungsentwurf abzulehnen. 

ZUr PROTEST-MAIL


Das Problem

Muttersauen werden wie Gebärmaschinen behandelt. Ihr Leben ist ein ununterbrochener Zyklus aus künstlicher Besamung, Trächtigkeit, Geburt, Säugezeit und erneuter Besamung. Eine Sau kann so zwei bis drei Mal im Jahr trächtig werden. 

Mit 7 Monaten fruchtbar gemacht

Mit rund sieben Monaten wird die Jungsau zum ersten Mal besamt. Dazu wird sie im „Deckzentrum“ in den Kastenstand gesperrt. Per Hormonspritze wird die „Rausche“ (Phase der Empfänglichkeit) herbeigeführt. So kann die Sau künstlich besamt werden. Danach bleibt sie für mindestens vier Wochen im Kastenstand. Die Industrie argumentiert, dass es so wahrscheinlicher sei, dass die Trächtigkeit erhalten bleibt.

Gebären und Säugen in extremer Enge

Etwa eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin wird die Sau in den „Abferkelstall“ gebracht. Dort wird sie erneut für etwa 5 Wochen in einen Metallkäfig (Kastenstand in der „Abferkelbucht“) eingepfercht in dem sie etwa zehn bis 20 Ferkel zur Welt bringen muss, die sie dort rund drei bis vier Wochen säugt. Dabei trennt das Gitter die Mutter von ihren Ferkeln.

Zwar können die Ferkel unter den Stangen an die Zitzen der Mutter gelangen, die Mutter kann jedoch keinen liebevollen Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen. Nach der Säugephase wird die Sau meist sofort wieder ins Deckzentrum und erneut in den Kastenstand gebracht. Nur während ihrer Trächtigkeit muss sie für einige Wochen in der Gruppe gehalten werden. 

Ferkel gebären bis zum Tod

Eine Sau durchläuft diesen „Produktionszyklus“ so lange, bis sie die gewünschte „Aufzuchtleistung“ von durchschnittlich etwa 30 Ferkeln pro Jahr nicht mehr erbringt. Danach wird sie geschlachtet. 

Die meisten Sauen überleben diesen Zyklus nur wenige Jahre. Dabei würde die natürliche Lebenserwartung von Schweinen sehr viel höher liegen.

Rechtliche Situation

Ein Urteil aus dem Jahr 2015 stellt fest, dass die bestehenden Kastenstände im Deckzentrum viel zu eng sind. Sie verstoßen bereits seit 1992 gegen die Anforderungen der Haltungsverordnung und sind deshalb illegal. Die Haltungsverordnung besagt, dass Schweine in Seitenlage ihre Gliedmaßen ungehindert ausstrecken können müssen.

Keine Umsetzung in Sicht

Statt endlich für die Umsetzung dieser Vorgabe zu sorgen, will die Bundesregierung die illegalen Kastenstände für weitere 17 Jahre bestehen lassen. Auch danach soll diese tierquälerische Haltungsform erlaubt bleiben. Lediglich die Zeit in der die Sauen fixiert werden dürfen, soll verkürzt werden. 

Stattdessen Legalisierung des Kastenstands

Um den illegalen Zustand legal zu machen, ist geplant, den entscheidenden Satz „dass die Schweine ihre Gliedmaßen in Seitenlage ungehindert ausstrecken können müssen“ einfach aus der Verordnung herauszustreichen. So wird ein gesprochenes Gerichtsurteil einfach außer Kraft gesetzt.

Informieren Sie sich hier über die Hauptprobleme der Kastenstandhaltung.

Große Mehrheit der Deutschen für ein Verbot von Kastenständen 

Knapp 88 Prozent aller Befragten halten den Kastenstand für Tierquälerei. 87 Prozent sprechen sich für ein Verbot der köperengen Metallkäfige aus. Die Verantwortung für mehr Tierschutz bei sogenannten Nutztieren sehen zudem 80 Prozent der Befragten bei der Politik. Diese Haltung zieht sich durch alle demografischen Gruppen und Anhänger aller politischen Parteien.

Die Umfrageergebnisse belegen eindeutig: Der Kastenstand hat in Deutschland keine Zukunft mehr. Die Menschen fordern mehr Tierschutz und strengere Gesetze. Die Politik darf das nicht weiter ignorieren.

88 % aller Befragten empfinden den Kastenstand als Tierquälerei

Kastenstandhaltung - die öffentliche Meinung

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Ergebnisbericht zur Onlinestudie zur Kastenstandhaltung

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Was bisher Geschah

03. Juli 2020

Entscheidung des Bundesrates, die Kastenstandhaltung von Sauen im Deckbereich zu beenden. VIER PFOTEN hat gemeinsam mit weiteren Tierschutzorganisationen erneut vor dem Bundesrat demonstriert

23. Juni 2020

In einem Offenen Brief appelliert VIER PFOTEN mit weiteren Tierschutzorganisationen an die SPD Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans, sich für ein Ende der Kastenstandhaltung von Sauen einzusetzen

22. Juni 2020

Gemeinsam mit elf weiteren Tierschutzorganisationen legt VIER PFOTEN ein Konzept für sofortiges Ende der Kastenstandhaltung vor.

05. Juni 2020

VIER PFOTEN hat gemeinsam mit weiteren Tierschutzorganisationen vor dem Bundesrat demonstriert.

Aufgrund des Drucks aus der Zivilgesellschaft haben BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN die Abstimmung über den Pseudo-Kompromiss abgelehnt und die Bundesratsentscheidung wurde erneut verschoben.

03. Juni 2020

Schreiben an die Regierungschefs zur bevorstehenden Abstimmung über die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) im Plenum des Bundesrates am 05.06.2020

02. Juni 2020

Juristisches Kurzgutachten zum Antrag von Nordrhein Westfalens sowie Stellungnahme zu der sogenannten Klageschwelle zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die aus Sicht von AgriKontakt, HSARechtsanwälte und den Unterstützern zu einer Klage führen würden.

29. Mai 2020

Bewertung von VIER PFOTEN zur bevorstehenden Abstimmung im Bundesrat über den von Nordrhein-Westfalen eingebrachten Antrag zur Sauenhaltung

20. Mai 2020

Offener Brief mit weiteren Tierschutzorganisationen an die Bundesländer mit grüner Regierungsbeteiligung, sich auf keine faulen Kompromisse einzulassen und stattdessen einen echten Ausstieg aus dem Kastenstand zu fordern.

05. Mai 2020

Zusammen mit 14 weiteren Organisationen wendet sich VIER PFOTEN in einem offenen Brief an die Mitglieder der Agrarministerkonferenz. Zusätzlich appelliert VIER PFOTEN an die Regierungschefs bei der bevorstehenden Bundesratsentscheidung, gegen den Kastenstand zu stimmen.

03. März 2020

Gemeinsame Aktion mit campact und foodwatch vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin anlässlich der Sitzung der StaatssekretärInnen und den bevorstehenden Beratungen. 

14. Februar 2020

Eigentlich sollte der Bundesrat an diesem Tag über den Verordnungsentwurf und damit auch über den illegalen Kastenstand entscheiden. VIER PFOTEN übergab die Petitionsunterschriften an den Bundesratspräsidenten. Die Entscheidung wurde jedoch vertagt. Die Länder suchen nach einer Kompromisslösung.

26. Februar 2020

In einem offenen Brief mit weiteren Tierschutzorganisationen wendet sich VIER PFOTEN an die StaatssekretärInnen bei den bevorstehenden Beratungen für eine Kompromisslösung die Sauen nicht im Stich zu lassen.

11. Februar 2020

VIER PFOTEN wendet sich an die Regierungschefs der Bundesländer und ruft diese dazu auf, sich für ein Ende des Kastenstands in der Sauenhaltung einzusetzen. 

06. Februar 2020

VIER PFOTEN wendet sich an die Bundesvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN  Annalena Baerbock und Robert Habeck mit dem Appell, sich für ein Ende der  Haltung von Sauen in Kastenständen einzusetzen und übersendet eine Bewertung der Empfehlung des Agrarausschusses.

08. Januar 2020

VIER PFOTEN empfiehlt dem Bundesrat Änderungsvorschläge zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 07. November 2019.

01. Januar 2020

VIER PFOTEN startete im November einen Online-Protest und forderte die RegierungschefInnen der Bundesländer auf, sich gegen einen geplanten Verordnungsentwurf von Bundesministerin Julia Klöckner auszusprechen. Mit Erfolg: Über 100.000 Protest-Mails bewegten die Bundesländer dazu, zahlreiche Änderungsvorschläge zum Entwurf einzureichen. Dass der Protest wirkt, zeigt eine beispielhafte Antwort von Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz an die VIER PFOTEN Unterstützer, die Sie unten in den Downloads finden.

02. Dezember 2019

Im Zuge des von Bundeskanzlerin Merkel einberufenen Agrargipfels protestierte VIER PFOTEN heute gemeinsam mit weiteren Tierschutzverbänden vor dem Bundeskanzleramt gegen die rechtswidrige Kastenstandhaltung von Sauen und die geplante Neuregelung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

21. November 2019

In einem offenen Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner fordern wir gemeinsam mit den Vereinen Tierärzte für eine verantwortbare Landwirtschaft e.V., der Deutschen Juristischen Gemeinschaft für Tierschutzrecht e.V. sowie weiteren Verbänden und Organisationen eine Beendigung der rechtswidrigen Qualhaltung von Sauen. 

28. Juni 2019

In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern VIER PFOTEN, Deutscher Tierschutzbund, PROVIEH  und weitere Organisationen die Abschaffung des Kastenstands.

24. Juni 2019

Mittels einer Kurzexpertise weist Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn für VIER PFOTEN nach, dass die im Referentenentwurf des BMEL geplanten Änderungen gegen das Tierschutzgesetz verstoßen und verfassungswidrig sind.

05. Juni 2019

Bundesministerin Julia Klöckner will das Urteil umsetzen. Den Betrieben wird eine Übergangsfrist von bis zu 17 Jahren eingeräumt. Zudem will sie die Auflage, dass Sauen ihre Beine im Kastenstand ungehindert ausstrecken können aus dem Gesetz streichen. 

22. März 2018

In einem von VIER PFOTEN in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten weist Rechtsanwältin Dr. Davina Bruhn nach, dass die Kastenstandhaltung gegen das Tierschutzgesetz verstößt und verfassungswidrig ist.

23. November 2016

Nachdem ein Schweinemastbetrieb gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Revision gegangen ist, bestätigt das Bundesverwaltungsgericht den Urteilsspruch. 

24. November 2015

Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg urteilt, dass die Kastenstände in ihrer bestehenden Form bereits seit 1992 nicht den Anforderungen der Haltungsverordnung entsprechen und deshalb illegal sind.

vier pfoten fordert

  • Ein Verbot der Haltung von Sauen in Kastenständen, sowohl im Deckbereich als auch im Abferkelbereich
  • Freie Abferkelsysteme (mit Schutzvorrichtungen gegen Erdrücken der Ferkel), in denen die Sau ein Nest bauen, bewegen und sich umdrehen sowie Sozialkontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen kann
  • Begrenzung einer Einzelfixierung auf ein absolutes Minimum (stundenweise), z.B. zu Behandlungszwecken
  • Jederzeit verfügbares Langstroh als Nestbaumaterial im Abferkelbereich vor den Tagen der Geburt
  • Jederzeit verfügbares Raufutter zum Fressen und zur Beschäftigung für Sauen (im Deck-, Warte- und Abferkelbereich)
  • Gruppenhaltung von Sauen, stabile Gruppenzusammensetzung
  • Ausreichend Platz zur freien Bewegung und zur Strukturierung der Bucht
  • Eingestreute, weiche Liegeflächen und abgegrenzte Ruhebereiche
  • Ausschließliche Verwendung von Sauen, die im Durchschnitt nur so viele Ferkel zur Welt bringen, wie sie selbst säugen können (Durchschnittliche Anzahl der Ferkel pro Wurf darf Anzahl der Zitzen nicht übersteigen)

Liegend die Beine ausstrecken? 

Im Kastenstand unmöglich. Denn die Beine stoßen an Metallstangen.

Getrennt von den eigenen Kindern

An Körperkontakt mit den eigenen Ferkeln ist nicht zu denken. Soziale Interaktion unmöglich.

Soziale Interaktion

Schweine sind gesellige Tiere. Doch in den engen Käfigen können sie nicht miteinander interagieren.

Dicht an dicht.

Eng gedrängt müssen die Tiere bis zu 35 Tage eingesperrt verbringen.