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Alternativen zur betäubunGSlosen Ferkelkastration

29.10.2018

Welche Möglichkeiten es gibt, auf die Kastration zu verzichten – oder Ferkel schmerzloser zu kastrieren

Die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel in der Schweinehaltung (die sogenannte Ferkelkastration) wird oft als alternativlos dargestellt. Begründet wird dieser äußerst schmerzhafte Eingriff meist mit dem Risiko des sogenannten Ebergeruchs. Ebergeruch tritt jedoch äußerst selten und nur beim Erhitzen des Fleisches auf. Außerdem gibt es mehrere Alternativen. Neben der Ebermast und der Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) gehört auch die chirurgische Kastration unter Vollnarkose dazu. Alle drei Alternativen sind akzeptabel. Nicht akzeptabel sind dagegen Methoden, die den Schmerz oder das Bewusstsein nicht ausreichend ausschalten, wie zum Beispiel bei der Lokalbetäubung.

Alternativen ohne Kastration

Eine Alternative ist die Ebermast (oder Jungebermast), bei der die Tiere unkastriert heranwachsen. Eine weitere Möglichkeit ist die sogenannte Immunokastration, eine Art Impfung gegen Ebergeruch.

Ebermast

Bei der Ebermast wachsen die männlichen Schweine heran, ohne kastriert zu werden. Die Tiere sind lebhafter, es kann zu vermehrter Aktivität im Stall kommen. Die Haltungsbedingungen müssen deshalb den besonderen Bedürfnissen der Eber angepasst werden. Ein gutes Managment ist erforderlich. In Großbritannien werden traditionell flächendeckend Eber gemästet. Auch in Deutschland gibt es bereits einige Betriebe, die auf Ebermast umgestellt haben.

Immunokastration – Impfung gegen Ebergeruch

Hier erfolgt eine zwei- bis dreimalige Impfung, die die Hodenaktivität der Eber unterdrückt. Das Wachstum der Hoden ist verringert und es entsteht kein Ebergeruch. Der Impfstoff wird mit einem Sicherheitsinjektor appliziert. Eine unabsichtliche Selbst-Injektion, mit der auch Anwender gefährdet werden könnten, ist somit so gut wie ausgeschlossen. Die Immunokastration ist keine Hormonbehandlung und das Schweinefleisch daher nicht hormonhaltig. Dies ist für Verbraucher wichtig zu wissen.

Länder, die die Impfung gegen Ebergeruch bereits seit 1998 erfolgreich einsetzen, sind Neuseeland und Australien. Breitflächig wird sie seit 2005 auch in Brasilien durchgeführt. In der Schweiz ist das Präparat seit 2007 als Impfstoff zugelassen, in der EU seit 2009. Es kommt vor allem in Belgien zum Einsatz. In Deutschland wird die Möglichkeit seit dem zukünftigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration heiß diskutiert. Einige wenige Betriebe haben diese Methode bereits ausprobiert.

Alternativen, wenn chirurgisch kastriert wird – nur unter Vollnarkose akzeptabel

Wenn auf die chirurgische Kastration nicht verzichtet werden kann, sind folgende Betäubungsmethoden übergangsweise akzeptabel:

Inhalationsnarkose (Isofluran) und Schmerzbehandlung – eine akzeptable Alternative

Bei dieser Methode werden die Ferkel durch eine Inhalationsmaske mit dem Betäubungsmittel Isofluran anästhesiert. Diese Anästhesie ist in Deutschland und Österreich nur durch einen Tierarzt erlaubt. In der Schweiz hingegen dürfen auch darin geschulte Landwirte diese Betäubungsform bei Ferkeln anwenden. Im Vorfeld muss in einem zeitlichen Abstand eine Schmerzmittelgabe erfolgen, die nach dem Aufwachen die Nachschmerzen des Eingriffs lindert. Die Bewusstseinsausschaltung durch Isofluran beginnt nach spätestens einer Minute.

Wenn Betriebe nicht auf die chirurgische Kastration verzichten wollen oder können, stellt diese Betäubungsmethode aus Tierschutzsicht eine akzeptable Alternative dar. Voraussetzung ist, dass die Betäubungsmasken dem Alter der Tiere entsprechend angepasst sind, damit die erforderliche Betäubungstiefe erreicht werden kann. Auch sollten die Tiere nicht kopfüber in die Inhalationsmaske eingebracht werden, sondern im besten Fall in Normalstellung (Beine nach unten) oder auf dem Rücken.

Injektionsvollnarkose – eine akzeptable Alternative

Bei der Injektionsnarkose wird dem Ferkel ein Gemisch von Ketamin und Azaperon injiziert. Die Applikation muss von einem Tierarzt durchgeführt werden. Die Injektionsnarkose kann intravenös (in die Vene – hier in die Ohrvene) oder intramuskulär (in den Muskel) verabreicht werden. In jedem Fall sollten die Ferkel für diese Methode mindestens 14 bis 21 Tage alt sein, damit eine eventuell länger andauernde Nachschlaf- und Aufwachphase nicht zu gesundheitlichen Problemen führt. Sind die Ferkel zu jung, kann eine zu lange Nachschlafphase dazu führen, dass sie an Gewicht verlieren, weil sie in dieser Zeit nicht an der Muttersau trinken.

Nicht akzeptable Betäubungsmethoden

Inhalationsnarkose mittel CO2 – keine Alternative

Die CO2-Narkose ist aus Tierschutzgründen abzulehnen. Der Grund liegt in der äußerst belastenden Einleitungsphase, denn CO2 ruft erstickungsähnliche Anfälle, Störungen der Atmung und negative Reaktionen der Tiere hervor. Hinzu kommen der unsichere Sitz der Narkosegeräte und die relativ hohe Mortalitätsrate von Tieren. CO2-Narkosen dürfen in den Niederlanden vom Landwirt selbst durchgeführt werden.

Lokalanästhesie (sogenannter „vierter Weg“) – keine Alternative

Bei der Lokalanästhesie wird etwa zehn Minuten vor dem Eingriff ein Lokalanästhetikum in beide Hoden und in den Samenstrang injiziert. Dazu sind häufig mehrere Injektionen notwendig, die äußerst schmerzhaft und belastend für die Tiere sind. Experten gehen davon aus, dass die Tiere bei dem Nadelstich in die Hoden in ähnlichem Maße Schmerzen erleiden wie bei einer betäubungslosen Kastration. Die Wirkung der Schmerzminderung durch das Mittel wird zudem als nicht ausreichend für die Hodenentfernung bewertet. Die Bezeichnung „vierter Weg“ ist entstanden, da bislang drei Alternativen (Ebermast, Immunokastration oder Betäubung unter Vollnarkose) als akzeptable Alternativen diskutiert wurden. Die Lokalanästhesie ist in Deutschland noch kein anerkanntes, legales Verfahren. Die Lobbyverbände der Agrarwirtschaft erhoffen sich, dass die Lokalanästhesie in Deutschland legalisiert wird, weil Landwirte hier den geringsten Aufwand hätten. Für die Tiere würde sich jedoch nichts verbessern: Die Prozedur der Kastration bliebe weiterhin äußerst schmerzhaft und stressig für die Tiere.

Ausschließliche Anwendung von Schmerzmitteln – keine Alternative

Eine Kastration ohne Betäubung, nur mit Schmerzmittelgabe ist aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel, da der größte Schmerz während des Eingriffs nicht ausgeschaltet wird.


Vier Pfoten fordert

  • ein generelles Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration.

  • Keine Erlaubnis von nicht tierschutzgerechten Alternativen wie z.B. der Lokalanästhesie (sogenannter 4. Weg).

  • Erlaubnis und Definition ausschließlich tierschutzgerechter Alternativen wie z.B. Ebermast oder Impfung gegen Ebergeruch oder Kastration unter Betäubung mittels Vollnarkose.