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Alternativmethoden Ferkelkastration

6.7.2017

Wie Ferkel schmerzloser und tiergerechter kastriert werden können

In der Landwirtschaft werden Ferkel meist, wenn sie wenige Tage alt sind, kastriert. Aus Kostengründen verzichtet man dabei auf Betäubung oder Schmerzmittel. Für die jungen Schweine ist der Eingriff extrem schmerzhaft. Dabei gibt es tiergerechtere Alternativmethoden zur Ferkelkastration.  Drei davon stellen wir an dieser Stelle vor: Die Inhalationsnarkose, die Injektionsnarkose und die Immunokastration.

Inhalationsnarkose (Isofluran) und Schmerzbehandlung

Die Ferkel werden durch eine Inhalationsmaske mit dem Betäubungsmittel Isofluran anästhesiert. Diese Anästhesie ist in Deutschland und Österreich nur durch einen Tierarzt erlaubt, in der Schweiz hingegen dürfen auch darin geschulte Landwirte diese Betäubungsform bei Ferkeln anwenden. Im Vorfeld muss in einem zeitlichen Abstand eine Schmerzmittelgabe erfolgen, die nach dem Aufwachen die Nachschmerzen des Eingriffs lindert. Die Bewusstseinsausschaltung durch Isofluran beginnt nach spätestens einer Minute.

Wenn Betriebe nicht auf die chirurgische Kastration verzichten wollen oder können, stellt diese Betäubungsmethode aus Tierschutzsicht eine akzeptable Alternative dar. Voraussetzung ist, dass die Betäubungsmasken dem Alter der Tiere entsprechend angepasst sind, damit die erforderliche Betäubungstiefe erreicht werden kann. Auch sollten die Tiere nicht kopfüber in die Inhalationsmaske eingebracht werden, sondern im besten Fall in Normalstellung (Beine nach unten) oder auf den Rücken gelegt werden.

Injektionsvollnarkose

Bei der Injektionsnarkose wird dem Ferkel ein Gemisch von Ketamin und Azaperon injiziert. Die Applikation muss von einem Tierarzt durchgeführt werden. Die Injektionsnarkose kann intravenös (in die Vene – hier in die Ohrvene) oder intramuskulär (in den Muskel) verabreicht werden. In jedem Fall sollten die Ferkel für diese Methode mindestens 14 bis 21 Tage alt sein, damit eine eventuell länger andauernde Nachschlaf- und Aufwachphase nicht zu gesundheitlichen Problemen führt. Sind die Ferkel zu jung, kann eine zu lange Nachschlafphase dazu führen, dass die Ferkel an Gewicht verlieren, weil sie in dieser Zeit nicht an der Muttersau trinken.

Immunokastration

Hier erfolgt eine „reversible Kastration“ durch Impfung eines Stoffes (Improvac), der die Hodenaktivität unterdrückt. Eine zwei- bis dreimalige Impfung in bestimmten Zeitabständen ist notwendig. Der Impfstoff wird mit einem Sicherheitsinjektor appliziert. Eine unabsichtliche Selbst-Injektion, mit der auch der Anwender gefährdet werden könnte, ist somit so gut wie ausgeschlossen. Die Immunokastration ist keine Hormonbehandlung und das Schweinefleisch daher nicht hormonhaltig. Dies ist für Verbraucher wichtig zu wissen.

Die ersten Länder, die die Improvac-Impfung seit 1998 erfolgreich einsetzen, sind Neuseeland und Australien. Breitflächig wird sie seit 2005 auch in Brasilien durchgeführt. In der Schweiz ist das Präparat seit 2007 als Impfstoff zugelassen, in der EU seit 2009. Es kommt vor allem in Belgien zum Einsatz. In Deutschland wird die Möglichkeit seit dem feststehenden zukünftigen Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration heiß diskutiert.