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Tierleid in Deutschlands Kantinenessen

23.7.2018

Bezahlt von Ihrem Steuergeld: Fleisch aus Intensivhaltung in Kitas, Schulen, Mensen & Krankenhäusern

Viele Einrichtungen – wie Schulen, Universitäten oder Krankenhäuser – kaufen kostengünstig in großen Mengen Fleisch, Eier und Milch. Auf die Herkunft und Qualität der Produkte wird dabei häufig nicht geachtet. Damit wird indirekt Tierleid gefördert, denn die billig eingekauften tierischen Lebensmittel stammen großteils aus Intensivtierhaltung. Dort sind oft genmanipuliertes Futter, schlechte Haltungsbedingungen und schmerzhafte Eingriffe (wie Schwanzkupieren, betäubungslose Ferkelkastration oder Kükentöten) an der Tagesordnung.

Fehlende Tierschutz-Kriterien bei öffentlichen Ausschreibungen

Bei der Auswahl von Zulieferern und Caterern werden meist keine Tierschutz-Kriterien berücksichtigt. Hauptverantwortlich für die Entscheidung bei der Vergabe sind Bund, Länder und Kommunen, die in der Regel primär nach Preiskriterien entscheiden. Aufgrund des enormen Einkaufsvolumens hat die öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln jedoch einen maßgeblichen Einfluss auf den Markt. Daher steht die öffentliche Hand in der Verantwortung, Steuergelder so einzusetzen, dass sie einen nachhaltigen Beitrag für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung leisten.

Die Beschaffung tierischer Produkte – entscheidend für Tier, Gesundheit und Umwelt

Anerkannte Ernährungsrichtlinien wie zum Beispiel die der Deutschen Gesellschaft für Ernährung fordern die deutliche Reduktion des Konsums tierischer Produkte. Staatliche Einrichtungen sollten sich, im gesundheitlichen Interesse der Bevölkerung, an diesen Empfehlungen orientieren. Zudem könnten sie mit einer anderen Beschaffungsstrategie auch erheblich zum Klimaschutz beitragen, denn Tierhaltung in der konventionellen Landwirtschaft belastet die Umwelt massiv. Die Reduktion des Konsums tierischer Produkte unter Berücksichtigung einer biologischen Erzeugung würden entscheidend zu mehr Tierwohl, der Gesundheit der Menschen und mehr Umweltschutz beitragen.

Die Berücksichtigung von Tierschutz-Kriterien bei der öffentlichen Beschaffung von tierischen Produkten für Kantinen verfolgt in erster Linie zwei Ziele

Ziele von Tierschutz-Kriterien bei der öffentlichen Beschaffung von tierischen Produkten für Kantinen:

  1. Die Etablierung tierfreundlicherer Produkte am Markt und einer daraus entstehenden Förderung von mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung.
  2. Eine tierfreundliche und transparente öffentliche Gemeinschaftsverpflegung, die den Wünschen der Verbraucher nach mehr Tierwohl Rechnung trägt und als Vorbild fungiert.

VIER PFOTEN fordert

Für alle Tierarten sind folgende Kernforderungen an die Haltungssysteme zu erfüllen: Förderung des natürlichen Verhaltens, Vermeiden von Schmerzen, ausreichend Platz, Auslauf und Tageslicht, Abkehr von Hochleistungsrassen sowie strengere Auflagen für Transport und Schlachtung.

Darüber hinaus fordert VIER PFOTEN, dass Kantinen öffentlicher Einrichtungen langfristig das Angebot von Fleischprodukten halbieren, tierische Produkte ausschließlich von artgemäßen Tierhaltungssystemen beziehen und das Angebot von rein pflanzlichen Gerichten ausbauen.

  • REDUKTION: Grundsätzlich sollte weniger Fleisch in Kantinen öffentlicher Einrichtungen angeboten werden. Gleichzeitig soll das Angebot vollwertiger pflanzlicher Gerichte ständig erweitert werden.
  • TIERSCHUTZ-KRITERIEN: Aufnahme von Tierschutz-Kriterien in die jeweiligen Vergaberichtlinien von Bund, Ländern und Kommunen. Das bedeutet, dass in öffentlich geförderten Kantinen tierische Produkte ausschließlich aus besseren Tierhaltungssystemen stammen sollten. Mehr Details zu den VIER PFOTEN Tierschutz-Kriterien.

Ergebnisse der Umfrage

Fast 10.000 Menschen haben bei unserer Umfrage zu „Tierischen Lebensmitteln in Kantinen von Schulen, Kitas und anderen öffentlichen Einrichtungen“ teilgenommen.

Dabei wird ein ganz klarer Trend sichtbar: Tierschutz in Schulkantine & Co. ist der überwiegenden Mehrheit der Befragten (88,55 %) sehr wichtig. Knapp über die Hälfte der Befragten (51,54 %) findet, dass Fleisch maximal ein bis zwei Mal pro Woche auf dem Speiseplan von Schulen, Kitas usw. angeboten werden sollte. 42,02 % könnten in Kantinen öffentlicher Einrichtungen ganz auf Fleisch verzichten. Dabei finden fast alle (97,96 %), dass täglich mindestens ein pflanzliches Hauptgericht angeboten werden sollte. Ebenso fast alle der Befragten (96,82 %) sind der Meinung, dass Fleisch aus Intensivtierhaltung nicht auf den Kantinenteller in Schule, Kita & Co. gehört.

Die Ergebnisse zeigen, dass vielen Menschen beim Kantinenessen Tierschutz sehr wichtig ist und dass sie sich weniger oder gar kein Fleisch wünschen. Ganz deutlich wird dies daran, dass so gut wie jeder der Befragten Fleisch aus Intensivtierhaltung ablehnt.

Die Ergebnisse der Umfragen können Sie sich mit einem Klick in die Grafiken angucken:

Hintergrundinformationen: Zahlen & Fakten

Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) gibt es ca. 17.000 Ganztagsschulen mit Mittagstisch sowie 52.000 KiTas mit über fünf Millionen potentiellen Kantinengästen, daneben 2.000 Krankenhäuser und 13.000 Pflege- und Reha-Einrichtungen mit Gemeinschaftsverpflegung.

Schul- und KiTa-Essen beispielsweise gilt in Deutschland als qualitativ schlecht und nicht vollwertig. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigte, dass fast die Hälfte der KiTas zu viel Fleisch und Fleischerzeugnisse anbietet und jeder dritte Kindergarten gar keine biologisch produzierten Lebensmittel verwendet¹.

Der VIER PFOTEN Bericht

Unser Bericht zeigt Missstände auf, die den Mangel an Transparenz und klaren Vorgaben zum Tierwohl in der Beschaffungspolitik belegen. Gleichzeitig zeigt er Best-Practice-Beispiele, wie einige Städte und Kommunen bereits tierfreundlich einkaufen und somit nachhaltige Signale an den Markt senden, zugunsten von mehr Tierwohl, gesünderen Menschen und mehr Umweltschutz.

Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Bericht:

Download

 

Quellen:

¹) Bertelsmann-Stiftung, 2014: Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in Deutschland; Status quo und Handlungsbedarfe

²) INTERGRAL Umfrage im Auftrag von VIER PFOTEN, 03-2018