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VIER PFOTEN Modelllösung

21.6.2019

Für eine vollständige Rückverfolgbarkeit des EU-weiten Online-Welpenhandels

Der illegale Welpenhandel ist geprägt von Tierquälerei, Betrug und Krankheitsrisiken. Durch Ermittlungen, Recherchen und Kampagnenarbeit konnte VIER PFOTEN die weit verbreiteten Probleme im Tierhandel aufdecken.

Die meisten Hundewelpen und Katzenwelpen werden online über Kleinanzeigen-Plattformen verkauft. Diese bieten den Verkäufern einen einfachen Zugang zu einer großen Zahl potenzieller Käufer. Da die internationalen Welpenhändler die Plattformen anonym nutzen können, werden illegal importierte Welpen vor allem dort verkauft. Die Gefahr, dass die Händler identifiziert und dadurch strafrechtlich verfolgt werden können, ist äußerst gering.

Rückverfolgbarkeit ist ein Schlüsselaspekt im illegalen Handel mit Welpen. Nach der Abwicklung eines Welpenkaufes sehen sich die neuen Tierhalter oft mit Erkrankungen und hohen Tierarztkosten konfrontiert. Die Welpenverkäufer sind meist nicht mehr ausfindig zu machen. Derzeit gibt es in der gesamten Europäischen Union kein Gesetz, das dieses Problem löst.

Das EU-Gesetz zur Tiergesundheit

Das EU-Gesetz „Tiergesundheitsrecht" oder englisch „Animal Health Law“ (AHL) bietet eine noch nie dagewesene Gelegenheit, den illegalen Handel mit Welpen zu unterbinden. Das AHL wird ab dem 21. April 2021 in allen EU-Mitgliedstaaten in Kraft treten. Das übergeordnete Ziel des AHL ist die Bereitstellung von Präventions-, Schutz- und Kontrollmaßnahmen bezüglich übertragbarer Tierseuchen.

Das AHL verpflichtet alle Verkäufer, Züchter, Transporteure und Sammelstellen von Hunden, Katzen und Frettchen, dass ihre Betriebe bei einer nationalen Behörde registriert werden.* Dies ist auch ein Wendepunkt, um den illegalen Tierhandel im Internet beenden zu können: Das AHL ermöglicht die Rückverfolgbarkeit aller Betriebe von Züchtern und Verkäufern. Dies ist für die Identifizierung von unseriösen Verkäufern und Züchtern enorm wichtig.

Die VIER PFOTEN Modelllösung

Das AHL kann zur Bekämpfung des illegalen Online-Tierhandels beitragen, da es Transparenz schafft. Dies wird erreicht, wenn die nationalen Regierungen digitale Datenbanken für die Registrierung nationaler Betriebe einrichten. Allen Züchtern und Verkäufern, die ihren Betrieb registrieren, müssen Registrierungsnummern zugewiesen werden.

Online-Kleinanzeigenplattformen sollten gesetzlich dazu verpflichtet werden, die Registrierungsnummer zu überprüfen. Anzeigen auf der Plattform werden erst nach erfolgreicher Prüfung freigeschaltet. Idealerweise ist der Verkauf von Haustieren online ohne eine Registrierung in der Landesdatenbank gar nicht möglich. Die Registrierung sollte einfach vorzunehmen sein und sowohl private als auch gewerbliche Verkäufer betreffen. Die meisten unseriösen Verkäufer oder Züchter werden sich nicht registrieren, da dies eine Identifikation und Verfolgung ermöglicht. Somit wäre dieses System ein sehr guter Ausgangspunkt, um den illegalen Online-Welpenhandel einzudämmen.

Ein weiterer Schritt, um das Thema des illegalen Welpenhandels anzugehen: Die nationale Datenbank zur Registrierung von Betrieben sollte mit nationalen Tier-Kennzeichnungs- und Registrierungsdaten (K&R-Datenbanken) vernetzt werden - vorzugsweise durch das Hinzufügen der Betriebsnummer in die K&R Datenbanken. 
Durch diesen zusätzlichen Schritt könnte eine vollständige Rückverfolgbarkeit der Haustiere sowie ihrer Verkäufer erwirkt werden. Somit könnte man schnell und einfach herausfinden, aus welchem konkreten Betrieb ein Tier stammt. Dadurch könnten Strafverfolgungsbehörden leichter klären, wie viele kranke oder illegal importierte Welpen zu einem bestimmten Zucht- oder Verkaufsbetrieb gehören. Weiterführende Maßnahmen könnten zügig eingeleitet werden.

Eine internationale Stelle (wie etwa Europetnet), die auf Informationen aus nationalen K&R-Datenbanken zugreifen kann, könnte eine Schnittstelle für einen Prüfservice von Kleinanzeigen-Portalen in ganz Europa einrichten. Dazu würde auch die Überprüfung gehören, ob sowohl das Tier als auch der Verkäufer in einer K&R-Datenbank registriert sind und ob der Verkäufer als aktueller Besitzer des Tieres eingetragen ist. Mit dieser Schnittstelle können die Kleinanzeigen-Portale automatisiert überprüfen, ob die von den Verkäufern auf der Plattform angegebenen Informationen (wie Mikrochipnummer, Alter und andere Parameter) korrekt sind. Erst nach Feststellung der Richtigkeit kann eine Anzeige veröffentlicht werden.

Registrierung der Heimtiere entscheidend

Für die Rückverfolgbarkeit einzelner Haustiere ist es von entscheidender Bedeutung, dass sie von einem Tierarzt mit einem Mikrochip versehen und durch diesen in einer nationalen K&R-Datenbank registriert werden. In den Datenbanken müssen alle Personen erfasst werden, die im bisherigen Leben des Tieres eine Rolle spielten: Dies umfasst sowohl Züchter und Verkäufer als auch Tierärzte und Transporteure. Erfasst werden ebenfalls die Registrierungsnummer und der Status gemäß AHL.

Nur mit all diesen Informationen können die Behörden die Herkunft jedes erkrankten Tieres sowie den Aufenthaltsort aller mit diesem Tier involvierten Akteure herausfinden.  

Rückverfolgbarkeit eines gesamten Tierlebens

Mit diesem System könnte endlich eine EU-weite Rückverfolgbarkeit von Heimtieren ermöglicht werden, die dubiose Welpenhändler vom Markt ausschließt. Dies wäre ein entscheidender Schritt, um Krankheiten vorzubeugen, die Verbrauchersicherheit zu stärken sowie Mensch und Tier zu schützen.

Nächste Schritte und Ihre Meinung

VIER PFOTEN hat einen ausführlichen Report zu dieser Modelllösung erstellt, den Sie sich hier herunterladen können. Falls Sie Anmerkungen zu unserer Modelllösung haben, wende Sie sich gerne an office@vier-pfoten.org.

Die neuesten Informationen zum Projekt finden Sie unter www.four-paws.org/tracingthetrade

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