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Woher kommt ihr Gänsebraten?

Wie Sie die Herkunft von Gänsefleisch überprüfen können

Wie können Sie sichergehen, dass Ihre Gänsebrust oder Gänsekeule nicht von Gänsenaus tierquälerischer Haltung stammt? Im Handel findet sich häufig Gänsefleisch von Tieren, die in der Stopfmast leiden mussten. Die EWG-Nummer, die sich auf tierischen Lebensmitteln befindet, kann hier bereits einen ersten Aufschluss geben. VIER PFOTEN erklärt, worauf Sie achten sollten!

EWG-Nummer prüfen

Auf allen Lebensmitteln tierischer Herkunft finden Sie eine sogenannte EWG-Nummer. Mit Hilfe dieser Nummer kann der Verbraucher prüfen, woher das Produkt stammt,und wer es verarbeitet hat.

Die EWG-Nummer besteht aus der Länderkennung (z.B. „HU“ für Ungarn, „F“ für Frankreich oder „BE“ für Belgien) und einer Betriebsnummer. Manchmal findet sich noch der Zusatz „EG“ oder „EWG“, der anzeigt, dass das Produkt aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft stammt, oder ein Kürzel, das für das Bundesland steht, in dem es produziert wurde.

Sie finden die EWG-Nummer meist in der Nähe des Mindesthaltbarkeitsdatums. Sie besteht aus einem Oval mit einer Buchstaben- und Zahlenfolge. Oben sehen Sie ein Beispiel für Fleisch aus Ungarn („HU-332-EK“). „HU“ bezeichnet das Land, aus dem das Fleisch stammt – in diesem Fall Ungarn. „332“ steht für den Betrieb – in diesem Fall handelt es sich um Tranzit-Ker, einen ungarischen Gänseproduzenten, der keine Stopfmastproduktion betreibt. „EK“ steht für Europäische Gemeinschaft.

Französische EWG-Nummern

Die französischen EWG-Nummern sind etwas anders aufgebaut als z.B. die deutschen. Viele Informationen sind als Nummern kodiert. In unserem Beispiel steht das „F“ für die Länderkennung Frankreich, die erste Ziffer („67“) für das Département (Départments entsprechen etwa unseren Bundesländer). Die zweite Ziffer („447“) für die Gemeinde, aus der das Fleisch stammt und die dritte Ziffer („05“) ist die Ordnungsnummer des produzierenden Unternehmens in der Gemeinde (z.B. Schlachthof). Sie steht für die Firma Castaing, ein großer Stopfleberproduzent. „CEE“ steht auch hier für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.

was sie tun können

  • Verzichten Sie häufiger auf Gänsefleisch und verwenden Sie stattdessen pflanzliche Ersatzprodukte. Im Handel gibt es heute eine große Auswahl leckerer Produkte – auch ohne Soja.
  • Wenn Sie auf Gänsefleisch nicht verzichten möchten, erkundigen Sie sich im Einzelhandel genau nach der Herkunft des Gänsefleisches. Verzichten Sie im Zweifelsfall lieber auf das Produkt, wenn die Produktionswege nicht mehr nachvollzogen werden können.
  • Fragen Sie auch im Restaurant nach der Bezugsquelle des Gänsefleisches, wenn Sie ein Gericht mit Gans essen.

Gänsefleisch: VIER PFOTEN warnt vor Fleisch aus Stopfmast und Lebendrupf.

Auch wenn in Deutschland die grausamen Praktiken Stopfmast und Lebendrupf verboten sind, ist beim Gänse essen Vorsicht geboten: Denn der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Gänsen beträgt gerade einmal 15 Prozent. Über vier Fünftel der Gänse stammen also aus dem Ausland, und in vielen Ländern werden Gänse nach wie vor gestopft und lebend gerupft. Produkte aus Frankreich, Spanien, Bulgarien und Ungarn können unter tierquälerischen Bedingungen erzeugt worden sein, denn in diesen Ländern ist die Zwangsmast zur Stopfleberproduktion erlaubt. Das Herkunftsland erkennt man an dem Länderkürzel der EWG-Nummer, die sich meist in der Nähe des Mindesthaltbarkeitsdatums befindet, so z.B. HU für Ungarn.

Haltungsbedingungen und Mastverfahren: Intensivmast oder Weidemast

Doch Lebendrupf und Stopfmast sind nicht die einzigen Probleme bei der Gänsehaltung. Gänse brauchen Wasserzugang, um zu baden, gründeln und ihr Gefieder pflegen zu können. Ein Großteil der Gänse wird jedoch in kombinierter Stall/Auslaufhaltung intensiv gehalten, das heißt: große Bestände, kürzere Mastperioden, hochkonzentriertes Futter und kein Badezugang.

In Deutschland ist die vergleichsweise artgemäße Weidehaltung mit längeren und schonenderen Mastzeiten von 32 Wochen üblich, wenn auch fast immer ohne Zugang zu Bademöglichkeiten. In Ungarn, Polen und Frankreich überwiegt hingegen die intensive Gänsehaltung mit kurzen Mastzeiten von 16 Wochen. Große Tiergruppen von tausend Tieren und mehr leben dort in kombinierter Stall/Auslaufhaltung.

Fazit: Weidemast mit Wasserzugang bei langsam wachsenden Rassen und möglichst Bio ist die artgemäße Haltungsoption.  

Gänsefleisch aus dem Ausland: Informationsliste, um Stopfmast und Lebendrupf auszuschließen

Aus Tierschutzsicht ist es natürlich am besten, auf Gänsefleisch zu verzichten. Wenn es jedoch unbedingt Gans sein muss, empfiehlt VIER PFOTEN die Bio-Weidegans aus regionaler Haltung. Außerdem bietet VIER PFOTEN für ungarische und polnische Betriebe eine Informationsliste [DOWNLOAD], bei welchen Lebendrupf und Stopfmast ausgeschlossen sind. Dies bedeutet nicht, dass diese Betriebe optimale Haltungsbedingungen bieten, aber die Konsumenten können zumindest die allerschlimmsten Praktiken ausschließen.

was sie tun können

  • Verzichten Sie häufiger auf Gänsefleisch und probieren Sie stattdessen leckere pflanzliche Gerichte. 
  • Wenn Sie auf Gänsefleisch nicht verzichten möchten, wählen sie die artgemäße Option der Weidegans aus ökologischer Erzeugung.
  • Erkundigen Sie sich im Einzelhandel und im Restaurant genau nach der Herkunft des Gänsefleisches. Verzichten Sie im Zweifelsfall lieber auf das Produkt, wenn die Produktionswege nicht nachvollzogen werden können.

Weitere verbrauchertipps

  • Vorsicht beim Kauf von Enten- und Gänsefleisch aus Frankreich, Spanien, Bulgarien und Ungarn, da diese Länder Stopfleber exportieren!
  • Vorsicht bei Enten oder Gänsen ohne Innereien! Wo die Leber fehlt, kann schwer nachgewiesen werden, ob das Tier nicht gestopft wurde.
  • Vorsicht auch bei allen Gänseleberpasteten, Terrinen und ähnlichen Produkten aus Entenleber.
  • Denken Sie daran, dass die konventionelle Enten- und Gänsemast oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen stattfindet. Wie wäre es dieses Weihnachten mit pflanzlichen Gerichten oder zumindest eine bio-regionale Weidegans?