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Fleisch ist Klimakiller Nummer Eins!

In Deutschland werden im Schnitt etwa sechs Portionen Fleisch und Wurst pro Kopf und Woche konsumiert. Ernährungswissenschafter empfehlen dagegen, nicht mehr als maximal zwei bis drei Portionen Fleisch und Wurst pro Woche zu essen. Wir nehmen also das Doppelte der angeratenen Höchstmenge zu uns. Dies schadet nicht nur unserer Gesundheit und unzähligen Tieren, sondern die Tierproduktion ist auch die größte von Menschen verursachte Belastung für unser Klima.

Obwohl öffentlich viel über den Klimawandel und Maßnahmen dagegen diskutiert wird, bleibt gerade der Konsum von Tierprodukten wie Fleisch, Milch und Eiern meist gänzlich unberücksichtigt. Kaum jemand ahnt, dass Fleisch Klimakiller Nummer Eins ist. Dies zeigt auch eine spontane Umfrage unter Passanten auf der Wiener Mariahilfer Straße Anfang November 2009.


Das internationale Dilemma

Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen konnten sich die Staatsvertreter weder auf ein gemeinsames Klimaziel einigen, noch haben sich die Staaten zu individuell verbindlichen Klimaschutzmaßnahmen bekannt. Erst nachträglich bis zum 31. Januar 2010 haben die einzelnen Staaten der UN die von ihnen angepeilten Emissionsreduktionsziele bekannt gegeben.

In der öffentlichen Diskussion dominieren weiterhin die Sorgen um den Verkehr und unseren Bedarf an Heizenergie und Strom vor. Dabei beeinflusst unsere Ernährung den Klimawandel deutlich mehr.

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Um über eine Konzentration auf Verkehr und Energiewirtschaft auch nur annähernd ausreichend klimawirksame Maßnahmen setzen zu können, sind große Investitionen in neue Technologien und Strukturen nötig. Experten schlagen bereits jetzt Alarm, weil die einzelnen Nationen erbarmungslos um die Aufteilung der Anpassungskosten feilschen. Keine Nation möchte mehr als andere für Klimaanpassungsmaßnahmen ausgeben, weil diese Investitionen nicht für die Förderung des Wirtschaftswachstums zu Verfügung stehen würden. Entwicklungsländer argumentieren, dass ihnen - im Gegensatz zu reichen Ländern - das nötige Geld für Anpassungsmaßnahmen fehlen würde. Reiche Länder werfen ein, dass die größte Klimaschädigung von Entwicklungsländern ausgehen würde, und es daher nötig wäre, dass vor allem dort die größten Maßnahmen zugesichert werden. Ausgehend von den Positionen der nationalen Konferenz-Sprecher scheint somit die ursprünglich geplante Einigung auf einen international bindenden Vertrag unerreichbar.

Selbstverständlich ist es sinnvoll, in allen Aspekten unseres Lebensstils die Auswirkungen unserer Praktiken zu berücksichtigen. Allerdings ist es höchst unvernünftig, gerade die wirkungsvollste Maßnahme gegen den Klimawandel zu ignorieren: Unser Fleischkonsum macht nicht nur den Großteil des von Menschen verursachten Treibhauseffekts aus, sondern seine Reduktion kann - im Gegensatz zu anderen Maßnahmen - ganz ohne Investitionen in teure neue Technologien erfolgen.


Qualität kennzeichnen und unkluge Förderungen einsparen

In Deutschland wäre politisch höchst effektiver Klimaschutz zudem sogar eine riesige Ersparnis: Im Moment wird der Preis von Tierprodukten wie Fleisch und Milch massiv durch Steuergelder gestützt. Viehbauern bekommen für ihre Erzeugnisse einen Mindestpreis bezahlt, der am freien Markt nicht erwirtschaftet werden kann. Zum Beispiel jeder in Deutschland produzierte Liter Milch kostet uns daher Steuergeld - selbst wenn wir ihn nicht kaufen.

Billigware niedriger Qualität steht direkt im Preiskampf mit Waren hoher Qualität, weil eine ebenso konsequente wie unmissverständliche Kennzeichnung und Kontrolle von Qualitätsstandards fehlt. Würde eine nachvollziehbare, verpflichtende Kennzeichnung von Qualitätsstandards eingeführt und keine Steuergelder mehr in die Bewerbung von Produkten wie Fleisch und Milch investiert, bliebe das bisher dafür eingesetzte Geld aus dem Staatsbudget für sinnvollere Maßnahmen übrig. Der Verbrauch von Fleisch, Milch und Eiern liegt bei uns ungesund hoch. Die staatliche Förderung einer weiteren Steigerung des Verbrauchs von Tierprodukten ist damit nicht nur sinnlos, sondern sogar schädlich für unsere Gesundheit und unsere auf diese Weise von staatlichen Zuschüssen abhängig gemachte Wirtschaft.

Tierfreundlichere Haltungsbedingungen müssen über eine eindeutige Kennzeichnung sichtbar gemacht werden, damit Konsumenten beim Einkauf unterschiedliche Qualitätsstandards zuverlässig erkennen können. Anders ist es schließlich selbst beim besten Willen nicht möglich, höhere Qualität zu bevorzugen. In weiterer Konsequenz könnten dann Bauern - auch ohne Staatszuschüsse - endlich einen fairen Preis für die Einhaltung höherer Qualitäts- und Tierschutzstandards erhalten. Da eine bessere Haltung auch mehr Arbeitsaufwand bedeutet, würden so zusätzliche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft entstehen.

Die in Deutschland ohnehin in viel zu großem Ausmaß konsumierten Tierprodukte würden damit zwar teurer, aber auch besser. Wenn die wettbewerbsverzerrende staatliche Förderung tierischer Erzeugnisse wegfällt, werden auch Obst, Gemüse und Getreide im Preisvergleich wieder attraktiver und uns damit eine gesündere Ernärung leichter gemacht. Gesündere Menschen entlasten auch unsere Krankenkassen. Weniger Kranke können mit derselben Menge an Geld wesentlich besser versorgt werden.

Auf diesem Weg können wir nicht nur den Klimawandel bremsen, unseren Staatshaushalt schonen und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wir können obendrein unzähligen Tieren ersparen, ohne jede Rücksicht auf ihre Bedürfnisse und Empfindungen maschinell verarbeitet zu werden.


Die Fakten

Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hat im November 2006 eine Studie zu den wichtigsten Faktoren der von Menschen verursachten Treibhausemissionen veröffentlicht. Diese Studie ist die anerkannte Referenz, auf die auch alle anderen renommierten Studien seither verweisen. Bereits darin wird die Tierproduktion mit 18 Prozent noch vor dem Verkehr als größter Emissionsfaktor genannt.

Die FAO berücksichtigt Emissionen von Treibhausgasen aus der Tierhaltung und dem Futtermittelanbau wie CO², Methan und Lachgas. Auch Emissionen aus Brandrodungen für Weideland und Futtermittelanbau werden großteils mitberechnet. Das Potential der durch die Fleischproduktionen verlorenen Wälder, CO² zu binden und das Klima zu stabilisieren, findet bei der FAO hingegen keine Berücksichtigung. Allerdings werden 70 Prozent der gerodeten Regenwaldflächen für Weiden und die Produktion von Nutztierfutter eingesetzt. 30 bis 50 Prozent der weltweiten Getreideernte und 80 Prozent der Welt-Sojaernte wird an Tiere verfüttert.

Das World Watch Institute hat im November 2009 als Reaktion darauf ebenfalls eine Studie veröffentlicht, um die von der FAO nicht erfassten Faktoren zu integrieren. Wenn es nach dieser Studie geht, ist die Tierproduktion sogar für 51 Prozent des vom Menschen verursachten Klimaeffekts verantwortlich.














In einer im Februar 2009 veröffentlichen Studie, die das Problem nicht nur von der Emmisionsseite her betrachtet, kommt die Netherlands Environmental Assessment Agency (PBL) zu dem Ergebnis, dass uns der Klimawandel bis zum Jahr 2050 Vierzig Billionen (40.000.000.000.000) Dollar kosten wird. Bis zu 80 Prozent dieser Kosten (also 32 Billionen Dollar) würden gar nicht erst entstehen, wenn wir unseren Konsum vom Fleisch, Milch und Eiern reduzieren. Um sich unter dieser astronomischen Summe etwas vorstellen zu können: Mit diesem Geld könnten zum Beispiel mehr als 200 Millionen Einfamilienhäuser zu je 150.000 US$ gebaut werden - ein neues Haus für alle Menschen in Europa, Russland, Australien und Kanada zusammen!


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