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Rechtliche Grundlagen


Säugetiergutachten

In Deutschland bestimmt das Säugetiergutachten die Lebensumstände vieler Wildtiere in Zoos. Doch dieses ist für viele Tierarten völlig unzureichend.


Die Vorgaben für die Zootierhaltung sind völlig unzureichend.
© VIER PFOTEN

Das „Gutachten über die Mindestanforderungen für Säugetiere“ (Säugetiergutachten) enthält Standards für die Haltung vieler zootypischer Tierarten wie Elefanten, Großkatzen oder Affen. Das 1996 vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) veröffentlichte Gutachten wurde viele Jahre überarbeitet und liegt seit Mai 2014 in neuer Fassung vor.

 

 

 

Chance vertan

 

Gut ist, dass das völlig veraltete Gutachten nun überarbeitet wurde. Doch das Ergebnis ist aus Tierschutzsicht unbefriedigend. Die Mindestanforderungen für die Tierhaltung sind immer noch völlig unzureichend und widersprechen dem Tierschutzgesetz. Bei vielen Tierarten wurde der Tierschutz den wirtschaftlichen Interessen der Zoovertreter untergeordnet.

 

Wesentliche Empfehlungen von Tierschutzsachverständigen, externen Experten und erfahrenen Tierhaltern sowie wichtige Anregungen einiger Bundesländer blieben unberücksichtigt. So bleibt das vorliegende Gutachten bei vielen Tiergruppen auch deutlich hinter international anerkannten Mindesthaltungsstandards zurück.

 

Von Tierschutzseite wurde das Säugetiergutachten daher nur mit Verweis auf ein ausführliches Differenzprotokoll unterzeichnet. In ihm findet sich die ausführliche Tierschutz-Kritik an den einzelnen Punkten des Gutachtens.

 

 

 

Schlechte Standards

 

Zum Beispiel bleiben Innengehege fast durchgängig auf wenige Quadratmeter beschränkt, obwohl die meisten Tierarten im Zoo hier den größten Teil ihres Lebens verbringen müssen.

 

Außerdem ist eine verhaltensgerechte Unterbringung bestimmter Arten unmöglich: Eisbären, Delfine, Elefanten oder Menschenaffen leiden unter erheblichen Einschränkungen, etwa in ihrem Bewegungsbedürfnis, Nahrungssuch-, Beutegreif- oder Sozialverhalten.

 

Laut dem neuen Säugetiergutachten dürfen beispielsweise Elefanten immer noch im direkten Kontakt zu Menschen gehalten werden, Elefantenhaken und zeitweise Ankettung bleiben ebenfalls erlaubt. Viele Elefantengehege in deutschen Zoos entsprechen den neuen Vorgaben, obwohl hier regelmäßig Übergewicht und Fußprobleme auftauchen, und Tiere sich nicht immer gegenseitig ausweichen können. 

 

Das neue Gutachten hält außerdem für eine Gruppe von vier ausgewachsenen Orang-Utans 120 Quadratmeter Außengehege für ausreichend und für Schimpansen, Gorillas oder Bonobos 200 Quadratmeter. Die Tierschutzverbände fordern dagegen für alle großen Menschenaffen mindestens 250 Quadratmeter pro Tier!

 

Eisbären, die in freier Wildbahn riesige Streifgebiete haben, wird im Gutachten lediglich eine Mindestfläche von 400 Quadatmetern für zwei Tiere zugestanden.


 

 

VIER PFOTEN setzt sich weiter für bessere Bedingungen bei der Tierhaltung in Zoos ein!

 

 

 

EU-Zoorichtlinie

 

In der Europäischen Union regelt die Richtlinie 1999/22/EG über die Haltung von Wildtieren in Zoos, welche allgemeinen Anforderungen Zoos erfüllen müssen. Aus Tierschutzsicht ist die Richtlinie grundsätzlich ein Fortschritt, allerdings enthält sie weder konkrete Haltungsvorgaben für einzelne Tierarten noch regelt sie tierschutzrelevante Problemfelder.

Bis 2002 hätte sie in den EU-Mitgliedsstaaten vollständig umgesetzt werden müssen. Doch viele Staaten erfüllen sie bis heute nicht. In den Ländern, in denen Mindestanforderungen für die Haltung einzelner Tiergruppen existieren, entsprechen diese vielfach nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft, wie etwa das deutsche Säugetiergutachten.


 

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