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Wildschweine

2012-11-16

Plage oder Zucht?

Sie sind normalerweise tagaktiv und streifen friedlich auf der Suche nach Futter durch den Wald.
© Jörg Sabel / pixelio.de

Die jährlich höhere und seit langem unnatürliche Wilddichte ist ein Dauerkonflikt zwischen Forst und Jagd und auch auf jeder Jägertagung ein heftig diskutiertes Thema. Doch die Probleme sind hausgemacht.

 

"Wenn immer mehr Wildtiere geschossen werden, weil es immer mehr gibt, müssen dann noch mehr geschossen werden, damit es weniger werden?“ Diese provokante Frage des Wiener Zoologen Dr. Wolfgang Scherzinger* bringt es auf den Punkt.

 

Vor allem mangelt es am Willen zur Ursachenbekämpfung, denn erst ein hoher Wildbestand garantiert dem Jäger die gewünschten zahlreichen Abschüsse. Dazu ist die irreführend als „Hege“ bezeichnete Zucht durch Fütterung nötig – bei Wildschweinen mit tonnenweise fruchtbarkeitssteigerndem Mais.

 

 

Jäger verkaufen Abschüsse an betuchte Kunden

 

Damit Revierinvestitionen sich rentieren, verkaufen Jäger immer öfter Abschüsse an betuchte Kundschaft. „Und die meist nicht gerade treffsicheren Hobbyjäger schießen auf alles, was ihnen vor die Flinte gestellt oder getrieben wird“, sagt VIER PFOTEN Geschäftsführerin Johanna Stadler. „Dies schließt auch Muttertiere und sogar Leittiere mit ein, wodurch zusätzlich die Fortpflanzung angekurbelt wird, da die führungslosen Jungtiere dadurch schneller ins geschlechtsreife Alter kommen."

 

Eine Einbremsung der Schießwut ist also längst überfällig, denn es gibt wegen der Jagd ohnehin schon lange keine natürlich gewachsenen, gesunden Rottenstrukturen mit allen Altersstufen mehr. „Jäger wissen einfach nicht, was sie damit anrichten, oder es ist ihnen egal“, ist Stadler erzürnt. „Bei so beeindruckenden Tieren wie Wildschweinen von einer Plage zu sprechen, spricht auch für den Egoismus der Jäger, die mit solchen Meldungen die Aufhebung sämtlicher Tötungsbeschränkungen erreichen wollen.“

 

Wildschweine sind übrigens wahrscheinlich intelligenter als Hunde. Sie sind normalerweise tagaktiv und streifen friedlich auf der Suche nach Futter durch den Wald. Die Jagd hat sie vielerorts in die Nachtaktivität getrieben und die massive Fütterung führt zu regelrechter Massentierhaltung im Wald, was an den Böden im Umkreis der Futterplätze leicht zu erkennen ist.

 

 

*Wolfgang Scherzinger: Naturschutz im Wald. Qualitätsziel einer dynamischen Waldentwicklung, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart-Hohenheim 1996.


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