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Wildtiere sind keine Haustiere


Nicht nur in Zoologischen Gärten und Tierparks werden Wildtiere gehalten, auch in deutschen Wohnzimmern erfreuen sich nicht domestizierte Tierarten großer Beliebtheit. Ein gefährlicher Trend für Mensch und Tier, denn die Haltung von Wildtieren ist schwierig und aufwändig.


Der Handel mit exotischen Wildtieren für private Haltung boomt.
© VIER PFOTEN

Aus Tierschutzsicht sind viele Arten als Heimtier völlig ungeeignet. Im Gegensatz zu domestizierten Arten haben sich Wildtiere nicht über Jahrtausende an die Haltung in menschlicher Obhut angepasst. Insbesondere exotische Arten sind äußerst sensibel und haben hohe Ansprüche an ihr Lebensumfeld, die Privathalter kaum erfüllen können. Für manche Arten gibt es nicht einmal genug Informationen über die Lebensgewohnheiten in der freien Natur.

 

Aber nicht nur Tierschutzaspekte sprechen gegen den Leguan, den Ara oder den exotischen Kleinsäuger in Haus und Garten. Der internationale Handel mit Wildfängen für die Privathaltung gefährdet wildlebende Tierarten.


 

 

Artgemäße Haltung nur schwer möglich

 

Kaum ein Privathalter verfügt über die notwendigen Kenntnisse, um Wildtieren ein artgemäßes Leben zu ermöglichen. Die Ansprüche vieler Tiere in Bezug auf Ernährung, Unterbringung, Raumklima oder Sozialstruktur sind sehr komplex. Oft erfordert die Haltung erhebliche finanzielle Mittel. Viele Arten werden sehr alt und können enorme Körpergrößen erreichen. Dieser jahrzehntelangen Verantwortung sind nicht alle Halter gewachsen.

 

Aufgrund von Haltungsfehlern sind hohe Krankheitsraten kaum zu vermeiden. Viele Krankheiten werden häufig gar nicht oder zu spät erkannt, so dass eine Behandlung oft zu spät erfolgt. Und selbst viele Tierärzte sind mit den neuen Patienten überfordert, so dass eine gute medizinische Versorgung nur schwer zu gewährleisten ist. Die traurige Folge sind kranke, vernachlässigte, ausgesetzte oder sogar getötete Tiere.


 

 

Undurchschaubarer Handel

 

Jeder Laie kann sich im Zoohandel, auf Tierbörsen, in Gartencentern, bei privaten Züchtern oder über das Internet exotische Wildtiere anschaffen. Viele Arten kosten nur ein Taschengeld, was die Gefahr von Spontankäufen erhöht.

 

Selbst gefährliche Tiere können in die Hände unerfahrener Halter gelangen. Recherchen von Tierschutzorganisationen zeigen immer wieder: Auf Exotenmessen und in Zoogeschäften werden die Kunden keineswegs immer ausreichend über die oftmals komplexen Bedürfnisse der Tiere, mögliche Gefahren und gesetzliche Grundlagen informiert.


Exotenmessen sind beliebt.
© VIER PFOTEN

 

 

Beliebt: Tierbörsen

 

Auch im Fachhandel ist eine artgemäße Unterbringung von Wildtieren nicht gegeben. Viele Tierschutzprobleme finden sich auf Exotenbörsen. In winzigen Präsentationsboxen ausgestellt sind Rückzugsmöglichkeiten und eine artgemäße Ausstattung nicht vorhanden. Als zusätzlicher Stressfaktor werden die Tiere immer wieder angefasst oder aus ihren Behältnissen herausgenommen. Sie sind einem enormen Geräuschpegel ausgesetzt und haben in der Regel stundenlange Transporte vor und hinter sich.


 

 

Wildfänge gefährden den Artenschutz

 

Ein großer Teil der gehandelten Exoten stammt aus der freien Wildbahn. Wildfänge und der Handel mit ihnen stellen eine große Bedrohung für die Artenvielfalt dar. Vom Fang über den Transport, den mehrstufigen Zwischenhandel und den Endhändler bis hin zum Endkunden: Auf allen Etappen lassen viele Tiere aufgrund völlig inakzeptabler Fang- und Transportbedingungen ihr Leben. Doch trotzdem steigt die Nachfrage nach exotischen Haustieren, weshalb deren Importe explodieren. So werden in Deutschland laut statistischem Bundesamt inzwischen etwa 840.000 Reptilien pro Jahr eingeführt.

 

Private Nachzuchten im heimischen Wohnzimmer stellen keinen nennenswerten Beitrag zum Artenschutz dar, nicht zuletzt weil viele Arten gezielt auf immer neue Farbvarianten gezüchtet werden oder Kreuzungen zwischen verschiedenen Unterarten forciert werden. Die negativen Auswirkungen des internationalen Tierhandels auf wildlebende Tiere sind belegt, denn manche Arten wurden an den Rand der Ausrottung gebracht. Die Haltung von Exoten kann aber auch heimische Wildtiere gefährden: Entwichene oder ausgesetzte Tiere schädigen die heimische Natur- und Tierwelt und führen schlimmstenfalls zu einer Verdrängung einheimischer Spezies.


 

 

Sicherheitsrisiko

 

Viele exotische Heimtiere stellen ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Giftige Arten, große Würgeschlangen, Schnappschildkröten, Krokodile oder Affen können sehr gefährlich für den Tierhalter sein, aber auch unbeteiligte Personen sind immer wieder durch entkommene Individuen gefährdet.

 

Völlig unterschätzt wird ebenfalls die Ansteckungsgefahr mit Infektionskrankheiten. Eine Vielzahl an viralen, bakteriellen Krankheiten, aber auch Parasiten können von Schildkröten, Leguanen, Waranen, Schlangen, Affen und Fledermäusen auf den Menschen übertragen werden. Dazu gehören u.a. Hepatitis, Tuberkulose, Tollwut und viele weitere. Staatliche Gesundheitsinstitute weisen vermehrt auf die Gefahren durch Salmonellen bei der Reptilienhaltung hin, insbesondere Schwangere, Kinder oder ältere Menschen sollten keinen Kontakt zu dieser Tiergruppe haben.


 

 

 

Rechtliche Situation

 

Da es in Deutschland bisher keine bundesweite Regelung für die Haltung von und den Handeln mit Wildtieren durch Privatpersonen gibt, haben einzelne Bundesländer eigene, sogenannte Gefahrtier-Regelungen erlassen: Knapp über die Hälfte der Bundesländer verfügt über eine entsprechende Verordnung, doch nur die wenigsten verbieten grundsätzlich die Haltung besonders gefährlicher Tiere.

 

Die Bundesregierung hat zwar im Koalitionsvertrag von 2013 angekündigt, ein Gesetz auf Bundesebene zu erlassen, doch scheint eine ganzheitliche Regelung mittels Positivliste, die Tier-, Natur- und Artenschutz, artgemäße Haltung sowie Gesundheit und öffentliche Sicherheit berücksichtigt, in weiter Ferne zu liegen.


Sachkundenachweis und Registrierungspflicht, wie sie von der Halterseite als Kompromiss vorgeschlagen werden, sind keine Reglementierung des Handels und der Haltung im Sinne von Vorgaben und reichen daher bei weitem nicht aus.


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